25.04.2006, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

"Freier werden nicht in die Falle gelockt"

"Ich wollte nur mal Mädels gucken", gibt der Autofahrer offen zu. Pech für ihn, dass Ordnungsamt und Polizei seit Montag konsequent gegen den illegalen Straßenstrich an der Eisenbahnstraße vorgehen. Für den Mann aus dem Landkreis gibt es einen Platzverweis. "Mädels" hätte er sowieso nicht gesehen: Die waren beim Anblick der Kontrolle abgetaucht.

Die Wohnungsprostitution mit negativen Begleiterscheinungen wie der Belästigung von Frauen aus dem Viertel hat die Stadt mit der Sperrbezirksverordnung eingedämmt. Doch an der Eisenbahnstraße am Hauptbahnhof hat sich neben den erlaubten Bordellen ein Straßenstrich entwickelt.

"Bewohner des Viertels, Ärzte und Geschäftsleute haben sich beschwert, Frauen, die einfach nur auf dem Weg zu Bahnhof waren, wurden mit eindeutigen Angeboten angesprochen und belästigt", sagt Jürgen Wiethäuper vom Fachbereich Bürger und Ordnung. In den Hauseingängen lagen Kondome und Spritzen der oft drogenabhängigen Prostituierten.

Anzeigen und Platzverweise gegen die Frauen lösten das Problem nicht. Deswegen erließ die Stadt eine neue Verordnung zur Gefahrenabwehr: Freier müssen mit Bußgeldern und Platzverweisen rechnen.

Doch so drastisch wollen die Mitarbeiter des OS Teams und der Polizei zu Beginn der mehrwöchigen Kontrollen nicht gleich vorgehen. Und sie wollen auch nicht die Freier (die meist aus dem Umland kommen) in eine Falle stolpern lassen.

Ganz offen stoppen Polizisten deshalb die Fahrzeuge, die am Abend in die Eisenbahnstraße fahren. Ein älterer Herr hat noch Glück: Bevor der Posten aufgebaut ist, fährt er, Sonnenbrille auf der Nase, mehrmals die Straße hoch und runter. Doch die Uniformen schrecken ihn ab. Außerdem: Weit und breit ist keine Dame des ältesten Gewerbes der Welt zu sehen. Die haben die Kontrolle auch bemerkt, tauchen erst einmal ab.

"Was wollen Sie hier in der Eisenbahnstraße? Wissen Sie, dass hier Sperrbezirk ist?", fragt Detlev Herder vom OS Team die Autofahrer. Manche erfinden Ausreden. Sie wollen angeblich am Bahnhof eine Fahrkarte kaufen, beim Türken an der Ecke Obst holen oder "einen Freund besuchen". Einer erzählt sogar, er wolle nachschauen, ob die angekündigte Kontrolle tatsächlich stattfinde. Wenige geben offen zu, was sie suchen: Frauen. Fünf werden an diesem Abend mit Platzverweisen belegt.

Aufklären wollen die Ordnungshüter übrigens auch mit Broschüren über sexuell übertragbare Krankheiten. "Das klassische Rotlichtmilieu direkt am Bahnhof wollen wir nicht kaputtmachen, aber auf der Straße darf sich nichts abspielen", betont Jürgen Wiethäuper.

Polizei und OS Team gehen auch in den Umgebung Streife, der Straßenstrich soll sich nicht verlagern. Doch wo dürfen die Damen stehen und auf Freier warten? "Es gibt genügend Straßen in Osnabrück, die nicht im Sperrbezirk liegen und wo das Milieu keine Anwohner stört", heißt es vom Ordnungsamt. "Das regelt sich mit der Zeit."

Bis dahin werden die Gesetzeshüter Abend für Abend unterwegs sein. Uneinsichtigen Freiern drohen im Extremfall Anhörungsbögen, die nach Hause geschickt werden, und bis zu 5000 Euro Bußgeld.


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