23.11.2011, 14:02 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Möser-Ausstellung im Berufsschulzentrum am Westerberg Zwischen Aufklärung und Tradition

Gruppenbild mit Möser: Schulleiterin Katharina Nolte, Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler und Kurator Martin Siemsen bei der Eröffnung (von links). Foto: Klaus LindemannGruppenbild mit Möser: Schulleiterin Katharina Nolte, Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler und Kurator Martin Siemsen bei der Eröffnung (von links). Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Justus Möser muss ein Vorläufer der Grünen gewesen sein. Jedenfalls macht er in seiner Wochenschrift „Westphälische Beyträge zum Nutzen und Vergnügen“ einen „Vorschlag zur Veredelung der verloren gehenden Zeit“: Dass nämlich jedermann bei jeder sich bietenden Gelegenheit Strümpfe stricken möge, beim Gehen, Reden oder – der damaligen Zeit angemessen – beim Kühe- hüten. „Es fehlt nur an Exempeln und Erziehung“, so schließt seine Epistel, zu finden in der neuen Möser-Ausstellung unter dem Titel „Aufklärung & Tradition“.

Gleich aus zwei Gründen wird diese neue Wanderausstellung nach einer ersten Station in Halberstadt jetzt im Berufsschulzentrum am Westerberg gezeigt: Einerseits hätte auch Möser zu Lebzeiten sicherlich die Auffassung geteilt, dass berufliche Bildung mehr umfassen müsse als die rein fachliche Qualifikation, so betonte Schulleiterin Katharina Nolte. Zum anderen wurden die 25 Stellwände dieser Ausstellung vom Kurator Martin Siemsen zusammen mit einer Klasse der Berufsfachschule „Gestaltungstechnische Assistenten“ und ihrem Fachlehrer Jan Burmann dort entwickelt und realisiert.

Die Ausstellung spannt dabei den Bogen von den historischen und geografischen Voraussetzungen des kleinen Fürstbistums Osnabrück über das Leben und Werk Justus Mösers bis zu seinem Nachleben mit einem Denkmal auf der Domsfreiheit und als Patron der Möser-Medaille, die von der Stadt Osnabrück verliehen wird.

Im Zentrum stehen naturgemäß die literarischen und publizistischen Schriften, vor allem seine Osnabrückische Geschichte und die Patriotischen Phantasien. Dass aber die Möser-Forschung auch heute noch neue Entdeckungen zu seinem vielschichtigen und allumfassenden Werk beisteuern kann, belegen neue Funde aus dem Bayerischen Hauptstaatsarchiv München. Wo aber stand Justus Möser im Wechselspiel des 18. Jahrhunderts zwischen Aufklärung und Tradition? Martin Siemsen umreißt die Antipoden mit dem Goethe-Wort vom „herrlichen Möser“ einerseits und dem Verdikt vom „blödsinnigen westfälischen Junker“ aus der Feder von Karl Marx andererseits. Als Vertreter eines „aufgeklärten Absolutismus“, so Siemsen, sei Justus Möser immerhin eine der bedeutendsten Persönlichkeiten Nordwestdeutschlands im Zeitalter der Aufklärung gewesen.

Bürgermeisterin Karin Jabs-Kiesler setzte da flugs noch eins drauf: Osnabrück solle im Hinblick auf Möser nur nicht zu bescheiden sein, forderte sie in ihrem Grußwort zur Eröffnung der Ausstellung. Zum 300. Möser-Geburtstag in nur noch acht Jahren gelte es, die Herausforderung dieses Mannes und seines Werkes anzunehmen. Und schließlich habe die Osnabrücker Universität bis heute noch keinen Namen, fügte sie bedeutungsvoll hinzu.

Die Ausstellung ist bis Anfang Februar immer montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr im Foyer des Berufsschulzentrums am Westerberg (Natruper Straße) zu sehen. Führungen sind möglich, Tel. 0541/323-2109. Zusätzlich findet am 14. Dezember um 19.30 Uhr zum Möser-Geburtstag eine Soirée zu Leben und Werk des Politikers und Publizisten statt.


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