14.11.2010, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Franz Haverkamp aus Osnabrück bleibt Vorsitzender der Lebenshilfe Niedersachsen „Nicht immer bei den Schwächsten kürzen“

Der neue Vorstand der Lebenshilfe Niedersachsen (von links): Christine Dittmer, Helmut von Aswege, Ingrid Koch, Peter Welminski, Franz Haverkamp, Michael Grashorn, Uwe Hiltner, Ingrid Prönnecke, Christian Siemers und Geschäftsführer Kersten Röhr. Foto: Mirko NordmannDer neue Vorstand der Lebenshilfe Niedersachsen (von links): Christine Dittmer, Helmut von Aswege, Ingrid Koch, Peter Welminski, Franz Haverkamp, Michael Grashorn, Uwe Hiltner, Ingrid Prönnecke, Christian Siemers und Geschäftsführer Kersten Röhr. Foto: Mirko Nordmann

Osnabrück. Es war ein gelungenes Heimspiel für Franz Haverkamp. Mit großer Mehrheit wurde der Osnabrücker von den rund 100 Delegierten bei der Mitgliederversammlung der Lebenshilfe Niedersachsen in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt. Bei der Versammlung in der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) unter dem Motto „Gemeinsam Zukunft gestalten“ stand neben der Sparpolitik des Landes auch das Thema Inklusion im Mittelpunkt.

„Bei den Einsparungen in den einzelnen Ressorts müssen Menschen mit Behinderungen den größten Anteil übernehmen. Dies ist ein Skandal“, stellte Haverkamp fest und forderte die Landesregierung auf, die Beschlüsse zurückzunehmen. Man dürfe nicht immer bei den Schwächsten kürzen, so der HHO-Geschäftsführer Wohnen.

Kersten Röhr rechnete als Geschäftsführer der Lebenshilfe Niedersachsen vor, dass die Nullrunde bei der Behindertenhilfe bei dem Anstieg der Hilfebedürftigen und Tarifverpflichtungen faktisch eine Kürzung von rund 30 Millionen Euro bedeute.

Haverkamp warnte zudem davor, dass das Thema Inklusion als Argument für Finanzkürzungen missbraucht werde, um integrative Einrichtungen zu schließen. „Das ist kein Sparmodell“, stellte er klar. Vielmehr müsse aus der UNO-Behindertenrechtskonvention nun Wirklichkeit für die Menschen werden. Dabei dürften stärker Behinderte nicht abgehängt werden. Daher habe die Lebenshilfe, die sich im Laufe der 48-jährigen Geschichte immer mehr als Selbstvertretungsverband für Menschen mit Behinderungen verstehe, ein Positionspapier entwickelt. „Inklusion ist ein Ziel wie ein Leuchtturm“, betonte Haverkamp.

Das Positionspapier gebe dem Verband nun eine Orientierungshilfe, wie man die Selbstbestimmung und soziale Einbindung von Menschen mit Behinderung erreiche. „Hier muss die Lebenshilfe als Verband der Menschen mit Behinderungen, als Verband der Angehörigen und als Verband der Einrichtungen in der Behindertenhilfe eine große Verantwortung übernehmen. Dieser Verantwortung werden wir uns stellen.“ Auch Dr. Bettina Lindmeier von der Leibniz-Universität Hannover stellte in ihrem Vortrag „Wege zur Inklusion – Anforderungen an die Lebenshilfe in Niedersachsen“ heraus, dass das Thema für den Verband nicht neu sei. „Dafür ist die Lebenshilfe angetreten, und dafür steht sie“, betonte die Professorin für Sonderpädagogik.

Neben dem Vorsitzenden Haverkamp wurden auch die stellvertretenden Vorsitzenden Ingrid Koch (Goslar) und Peter Welminski (Gifhorn) in ihren Ämtern bestätigt. Dietmar Krüger ist Schatzmeister. Dem Vorstand gehören außerdem als Beisitzer Helmut von Aswege, Christine Dittmer, Erwin Drefs, Michael Grashorn, Uwe Hiltner, Renate Mock, Ingrid Prönnecke und Christian Siemers an.

Der Lebenshilfe Niedersachsen als Elternvereinigung, Fachverband und Trägerin von Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung gehören 105 Mitgliedsorganisationen mit etwa 16500 Einzelmitgliedern an.


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