11.05.2016, 19:26 Uhr

Ausschreibung für 76500-Euro-Projekt Erinnerungspunkt in Börgermoor für Moorsoldatenlied


Surwold. Die Gedenkstätte Esterwegen erhält nach Oberlangen mit Börgermoor einen weiteren Erinnerungspunkt. Rund 76.500 Euro sollen ausgegeben werden, um den Fokus auf den Ort zu richten, wo das Moorsoldatenlied entstand. In Börgermoor war nach der Machtergreifung der Nazis das erste Emslandlager entstanden. Das Ausschreibungsverfahren läuft derzeit.

Der Ort, an dem von 1933 bis 1945 Häftlinge des nationalsozialistischen Terrorregimes unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert waren, wirkt heute auf den ersten Blick verschlafen. Einige Fahrzeuge nutzen die Strecke als Verbindung zwischen Bockhorst und Surwold. Einige landwirtschaftliche Gespanne sind dort ebenfalls unterwegs, um die umliegenden Flächen zu erreichen. Von dem Lager I Börgermoor, wie es damals hieß, ist nichts mehr zu sehen. 24 Häftlingsbaracken, errichtet in zwei Reihen, standen dort.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nutzte die Justiz das Lager noch als Gefängnis, bis es schließlich in den 1960er Jahren dem Erdboden gleichgemacht wurde. Vergessen wollte man damals die Auswirkungen der Terrorherrschaft und damit ein Stück der schwärzesten Geschichte Deutschlands. Später wurden eine Infotafel aufgestellt und ein Gedenkstein platziert.

Erste Überlegungen 2008

Doch der Zahn der Zeit hat auch hier schon unübersehbare Zeichen gesetzt. „Wir waren uns im Arbeitskreis Dorferneuerung schnell einig, dass wir auch diesen Punkt aufgreifen wollen“, sagte die Bürgermeisterin der Gemeinde Surwold, Andrea Schmidt (CDU). Inzwischen sind nach Worten des Planers Peter Stelzer (Planungsbüro uvp Stelzer Freren) die Pläne soweit gereift, dass das Ausschreibungsverfahren für die Neugestaltung der Fläche gestartet werden konnte. Die ersten Überlegungen rühren auf das Jahr 2008, als die Dorferneuerung anlief.

Die Fläche des Erinnerungspunktes soll künftig strukturierter gestaltet werden. Eine Skulptur eines Künstlers, der aufgrund der Ausschreibungen noch nicht feststeht, eine Infotafeln und eine Glasfläche mit den Konturen der Häftlingsbaracken soll geschaffen werden. Dazu kommen noch zwei Sitzbänke auf denen man inne halten kann sowie eine neue Pflasterung und die neue Gestaltung des Baum- und Strauchwerkes. Das sind die wesentlichen Elemente des künftigen Erinnerungspunktes. Der Erste Kreisrat Martin Gerenkamp machte deutlich, dass der Erinnerungspunkt ein wichtiger authentischer Ort der Geschichte sei. „Wir haben mit Esterwegen einen zentralen Ort für die Gedenkstättenarbeit der 15 ehemaligen Lager eingerichtet. Dennoch wollen wir Erinnerungspunkte schaffen, damit die Geschichte wachgehalten wird“, so Gerenkamp.

Finanzierung aus mehreren Töpfen

Er mahnte, dass es inzwischen vermehrt Strömungen in der Gesellschaft gebe, die eine Gedenk- und Erinnerungskultur verhindern möchten. Ganz anders sei es bei der Gemeinde Surwold, dort möchten sich die Bürger im Rahmen der Dorferneuerung sehr intensiv mit der Geschichte auseinandersetzen und die Erinnerungen wachhalten. Von den Gesamtkosten in Höhe von 76.500 Euro übernimmt das Amt für regionale Landesentwicklung mit 40.250 Euro den Löwenanteil. Dabei handelt es sich um Dorferneuerungsmittel. 10.000 Euro fließen von der Sparkassenstiftung, jeweils 5.000 Euro geben die Samtgemeinde Nordhümmling und der Landkreis hinzu. Den Restbetrag von 16.250 Euro kommen aus dem Gemeindesäckel.

Albert Mescher vom Arbeitskreis Dorferneuerung machte deutlich, dass die Arbeit mit Errichtung des Erinnerungpunktes nicht abgeschlossen sei. „Es ist uns wichtig, die Folgenutzung sicherzustellen“, sagte Mescher. Damit meint er beispielsweise die schulische Gedenkstättenarbeit.

Nach Worten vom Leiter der Grund- und Oberschule Oliver Grot passe der Erinnerungspunkt sehr gut in das Schulprofil. Denn in regelmäßigen Abständen werde die Gedenkstätte Esterwegen besucht. Außerdem sei die Lathener Ausschwitzüberlebende Erna de Vries jüngst zu Gast gewesen und er selbst habe schon mit einigen Schülern das ehemalige Vernichtungslager besucht. Bis Ende Mai besteht übrigens die Möglichkeit, Skulpturen des Künstlers Stefan Hempen zu besichtigen, die beim Rathaus Surwold in einem Wagen ausgestellt wurden.


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