23.06.2015, 10:55 Uhr

Philatelisten-Treffen Neuenkirchen-Vörden: Der Reiz des Briefmarkensammelns


Bersenbrück/Neuenkirchen-Vörden. Briefmarkensammeln – eine verstaubte Freizeitbeschäftigung aus früherer Zeit? Wie spannend dieses Hobby sein kann, erfahren wir von fünf Philatelisten, die sich gemeinsam auf einen bundesweiten Ausstellungswettbewerb im thüringischen Gotha im September vorbereiten.

Sie sehen sich zum Teil heute das erste Mal: Rudolf Wagner aus Neuenkirchen-Vörden vom Verein der Briefmarkenfreunde Bersenbrück und der zweite Vorsitzende des Vereins, Frank Heisig aus Ankum sind dabei, außerdem Ronald Klein aus Verden und das Ehepaar Helma und Oswald Janssen aus Moormerland. Sie beteiligen sich als Team an der vom Bundesverband neu ausgelobten „German Team Challenge“. Eine Bedingung dieses Wettbewerbes: Mindestens einer aus dem Team stellt zum ersten Mal aus. Obwohl in dieser Runde der Älteste, ist das hier Rudolf Wagner. Als Vorbereitung auf seinen „drohenden“ Ruhestand habe er vor sechs Jahren das Hobby aus Kindertagen wieder aufleben lassen, erzählt der pensionierte Grundschullehrer. Er ist den Bersenbrücker Briefmarkenfreunden beigetreten, die sich regelmäßig im Hotel Hilker treffen. Außerdem hat er in Neuenkirchen eine Jugendgruppe gegründet. Neun junge Menschen beteiligen sich hier, diesen „frischen Wind“ findet Frank Heisig gut.

Der zweite Vorsitzende hat schon als Kind gesammelt, alles „was groß, bunt und schön“ war. Mit Anleitung durch einen Nachbarn habe er dann begonnen, systematisch zu sammeln. Ein Themenbereich ist „Ungarn“. Dazu kommt eine umfangreiche Sammlung von „Kinomarken“, was sich durch „die technische Entwicklung des visuellen Medienbereiches“ als ehrgeiziges Projekt entpuppt habe. Durch die Umstrukturierung der Post gebe es außerdem eine größere Materialvielfalt, sagt der Ankumer. Sein Ausstellungsbeitrag zum Wettbewerb: „Antikriegsfilme – eine Betrachtungsweise“. Heisig erzählt von internationalen Kontakten und ist Mitglied in einer französischen Gemeinschaft. „Über den Tellerrand hinweg schauen“ sei einfach wichtig, findet auch Helma Janssen, die sich als „Quereinsteigerin“ bezeichnet und in jungen Jahren „nichts mit Briefmarken am Hut“ hatte. Da sie ihren Ehemann Oswald häufig auf Ausstellungen begleitete, habe sie schließlich mit einer eigenen Sammlung begonnen, Thema „Katzen“. Heute besitzt sie neben einer Ländersammlung „Zypern“ eine weitere zum Thema „Feuerwehr“, die sie als „Hommage an die Bürgerinitiative in Uniform“ versteht. Oswald Janssen sammelte als Jugendlicher „alles was alt war“, unter anderem das Thema „Germania 1902 bis 1922“. Heute besitzt er außerdem viele Ansichtskarten aus der Region, natürlich mit alten Marken und gestempelt.

„Kreuz und quer“ hat Ronald Klein als Schüler bereits Briefmarken in Zigarrenkisten gehortet. Der Verdener ist jetzt Geschäftsführer des Landesverbandes Elbe-Weser-Ems. Er gehört zur Arbeitsgruppe „Preußen“ und betont, dass zu einer Sammlung auch alte Briefe, die Postgeschichte, die Portoberechnung, Sonderstempel, Nachnahmezettel, kurzum alles rund um die Post gehöre.

Rudolf Wagner zeigt den Kollegen die ersten Blätter seiner neuen Sammlung. Der Musikliebhaber hat sich mit dem Komponisten Mendelssohn-Bartholdy befasst und mit den späteren Anstrengungen des Nationalsozialismus, dessen Werk vergessen zu machen. Der Neuenkirchener gehört der internationalen Arbeitsgemeinschaft für Musik an, mit Mitgliedern von Japan bis Argentinien, ein „sympathischer Club“, so Wagner. Material findet er durch „geduldiges Grabbeln in Kisten auf Flohmärkten“, aber auch im Internet unter www.delcampe.de . Ein Highlight seiner Themensammlung ist die „sächsische Schwärzung“, eine Marke mit dem Konterfei Adolf Hitlers, die nach dem Krieg eine Weile weiterverwendet wurde, wobei das Gesicht mittels schwarzen Stempels unkenntlich gemacht ist. Der Brief mit dieser „Schwärzung“ lief von Chemnitz nach Berlin, wo einige Tage zuvor erstmals nach dem Aufführungsverbot der Nazis wieder Mendelssohns Musik erklang, berichtet der Neuenkirchener. So schließt sich der Kreis. Der Komponist habe also über den Diktator triumphiert, nicht umgekehrt, so die Interpretation Rudolf Wagners. Seine Kollegen sind begeistert. Ein guter Beginn der zeitintensiven Vorbereitung für die Challenge in Gotha im September, an der 14 Teams mit insgesamt 70 Teilnehmern gemeldet sind. Das norddeutsche Team hofft, in die zweite Runde zu kommen. Die laufe in zwei Jahren in Wittenberg. „Man kommt ganz schön rum“, heißt es. Von wegen „verstaubt“.

Die Briefmarkenfreunde Bersenbrück treffen sich jeden dritten Sonntag im Monat von 10 bis 12 Uhr bei Hilker. Interessierte sind jederzeit willkommen. Einmal jährlich ist Großtauschtag.


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