01.03.2011, 19:04 Uhr zuletzt aktualisiert vor

24-Jährige bestreitet Zusammenarbeit mit Räubern Spielhallenaufsicht legt Berufung ein

Osnabrück. Zum vierten Mal beschäftigt die Osnabrücker Justiz der Überfall auf eine Spielhalle in der Möserstraße. Zwei Prozesse um drei Männer, die direkt oder eher zufällig in die Tat verwickelt waren, sind bereits abgeschlossen. Nun läuft ein Berufungsverfahren, das eine 24-jährige Spielhallenaufsicht gegen das Urteil des Amtsgerichtes angestrengt hat.

Die junge Frau wehrt sich gegen den Richterspruch des Amtsgerichts, das sie wegen Unterschlagung zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt hatte. Anklagevorwurf damals wie heute: Die Frau soll den Überfall auf das Automatenlokal zusammen mit einem Mann nur vorgetäuscht haben.

Diese Tatversion hatte der Räuber in seinem Prozess angegeben. Demnach habe die Frau ihm und einem Freund den Plan offengelegt, den er aber schließlich alleine umsetzte: Maskiert und mit ungeladener Pistole bewaffnet, sei er noch vor Ladenöffnung durch eine bereits aufgeschlossene Tür in die Spielhalle gelangt. Dort habe er die Frau „gezwungen“, den Tresorschlüssel herauszugeben. Aus dem Safe stahl der Räuber 2500 Euro. Als unerwartet zwei Gäste das Spiellokal betraten, sei er geflüchtet, sagte er in seinem Prozess aus. Der Freund untermauerte damals die Aussage, dass die Frau den Überfallplan ausgeheckt habe. Das Amtsgericht akzeptierte schließlich die Schilderung des Räubers. Statt drohender Haft von fünf Jahren wegen Raubes verurteilte man ihn nur zu einem Jahr wegen gemeinschaftlicher Unterschlagung.

Als Zeuge im Berufungsverfahren der angeklagten Frau geladen, erwiesen sich seine Angaben aber nun als weniger hilfreich. „Ich weiß nicht, wie das damals besprochen wurde“, antwortete er dem Gericht immer wieder.

Alles abgesprochen?

Auch seinen Freund hatte man wieder als Zeugen geladen. Er bestätigte seine Aussage, wonach die Frau „zwei oder drei Wochen vorher erst mich und dann meinen Freund angesprochen“ habe. Und: In den Tagen nach der Tat „war sie ein paar Mal bei mir, und wir haben gekifft“, sagte der Zeuge.

Entlastet wurde die Angeklagte hingegen von der Filialleiterin der Spielhalle. Sie beschrieb die ehemalige Mitarbeiterin als sehr verlässlich. Unmittelbar nach dem Überfall habe sie ganz aufgelöst gewirkt. „So kannte ich sie gar nicht“, schilderte die Filialleiterin. Nach dem Zeitpunkt der Dienstplanaufstellung befragt, antwortete sie, dies „geschieht immer kurz vor dem 15. eines Monats“. Hintergrund der Frage: Hatte die Angeklagte also genügend Zeit, den Überfall mit dem Räuber vorzubereiten?

Sie verschlief nach eigenen Angaben an jenem Morgen und kam erst kurz vor der üblichen Ladenöffnungszeit. Sie habe in aller Eile Türen geöffnet und Spielautomaten angeschaltet. Plötzlich habe eine maskierte Person um die Ecke geschaut. „Er war bewaffnet, packte mich an meinem Kapuzenpulli und drückte mich Richtung Kasse“, beschrieb die 24-Jährige weinend. Während der Räuber sich am Tresor zu schaffen machte, habe sie noch einen stillen Alarm auslösen können. „Den beiden ersten Gästen habe ich gleich erzählt, dass ich gerade überfallen wurde, worauf die zwei die Verfolgung des Räubers aufnahmen“, sagte die Angeklagte. „Woher kannten sie den Täter?“, fragte das Gericht. Er und sein Freund seien Stammkunden gewesen, antwortete die ehemalige Spielhallenaufsicht. Doch befreundet sei man nicht gewesen. Lediglich einmal habe sie bei dem Freund des Täters Cannabis gekauft, gestand die Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.


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