20.04.2017, 16:55 Uhr

Stammtisch für Betroffene gründet sich Autismus soll in Meppen eine Lobby erhalten

Bei Autismus ist es oft das Sozialverhalten der Kinder, das Eltern aufmerksam werden lässt: Spielen sie mit Gleichaltrigen oder sind sie lieber allein? Symbolfoto: Mascha Brichta/dpaBei Autismus ist es oft das Sozialverhalten der Kinder, das Eltern aufmerksam werden lässt: Spielen sie mit Gleichaltrigen oder sind sie lieber allein? Symbolfoto: Mascha Brichta/dpa

Meppen. Häufig verfügen Angehörige über keine klare Diagnose, ob Kinder, Jugendliche oder Erwachsene Autisten sind. Am Dienstag, 25. April, treffen sich Betroffene und Interessierte um 20 Uhr in der Meppener Stadiongaststätte „Anno 1912“ zum ersten gemeinsamen Erfahrungsaustausch.

Initiatorin Dagmar Eiken-Lüchau erklärt beim Treffen in der Kontakt- und Beratungsstelle für Selbsthilfe (KoBS) an der Hubbrücke, dass besonders die Familien ohne exakte Diagnosen besondere Unterstützung brauchten. „Wir laden all diese Menschen von Herzen ein, Teil unserer Gruppe zu werden“, sagt die Mutter einer fünfjährigen frühkindlichen Autistin.

Eiken-Lüchau erzählt weiter, dass man ohne die „Autismus-Diagnose“ in Deutschland keine spezifischen Therapien angeboten bekomme. „Dann muss man noch mehr als andere um jede Art der Anerkennung und Unterstützung kämpfen.“

Unterstützung zukommen lassen

Der Plan für die neue Selbsthilfegruppe sei, allen Betroffenen genau die Unterstützung zukommen zu lassen, die sie benötigten, so Eiken-Lüchau. Eine erste Hilfe bekommt die Gruppe von der KoBS. „Rund um das Thema ‚Selbsthilfegruppen‘ beraten wir gerne und stehen für Fragen, aber auch die benötigte Unterstützung zur Verfügung“, erzählt KoBS-Leiterin Petra Hengst. Da könnten Betroffene kommen und auch Menschen, die noch keine passende Gruppe gefunden hätten.

(Weiterlesen: „Autisten sprechen ihre eigene Sprache“)

So sei auch Dagmar Eiken-Lüchau, die vor einigen Monaten in ihre Heimatstadt zurückkehrte, mit der Idee zur Beratungsstelle gekommen. „Meine Facebookgruppe ‚Autismusstammtisch AUTogen‘, bekam schon eine Resonanz“, hofft die Mutter, mit Flyern und über lokale Medien weitere Betroffene zu erreichen. Natürlich seien auch Interessierte aus dem gesamten Emsland eingeladen.

Ausgeglichenes Umfeld

Petra Hengst erzählt, dass der Stammtisch in der Anfangsphase von einem ehrenamtlichen „In-Gang-Setzer“ unterstützt werde. „Diese Menschen sind in der Arbeit in und mit Gruppen besonders geschult und bringen ein großes Zeitfenster mit“, macht Hengst deutlich, dass es nicht bei einem einzigen Abend bleiben solle. Später könne der Stammtisch auch aufgeteilt werden, damit man auf Angehörige mit Kindern und Familien mit Jugendlichen und Erwachsenen besser eingehen könne. „Alles wird aber gemeinsam entschieden“, macht sie deutlich, dass nichts über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werde.

„Autismus muss endlich eine entsprechende Lobby bekommen“, bekräftigt Eiken-Lüchau ihr Anliegen. Ein gesundes und ausgeglichenes Umfeld sei für die Autisten ebenso wichtig wie die Therapie selbst: „Kennt man einen Autisten, kennt man nur einen. Jeder Autist ist anders.“


Anmeldungen für das erste Treffen sind möglich bei der KoBS, Tel. 05931/14000, E-Mail: kontakt@selbsthilfe-emsland.de, oder bei Dagmar Eiken-Lüchau, Tel. 0176/62115032, E-Mail: dagmar.eiken@gmail.com . Auch spontane Gäste sind willkommen.

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