30.09.2009, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Familienkrach im Hause Piepenbrock

Darf nicht mehr: Piepenbrock-Tochter Astrid Hamker. Foto: Gert WestdörpDarf nicht mehr: Piepenbrock-Tochter Astrid Hamker. Foto: Gert Westdörp

Bei Piepenbrock spielt sich ein Familienkrimi ab. Astrid Hamker (43), die Tochter des demenzkranken Firmenpatriarchen Hartwig Piepenbrock, wurde von ihren Brüdern Olaf (41) und Arnulf (39) aus der Geschäftsleitung gedrängt.

„Ich wurde aus dem Haus gewiesen, als ob ich silberne Löffel geklaut hätte“, sagt Astrid Hamker über ihre Abberufung. Ihre Brüder korrespondierten nur noch über einen Rechtsanwalt mit ihr. Von ihrer Mutter sei sie über einen Anwalt aufgefordert worden, die Schlüssel des Elternhauses abzugeben, berichtet die geschasste Geschäftsführerin der Piepenbrock Unternehmensgruppe, die für Marketing und Unternehmenskommunikation verantwortlich war. Ihre Aufgabenbereiche würden jetzt von den Herren Arnulf Piepenbrock und Olaf Piepenbrock verantwortet, heißt es kurz und knapp in einer Pressemitteilung.

Das „Managermagazin“ beschreibt den Rauswurf in seiner Oktober-Ausgabe als filmreife Verschwörung, in der sich die Brüder Olaf und Arnulf mit ihrer Mutter Maria-Theresia gegen die umtriebige Schwester verbündeten. Astrid Hamker habe von einem Tag auf den anderen Firmenhandy und Notebook abgeben müssen. Ihre Sekretärin, seit 30 Jahren im Unternehmen beschäftigt, habe innerhalb von 30 Minuten ihre Sachen packen müssen.

„Hamkers Abgang ist die Folge eines Machtkampfes, der sich in Deutschlands führendem Facility-Management-Konzern (365 Millionen Euro Umsatz, über 25000 Beschäftigte) abspielt, schreibt das Magazin weiter. Hartwig Piepenbrock, der unheilbar an Alzheimer leidet, wird als „starker, strenger Vater und Firmenpatriarch“ bezeichnet, unter dem die Söhne ebenso wie die Ehefrau gelitten hätten. Nur Tochter Astrid habe sich als „Papas Liebling“ seiner Wertschätzung erfreut. Und diese Wertschätzung sei ihr jetzt zum Verhängnis geworden.

Piepenbrock-Pressesprecher Jörg Schwarzwald bestätigt lediglich den Wechsel in der Geschäftsleitung. Zu den im „Managermagazin“ beschriebenen Umständen will er keine Stellungnahme abgeben.

Weniger zurückhaltend äußert sich Astrid Hamker selbst. Der Magazinbericht sei zutreffend, und er lege zu Recht nahe, dass „mit dieser traurigen Geschichte“ das Lebenswerk ihres Vaters beschädigt werde. „Ich habe große Sorge, dass wir in eine Auseinandersetzung geraten, die zulasten des Unternehmens geht“, sagt Astrid Hamker zu der Entwicklung.

Die drei Piepenbrock-Kinder halten 49 Prozent der Gesellschafteranteile, Vater Hartwig Piepenbrock 51 Prozent. Weil sich Ehefrau Maria-Theresia mit der Vollmacht ihres Mannes mit den Söhnen entschied, zog Astrid Hamker den Kürzeren. Ihre Brüder Olaf und Arnulf hätten sie massiv unter Druck gesetzt, um einer Änderung des Gesellschaftervertrages zuzustimmen, sagt die Tochter des langjährigen VfL-Mäzens.

Nach dem Willen ihres Vaters hätte zum 1. Januar 2010 ein neuer Gesellschaftsvertrag in Kraft treten sollen, nach dem ein Kontrollbeirat zu installieren sei. Doch dieses Gremium hätten ihre Brüder nicht gewollt, vermerkt die geschasste Geschäftsführerin. Sie dagegen habe sich moralisch verpflichtet gefühlt, die neue Regelung mitzutragen. Von ihrer Mutter und ihren Brüdern sei sie maßlos enttäuscht: „Dass die meinem Vater noch in die Augen gucken können...“

Innerhalb der Familie gibt es auch Streit darüber, weil Astrid Hamker ihre Arbeit in der Geschäftsführung auf der Basis einer „flexiblen Teilzeitregelung“ ausgeführt habe. Sie ist Mutter von zwei Kindern und engagiert sich in vielen Ehrenämtern, vor allem im Bundespräsidium des CDU-Wirtschaftsrats. Diese Aufgabenteilung sei so vereinbart gewesen, versichert die Managerin nach ihrem Rauswurf. Zudem habe sie Teile ihres Ehrenamts auch in ihrer Freizeit geleistet.

Astrid Hamker will jetzt „alle Mittel und Wege“ einleiten, um ihre Abberufung rückgängig zu machen. Sie habe ein neues Beiratsmitglied benannt und setze darauf, dass der Beirat den Streit schlichten werde.


0 Kommentare