24.09.2006, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Riesenjubel um den neuen OB

Strahlender Sieger der OB-Wahl war gestern Abend Boris Pistorius. Der SPD-Kandidat wurde mit viel Applaus im Rathaus empfangen.Strahlender Sieger der OB-Wahl war gestern Abend Boris Pistorius. Der SPD-Kandidat wurde mit viel Applaus im Rathaus empfangen.

Vor dem Rathaus stehen Ulla Groskurt und Martin Schwanholz. „Wo bleibt er denn?“ Gemeint ist Boris Pistorius. Der Sieger lässt sich Zeit. Als er endlich um kurz vor sieben mit Ehefrau Sabine und den Töchtern Lara (16) und Alexandra (15) vor dem Rathaus eintrifft, ist der Jubel groß. Umarmungen, Schulterklopfen, Küsschen hier, Küsschen da. Die Schlacht ist geschlagen. Erfolgreich.

Es ist keine 60 Minuten her, da saßen die SPD-Mitglieder noch mit schweißnassen Händen im Justus-Möser-Raum im Rathaus. Katharina Fischer sitzt am Computer und drückt immer nur eine Taste. Die, mit der sie den neuesten Stand des Gesamtergebnisses abrufen kann. Die ersten Zahlen laufen ein. Die rote Fläche auf der Torte ist größer als die schwarze. Pistorius liegt mit 52 Prozent vorn. „Von mir aus können wir jetzt aufhören.“ Ulla Groskurt spricht aus, was wohl die meisten denken. Aber noch sind keine zehn Wahllokale ausgezählt.

Etwa zehn Minuten später liegen die Zahlen aus 36 Bezirken vor. Pistorius ist mit 57 Prozent vorn. Erstes Klopfen auf den Tischen, erster Applaus. Um 18.16 kommt der Kandidat der CDU. Wolfgang Griesert geht in den Raum gegenüber, in dem die Christdemokraten den Wahlausgang verfolgen. Während man hier eine Stecknadel hätte fallen hören können, steigt die Stimmung bei den Sozialdemokraten, denn bei 54 ausgezählten Bezirken liegt Pistorius mit 56 Prozent vorn.

„Im Ratsgymnasium sind es 71 Prozent für uns.“ Beifall brandet auf. Die Verkrampfung löst sich zusehends. Um 18.26 fehlen nur noch 12 Wahlbezirke. Ein erleichtertes „Das ist gelaufen“ macht die Runde. Ernst Schwanhold gibt die Siegesparole aus: „Ruf mal einer Boris an. Er soll Bier mitbringen oder genug Geld.“ Ab jetzt warten alle nur noch auf den Sieger. Der aber bleibt seiner Linie treu. Pistorius wartet den seiner Meinung nach richtigen Moment ab. Und der ist eben, wenn das Ergebnis feststeht.

Als der designierte Oberbürgermeister vor dem Rathaus auftaucht, wird es eng. Parteifreunde und Medienleute bedrängen Pistorius, der immer wieder nach seiner Familie suchen muss. Tochter Lara hat ein kleines rosa Schweinchen im Arm. „Das ist Glücksschwein Rudi“, sagt sie und strahlt. Das habe der Vater zum Studienbeginn bekommen.

Glück hat es ihm auch gestern gebracht. Noch vor wenigen Tagen wollte Pistorius keinen Tipp zum Ausgang der Wahl abgeben. „Alles ist möglich“, meinte er noch am Donnerstag der vergangenen Woche. Jetzt nimmt er die Glückwünsche seines Gegners entgegen, dessen Chef er ab 7. November sein wird. „Es war ein fairer Wahlkampf“, so Pistorius zu den zurückliegenden Wochen. Sein Dank gilt den vielen Helfern und vor allem den jungen Unterstützern aus der Partei, aber auch darüber hinaus. Und natürlich der Familie, „die im Hintergrund unheimlich mitgearbeitet hat“.

Der Weg in den Justus-Möser-Raum wird zu einem einzigen Geschiebe. Jeder will dem neuen Chef im Rathaus auf die Schulter klopfen. Währenddessen sucht der scheidende OB ein ruhigeres Eckchen. Hans-Jürgen Fip ist gelassen: „Ich hatte im Vorfeld den Eindruck gewonnen, dass das gut laufen wird. Das hat sich bestätigt. Ich wünsche Boris Pistorius viel Erfolg und eine glückliche Hand.“

Am Ende gehen die Sozialdemokraten den Weg, den sie nach gewonnenen Wahlen immer gehen – in die „Olle Use“ zum Bierchen danach. Der Wahlkampf ist vorbei. „Es war eine tolle Zeit. Aber jetzt wird wieder anständig gearbeitet“, sagt Pistorius. Vorher aber wurde noch ausgiebig gefeiert.


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