13.07.2013, 09:00 Uhr

Alexa und Lars Hoffmann vom Kalkhügel Mutter und Sohn im Gleichschritt zum Abitur

Gut lachen hat Alexa Hoffmann (44), die wie ihr 18-jähriger Sohn Lars in diesem Jahr das Abitur bestanden hat. Sie am Abendgymnasium, er am Ratsgymnasium.Foto: Thomas OsterfeldGut lachen hat Alexa Hoffmann (44), die wie ihr 18-jähriger Sohn Lars in diesem Jahr das Abitur bestanden hat. Sie am Abendgymnasium, er am Ratsgymnasium.Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Das gibt es sicher nicht alle Tage: Mit Alexa und Lars Hoffmann haben Mutter und hn in diesem Jahr das Abitur geschafft. Sie am Abendgymnasium, er am Ratsgymnasium.

„Auf die Idee ist mein Mann gekommen“, erzählt die 44-jährige Mutter dreier Söhne, 18, 16 und 12 Jahre alt. Sie selbst hatte eigentlich mit dem Thema Schule abgeschlossen. Nach dem Realschulabschluss hatte sie Hotelfachfrau gelernt. Jetzt noch einmal auf die Schulbank? Aber es schien in den Fingern zu jucken. Noch am gleichen Abend suchte sie im Internet, wo in Osnabrück sie überhaupt den Schulabschluss nachholen kann.

Die Volkshochschule schied wegen des Vormittagsunterrichts aus. Das ließ sich nicht mit dem 20-Stunden-Job in der Tourist-Information der Stadt vereinbaren. Blieb das Abendgymnasium, dass vormittags für Mütter und abends für Berufstätige Unterricht anbietet.

Ein Besuch beim Sophie-Scholl-Abendgymnasium am Knappsbrink war schnell vereinbart. In Empfang nahm sie Studiendirektor Jürgen Ludewig. Und der „war so nett und so sympathisch, dass ich mich sofort angemeldet habe“. Dann hat es sie gepackt, wie die Osnabrückerin vom Kalkhügel lachend erzählt. Sie hätte es sich nicht träumen lassen, noch einmal freiwillig Hausaufgaben zu machen und am Wochenende zu büffeln.

Bioklausur verhauen

Montags bis freitags von 17.30 bis 21.30 Uhr findet der Unterricht statt. Manchmal, wenn Alexa Hoffmann erst um 18 Uhr Feierabend hatte, musste sie die erste Stunde sausen lassen. „Aber die Lehrer kennen das und sind ausgesprochen flexibel.“ Der Stoff wird dann zu Hause nachgeholt.

Haben Mutter und Sohn auch mal zusammen gelernt? Nein, sagt Lars. Das sei zeitlich gar nicht möglich gewesen. Abends, wenn der Ratsgymnasiast noch mal in die Bücher schaute, war Mutter in der Schule. Am Wochenende, wenn sie zu Hause lernte, schaltete er ab. Was er übrigens auch mehrfach seiner Mutter empfohlen habe.

„Hätte ich auf ihn gehört“, seufzt Alexa Hoffmann. Dabei meint sie allerdings nicht das Relaxen, sondern die Themenwahl für eine Biologie-Klausur. Beide hatten Neurophysiologie gewählt, er bei Spinnen, sie bei Finken. Sohn Lars hatte seiner Mutter zu einem anderen Thema geraten – wohl zu Recht, wie ihre geringe Punktzahl für diese Klausur deutlich zeigt. Einig sind sich die beiden aber darin, dass ihnen die niedersächsische Pflichtlektüre im Fach Deutsch für Abiturienten 2013, Christian Krachts „Faserland“, nicht gefallen hat.

Im vergangenen, besonders kurzen Schuljahr „ging es ans Eingemachte“, wie Alexa Hoffmann rückblickend ein wenig nachdenklich sagt. Aber dann strahlt sie wieder: „Ich habe es geschafft!“ Und nun?

Während Lars sich in verschiedenen Städten um einen Studienplatz für Wirtschaftswissenschaft bewirbt, hat seine Mutter vorerst keine Weiterbildungspläne. Ihre erste Erkenntnis nach drei Jahren des Lernens: „Ich habe Zeit.“ Zehn Stunden wöchentlich mehr arbeitet sie inzwischen in der Tourist-Information an der Bierstraße . Weil die beiden jüngeren Söhne im nächsten Schuljahr mit Spanisch anfangen, „könnte ich ja auch mal Spanisch lernen“. Fremdsprachen mag sie, Englisch war ihr Lieblingsfach.

Ein Studium will die 44-Jährige nicht völlig ausschließen. Aber dann nicht mehr Biologie, wie sie früher mal meinte. „Nicht nach dieser Arbeit“, lacht sie laut. Nein, wenn ein Studium, dann eines, das zu ihrer Arbeit passt: Verwaltung oder Tourismus.


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