18.11.2012, 18:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

„Was ihr wollt“ in der Volkshochschule Munterer Geschlechtertausch: Osnabrücker „Montagsspieler“ spielen Shakespeare

Männer als Frauen – und umgekehrt: die „Montagsspieler“. Foto: Thomas OsterfeldMänner als Frauen – und umgekehrt: die „Montagsspieler“. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. 2002 spielte die Osnabrücker Laientheatergruppe „Montagsspieler“ noch das Stück „Shakespeare dringend gesucht“, nun hat sie mit „Was ihr wollt“ eines seiner erfolgreichsten Stücke mit großer Spielfreude auf die Bühne der Volkshochschule Osnabrück gebracht.

Die schiffbrüchige Viola spielt notgedrungen einen Diener mit Namen Cesario, verliebt sich dabei unabsichtlich in ihren Herrn Orsino und weckt als Postillon d’Amour das Interesse der von Orsino angebeteten Olivia. Derlei verquere Verhältnisse beherrschen das gesamte Geschehen in William Shakespeares 1601 erschienenem „Was ihr wollt“.

Doch es geht noch wilder: In der Aufführung der „Montagsspieler“ unter der Regie von Gerlinde Hegerfeld werden sämtliche Frauenrollen von Männern und sämtliche Männerrollen von Frauen gespielt. Denn, so die hübsche Idee: All das bunte Treiben auf der Bühne ist eigentlich ein Spiel mit Avatar-Identitäten, die verschiedene Menschen in einem Chatroom eingenommen haben.

Und diese Idee geht auf, denn mag das Werk Shakespeares auch alt sein, so sind seine Stücke mit all den Themen rund um Liebe, Irrsinn, Intrigen und Machtspiele von einer solchen Universalität, dass sie sich immer noch – ob im Kino oder auf der Bühne – als moderne Parabeln eignen.

So stört es dann auch nicht, dass die eigentlich junge Viola von einem grauhaarigen alten Mann (Claus Weidner) mit Perücke dargestellt wird. Oder Orsino eben von der sehr spielfreudigen Claudia Jochmann. Denn im Stück ist eben niemand der, der er oder sie zu sein vorgibt. Genauso wenig wie in Chatrooms mit all ihren Nicknames.

Auf der Bühne sorgen vor allem die Männer in Frauenkleidern für Heiterkeit. Besonders wenn sie so zurecht gemacht sind wie Martin Moosbauer als Olivia, dessen Haarpracht von Prinzessin Lillifee inspiriert scheint. Großartig aber auch Eveline Biesenthal und Heike Segner, die als trinkfreudiges Chaosgespann Toby Rülps und Andrew Leichenwang für die derben Scherze zuständig sind.

Bei all den Irrungen und Wirrungen verliert sich dabei nie der rote Faden, oder besser gesagt, das blaue Tuch, dass das gesamte Stück durchzieht: Mal ist es das Meer, welches anscheinend das Zwillingspaar verschlang, mal das Liebesnest der Gräfin Olivia, dann wieder der Säulengang. Doch warum sollte denn auch ausgerechnet in einem Stück, in dem alles gewohnte auf den Kopf gestellt wird, ein Tuch einfach nur ein Tuch sein?

Weitere Aufführungen in der VHS Osnabrück, Bergstraße 8, am 7. und 8. Dezember um 20 Uhr. Kartentelefon: 0541/3232202


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