11.01.2012, 15:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor

IQ-Netzwerk Niedersachsen/Bremen gestartet „Migranten bei Anerkennung beruflicher Qualifikationen unterstützen“

Osnabrück. Menschen mit Zuwanderungsgeschichte sind häufiger arbeitslos als Menschen mit deutschen Wurzeln. Das trifft auch für die zu, die mit einer Berufsausbildung oder einem Studium nach Deutschland kommen. Das neue Anerkennungsgesetz der Bundesregierung und das im Kreishaus gestartete „Netzwerk Integration durch Qualifikation“ Niedersachsen/Bremen in Trägerschaft der Maßarbeit sollen zu einer Verbesserung dieser Situation führen.

In Deutschland leben 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. „Der Fachkräftemangel hat der Politik deutlich gemacht, dass hier ein riesiges Potenzial schlummert“, sagte Landrat Michael Lübbersmann bei der Auftaktveranstaltung des Netzwerkes. Dieses wurde 2005 vom Bundesarbeitsministerium ins Leben gerufen, um die Arbeitsmarktintegration von Erwachsenen mit Migrationshintergrund zu verbessern. Die 2011 gegründeten 16 regionalen Netzwerke sollen dazu beitragen, das Know-how im Bereich der beruflichen Integration von Migranten in die Fläche und näher zu den Menschen zu bringen. Für Niedersachsen und Bremen hat die Maßarbeit die Trägerschaft übernommen.

Rainer Bußmann zeigte als Projektkoordinator Handlungsfelder des Netzwerkes auf: Dabei gehe es auch um die Begleitung des neuen Anerkennungsgesetzes: „Wir haben eine Hotline für Anfragen rund um die Berufsanerkennung gegründet.“ Außerdem gebe es eine Vernetzung zwischen den sechs regionalen Beratungsstellen und ein ausgefeiltes Wissensmanagement: „Immer wieder ist Spezialwissen über einzelne Berufsfelder gefragt, das allen Netzwerkpartner zugänglich sein muss.“

Zuvor hatte Dorothea Fohrbeck, Referatsleiterin im Bundesbildungsministerium, darauf verwiesen, dass Deutschland ein Auswanderungsland sei, das vor allem gut qualifizierte Menschen verliere. Umso wichtiger sei es, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte zu ermöglichen, ihre Berufsqualifikation zu nutzen: „Das Anerkennungsgesetz, das zum 1. April in Kraft tritt, ist ein wesentlicher Schritt.“ So hätten Antragsteller erstmals einen Rechtsanspruch auf ein Anerkennungsverfahren. Anträge könnten auch aus dem Ausland heraus gestellt werden. Das Anerkennungsgesetz wirkt auf Bundesebene: Jetzt sind die Länder am Zug.

Niedersachsen schaffe die notwendigen Voraussetzungen, berichtete Eckhardt Lotze aus dem Sozialministerium. „Wir hoffen, die landesrechtlichen Regelungen ebenfalls bis 1. April in Kraft setzen zu können.“ Das neue Gesetz leiste einen wichtigen Beitrag zu einer verbesserten Willkommenskultur. Etwas „Wasser in den Wein“ goss Gisela Grzembke, Referentin im Bremer Senat. „Wir hätten uns andere Regelungen im Falle einer Anerkennungsablehnung gewünscht.“ Der Antragsteller bekomme zwar eine Darstellung der vorhandenen und fehlenden Qualifikationen. „Doch für die Nachqualifizierung sind keine zusätzlichen Mittel zur Verfügung gestellt worden.“


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