01.12.2016, 12:02 Uhr

Oft verdrängtes Thema Fachtagung „Häusliche Gewalt“ in Meppen


Meppen. Der Arbeitskreis „Häusliche Gewalt“ des kommunalen Präventionsrats der Stadt Meppen und die Marienhausschule hatten zu einer Fachtagung zu diesem brisanten Thema eingeladen.

Häusliche Gewalt kommt nicht nur in der Anonymität riesiger Mietsblöcke in Großstädten vor. Es ist ein von der Gesellschaft häufig tabuisiertes Thema, das ebenso in ländlichen Gegenden präsent ist und, wie häufig vermutet, nichts mit dem Bildungshintergrund der Täter zu tun hat. Geprügelt, gemobbt oder psychisch attackiert wird in allen Gesellschaftsschichten und zu mehr als 80 Prozent gehen die Taten von Männern aus.

Handlungsmöglichkeiten

Bei der Fachtagung in Meppen wurden hauptsächlich die Schüler der Fachschule für Sozialpädagogik, Klasse 2, angesprochen. Nach Aussage der Veranstalter sollten Handlungsmöglichkeiten für die zukünftigen Erzieher aufgezeigt werden.

Schon die Einführung mit dem Video „Wenn sie nur täte, was ich will ...“ geriet zu einer beklemmenden Studie, wie physische und psychische Gewalt Menschen aus der vorher noch geordneten Lebensbahn werfen können. Weiß „Mann“ nicht weiter, wird allzu häufig Gewalt gegen die Ehefrau und die Kinder ausgeübt. Fachbereichsleiter Andreas Belle sagte in seiner Begrüßungsrede, dass es gelte, diese Thema wahrzunehmen und auch einfühlsam als Lehrer oder Mitarbeiter von Kindergärten oder Jugendhilfeeinrichtungen zu reagieren.

Diskussion mit Fachleuten

„Mit vielen Fachleuten zu diskutieren und ein Netzwerk aufbauen zu können, ist gelebte Prävention von Gewalt “, so Belle. Damit werde auch ein besonderer Akzent in der Ausbildung künftiger Erzieher gesetzt. Häufig genug aber wüssten Erzieher und Lehrer nicht, was bei den Schülern zuhause los sei und ob diese schon Gewalterfahrungen gemacht hätten, deutete Belle auf eine große Unbekannte hin. Der Pädagoge lobte insbesondere die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Meppen, Elisabeth Mecklenburg .

Sozialarbeiter Jürgen Krabbe von der Backhaus Kinder- und Jugendhilfe erzählte aus seinem persönlichen Umfeld, als er in eine Diskussion mit seiner Tochter geraten sei, die auch ihn als Vater zunächst vor Probleme gestellt habe. Von einem erfahrenen Sozialarbeiter habe seine Tochter erwartet, dass er die Situation mit seiner Fachkompetenz regele. Krabbe verstand es in seinem Vortrag, Situationen und Probleme aufzuzeigen, in denen er sich einst selbst befand und die die späteren Erzieher in Zukunft sehr schnell geraten können.

Frage- und Antwortspiel

Auch das Frage- und Antwortspiel mit den Schülern gab diesen die Möglichkeit, über ihre eigenen Gefühle zu sprechen und Antworten zu suchen, um später eventuell besser vorbereitet an das Thema Gewalt in der Familie heranzugehen. In den Fachforen konnten die Schüler unter anderem die Arbeitsweise des Frauenschutzhauses, der Polizei und verschiedener anderer Beratungsstellen kennenlernen.

Angehende Erzieher

Am zweiten Tag präsentierten die angehenden Erzieher ihre Arbeiten, die sie unter anderem in das Jam-Tonstudio mit dem Song „Sind so kleine Hände“ von Bettina Wegner führten. Beklemmend die Zeichnungen und Textkollagen, die im Foyer der Marienhausschule präsentiert wurden. Wer die Ausstellung betrat, konnte eine kaum auszuhaltende Darstellung eines vom Vater geschändeten Babys, hier eine Kinderpuppe, sehen. Es fehlte allerdings nicht der Hinweis, dass Mutter und Ehefrau Bescheid wusste. Als Abschluss kam eine kurze Theatervorstellung zur Aufführung, in der die Schülerinnen noch einmal verdeutlichten, wie viele Menschen bereits Opfer von Gewalt in der Familie geworden sind.


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