06.10.2012, 10:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Frauen helfen Frauen 25 Jahre Frauenberatungsstelle Osnabrück

Das Team der Frauenberatungsstelle: (hinten von links) Sybille Singer-Wilking, Maria Meyer und Katharina Wittenbrink, (vorne von links) Kornelia Krieger und Ann-Kathrin-Steinkamp. Foto: Angela von BrillDas Team der Frauenberatungsstelle: (hinten von links) Sybille Singer-Wilking, Maria Meyer und Katharina Wittenbrink, (vorne von links) Kornelia Krieger und Ann-Kathrin-Steinkamp. Foto: Angela von Brill

Osnabrück. Schläge, Vergewaltigung, Stalking, Messerattacken, Verzweiflung, Angst – all das gehört zum Arbeitsalltag der Mitarbeiterinnen in der Frauenberatungsstelle. Seit 25 Jahren bietet die Einrichtung unbürokratische, direkte Hilfe – anonym und kostenlos.

Die Frauenberatungsstelle ist nicht nur die einzige Kontakt- und Informationsstelle speziell für Frauen, am Telefon melden sich die Fachfrauen mit einem Umweg über ein Vorzimmer selbst. In Notfällen nach Gewalt erhalten die Anruferinnen unter anderem eine schnelle Sicherheitsberatung.

Der direkte Draht ist nicht der engen personellen Besetzung geschuldet – alle fünf Mitarbeiterinnen sind Teilzeit tätig – , sondern es steckt System dahinter und entspricht dem Namen des 1987 gegründeten Vereins „Frauen helfen Frauen“.

Erster Anlaufpunkt

Die Gründung war damals eine logische Entwicklung der Osnabrücker Frauengeschichte. Nach der Gründung des Frauenhauses 1981 entstand die Frauenberatungsstelle als erster Anlaufpunkt. Rat suchten dort jedoch nicht allein Frauen, die Schutz brauchten, sondern auch Frauen, die eine Vergewaltigung durchlitten hatten, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden und das Trauma aufarbeiten wollten, die an einer Essstörung leiden oder als Lesben diskriminiert werden.

Die Mitarbeiterinnen (anfangs eine einzige, die über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes finanziert wurde), griffen mit Unterstützung der Vereinsfrauen auch aktuelle Themen auf, um die Öffentlichkeit zu informieren: §218, Vergewaltigung, Gewaltschutzgesetz, K.o.-Tropfen und vieles mehr. Dazu liefen immer wieder Aktionen zur besseren personellen Ausstattung. 1989 finanzierte die Stadt erstmals eine halbe Stelle, dazu gab es weiter ABM- und Honorarkräfte sowie Anerkennungspraktikantinnen.

Sie alle griffen die Themen auf, die ihnen die Klientinnen ins Haus brachten. Die Frauenberatungsstelle organisierte Selbstverteidigungskurse, half bei der Gründung von Selbsthilfegruppen, veranstaltete Info- und Diskussionsabende zu aktuellen Themen und richtete Gruppen für Frauen in Trennung und Scheidung ein. Osnabrücker Rechtsanwältinnen bieten schon seit vielen Jahren regelmäßige Gesprächsabende zu Familien- und Scheidungsrecht an.

Am 8. März 2000, dem Internationalen Frauentag ging der Frauennotruf ans Netz. Die Nummer 0541/ 8601626 ist seither täglich, auch an den Wochenenden und Feiertagen mindestens eine Stunde erreichbar für Frauen in einer akuten Krisensituation.

Der Kontakt zum Frauenhaus ist auch nach der Abnabelung durch die Vereinsgründung niemals abgerissen. Seit die vom Land eingerichtete BISS-Stelle an die Frauenberatungsstelle angedockt wurde, gibt es noch öfter Berührungspunkte, weil bei der Frauenberatungsstelle alle polizeibekannten Fälle von häuslicher Gewalt landen.

Die Arbeit hat Spuren hinterlassen – nicht nur in der Stadt, in der viele andere Einrichtungen Frauen mit besonderen Problemen an die Frauenberatungsstelle vermitteln. Einige der Mitarbeiterinnen sind aus Krankheitsgründen ausgeschieden. Auch die Fachfrauen werden vereinzelt Ziel von Attacken wütender Männer. Bisher lief alles glimpflich ab.

„Ich bin froh, dass keine von unseren Frauen ermordet wurde“, sagt Mitarbeiterin Maria Meyer. Bei dieser Arbeit sei das nie ausgeschlossen.


Blaulichtradar: Was ist in Ihrer Region passiert?
Was soll angezeigt werden?
current-position

0 Kommentare