08.03.2012, 17:06 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Täter gab TV-Interview Osnabrück: Mordfall Iburger Straße - Das Messer sollte „eingeweiht“ werden

Der Angeklagte Michael A. (rechts) im Gespräch mit seinem Verteidiger. Foto: Elvira PartonDer Angeklagte Michael A. (rechts) im Gespräch mit seinem Verteidiger. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Schon bald nach der Tat war Ömer S. (19) im Fernsehen. Als die Kamera schon ausgeschaltet war, berichtete er einer RTL-Journalistin, Michael A. (17) habe in der Nacht zum 18. September 2011 „sein Messer einweihen“ wollen. Sein Todesopfer war der 22-jährige Matthias B. aus Ibbenbüren, den der Messerstecher und zwei Mittäter unmittelbar vorher an der Iburger Straße zusammengeschlagen hatten.

Totschlag lautet die Anklage. Gestern berichteten Polizisten im Landgericht von ihren Ermittlungen. Einer von ihnen erinnerte sich an den Anruf der Fernsehjournalistin: Sie hatte Ömer S. (19) interviewt. Der habe den Messerstecher Michael A. (17) als Psychopathen bezeichnet und erzählt, dass er einige Zeit vorher bereits auf einen Punker eingestochen habe.All das erzählte Ömer S. auch der Osnabrücker Polizei, wie ein weiterer Beamter gestern erläuterte. Doch wer das weitere Opfer gewesen sein soll, konnten die Polizisten offenbar nicht herausfinden: „Die Ermittlungen sind ins Leere gelaufen.“

Die Formulierung „Messer einweihen“ fiel gestern einige Male. Strafverteidiger Jens Meggers fragte einen der Polizisten, ob er daraus zwangsläufig eine geplante Bluttat ableite. Ja, lautete die Antwort des Beamten. Jedenfalls sei offensichtlich, dass der Angeklagte das Messer „nicht zum Apfelschälen“ dabeigehabt habe.

Matthias B. war nach Osnabrück gefahren, um den Geburtstag seiner 19-jährigen Freundin zu feiern – erst in einem Gartenhaus in der Nähe der Iburger Straße und dann, so der Plan, in der Innenstadt. Er, seine Freundin und drei weitere junge Frauen machten sich auf den Weg dorthin. Die Gruppe sah an der Ecke Ravensbrink/Iburger Straße vier junge Männer auf sich zukommen. Wie die Zeuginnen am vorherigen Verhandlungstag berichtet hatten, kannten sie einige der späteren Täter, fühlten sich bereits bei deren Anblick bedroht und wollten mit Matthias B. die Straßenseite wechseln, was ihnen jedoch nicht rechtzeitig gelang. Es kam zu einem Wortgefecht. Danach sind die vier Frauen mit Matthias B. in Richtung Innenstadt geflüchtet. Doch kurz vor dem Hauswörmannsweg holten Michael A., Ömer S., dessen Bruder Hüseyin S. (18) und Marco E. (19) die Gruppe ein. Während Letzterer rauchend zuschaute, hatten nach Aussagen der Frauen die anderen drei mit Fäusten und Knien auf Matthias B. eingeprügelt und mit Füßen nach ihm getreten. Ihr Freund habe sich nicht wehren können.

Die drei Täter hätten ihm das Hemd ausgezogen und den Geschundenen immer wieder vom Boden hochgehoben, um weiter auf ihn einschlagen zu können. Schließlich habe sich Michael A. so bewegt, als würde er mit einem Messer ausholen, doch eine Stichwaffe hätten sie nicht erkennen können.

Als ihr Opfer leblos mit bloßem Oberkörper auf dem Bürgersteig lag, flohen die drei Täter und ihr Begleiter Marco E., der tatenlos zugeschaut hatte. Unterdessen hatten die Frauen Rettungswagen und Polizei gerufen. Doch deren Hilfe kam zu spät. Einer von drei Stichen ließ das Blut „im freien Lauf“ in die Bauchhöhle fließen, wie Mediziner gestern erläuterten. Sie versuchten, Matthias B. zu reanimieren, während sie ihn gleichzeitig operierten – und mussten aufgeben. „Er war schon die ganze Zeit im Sterben“, sagte ein Chirurg. „Das Herz begann nicht mehr zu schlagen.“