22.11.2013, 07:09 Uhr

Hotelchefin weist Kritik zurück Gault Millau verreißt Küche im Osnabrücker „Remarque“


Osnabrück. Das kommt fast nie vor: Vier Punkte entzog jetzt der Restaurantführer Gault Millau dem Osnabrücker Restaurant „Vila Real“ im Hotel „Remarque“. Der Kritiker lag jedoch aus Sicht von Hotelchefin Ira Klusmann schon bei der Beschreibung der reinen Fakten in allen Punkten überprüfbar daneben.

In der vorangegangenen Bewertung desselben Restaurantführers war das „Vila Real“ unter Küchenchef Andreas Klatt noch mit 16 Punkten und zwei Kochmützen ausgezeichnet worden. Ein Tester hatte der Küche da noch „anspruchsvolle Interpretationen“ von Spezialitäten aus verschiedenen Ländern bescheinigt. Diesmal gab es jedoch den Verriss eines offenbar anderen Testers, der sein Augenmerk zunächst auf völlig andere Aspekte gerichtet hatte. Und der mit Sarkasmus und verbalen Tiefschlägen nicht zimperlich umging. Beispiel: „Die drei ineinanderfließenden Gastronomiebereiche mit ihrer offenen Küche erfreuen sogleich jeden Liebhaber hoher Geräuschpegel.“ Von „gedankenloser Küche“ ist die Rede, von „gräulich gebeiztem Saibling“ und lieblos angerichtetem Spargel auf „altmodischen“ Tellern.

Ira Klusmann gibt sich auf Nachfrage recht gelassen, aber dass sie die Sache wurmt, kann sie kaum verbergen. Die Nachricht habe ihr eine schlaflose Nacht beschert, räumt sie offen ein.

Küchenchef Klatt hatte sie gleich nach Bekanntwerden der Führer-Watschn abends angerufen. „Ich habe ihm gesagt, dass er den Kopf nicht hängen lassen soll“, berichtet Ira Klusmann. Sie meint: Der Tester entwerte sein Urteil durch überprüfbar falsche Tatsachenbehauptungen selbst. So biete das „Vila Real“ zum Beispiel überhaupt kein Fünf-Gänge-Menü an. Klusmann ist überzeugt davon, dass ihre Gäste zu ganz anderen Bewertungen kommen als der Tester. Und das sei entscheidend – wenngleich gute Bewertungen wichtig seien, um auch gutes Personal zu bekommen.

Das Remarque steht übrigens in einer Reihe mit Promi-Köchen wie Tim Mälzer oder Steffen Henssler. Der hatte seine Einstufung als „kochender Mario Barth“ so erklärt: Der Führer würge bekannten Köchen eins rein, um seine sinkende Bedeutung zu retten. Fragen zum Remarque-Verriss beantwortete der Gault-Millau-Verlag gestern nicht.


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