19.04.2017, 11:33 Uhr

Prozess am Amtsgericht Meppen Drogenfahrt: 21-Jähriger mimt Monteur und wird verurteilt

Das Amtsgericht Meppen hat einen 21-Jährigen zu einer Geldstrafe wegen Beihilfe zur Einfuhr von Betäubungsmitteln verurteilt. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpaDas Amtsgericht Meppen hat einen 21-Jährigen zu einer Geldstrafe wegen Beihilfe zur Einfuhr von Betäubungsmitteln verurteilt. Symbolfoto: Ingo Wagner/dpa

Meppen. Bis die Wahrheit ans Licht kommt, braucht es manchmal etwas länger. Im Meppener Amtsgericht hat die Wahrheitsfindung zweieinhalb Stunden gedauert. Der Angeklagte konnte danach aber erleichtert nach Hause gehen.

Vorgeworfen wurde dem 21-Jährigen, dass er im Juni 2016 knapp ein Kilogramm Marihuana in den Niederlanden gekauft habe, um dieses in Deutschland gewinnbringend weiter zu verkaufen. Der junge Mann war mit zwei weiteren Personen in einem Lkw unterwegs, der an der Bundesgrenze bei Twist kontrolliert wurde.

In einer ersten Version mimte der Angeklagte den Unwissenden, der zum damaligen Zeitpunkt in Löningen lebte und nun in Berlin lebt. Er ging davon aus, den Tag mit einem Freund aus Haselünne zu verbringen, sagte er. Kurz danach kam ein dritter Mann hinzu, mit dem sie in einem Transporter nach Emmen gefahren sind.

Rucksack mit einem Kilo Marihuana

Laut seiner ersten Aussage sei dieser in einem Wohnhaus verschwunden und mit einem vollen Rucksack zurückgekehrt. Der Rücksack wurde im Fußraum des Fahrzeugs untergebracht, wo die drei Männer saßen. Auf deutscher Seite kontrollierte die Polizei den Transporter und fand in dem Rucksack 995,8 Gramm Marihuana. Der 21-Jährige gab zunächst an, dass er nicht wusste, was in dem Rucksack gewesen sei. Ihm sei vorher nicht bewusst gewesen, dass es sich um eine Drogenfahrt gehandelt habe.

Richter und Staatsanwalt wollten diese Version nicht glauben und befragten den Freund des Angeklagten. Er wurde bereits in dieser Sache verurteilt und sitzt aktuell im Gefängnis. Im Gerichtssaal wollte sich der 28-Jährige zunächst nicht äußern, dazu hatte ihm sein Anwalt geraten. „Weil Sie sich damit selbst belasten könnten? Wegen einer Falschverurteilung?“, fragte der Richter. Damit traf er den Nagel auf den Kopf.

Freund bricht sein Schweigen

Nach einigen Pausen und Beratungen sagte er schließlich doch aus. Er habe die Drogenfahrt geplant und wollte den Angeklagten als dritten Mann auf der Fahrerbank haben, damit sie den Eindruck von heimkehrenden Monteuren erwecken konnten. Der Angeklagte habe das gewusst, er bot ihm aber keinen Lohn oder dergleichen an. Damit entlastete er den sichtlich angespannten Angeklagten, der daraufhin auch einräumte, gewusst zu haben, worum es bei der Fahrt ging.

Das Strafmaß reduzierte sich dementsprechend. Der Staatsanwalt sprach nur noch von Beihilfe zur Einfuhr von Betäubungsmitteln. Die Aussage des Freundes halte er für nachvollziehbar, damit sei man der Wahrheit wohl ziemlich nahe gekommen. Er forderte deshalb eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen von jeweils zehn Euro. Das Gericht sah dies ähnlich und folgte dem Staatsanwalt.

Der Angeklagte zeigte sich zum Schluss reuig: „Ich bedauere es, an diesem Tag mitgefahren zu sein“, sagte er. So etwas werde definitiv nicht noch einmal vorkommen.


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