25.11.2016, 20:37 Uhr

Seltener Beruf im Emsland Unbekannt, aber mit Perspektive: Der Wasserbauer


Meppen. Es gibt Berufe, die kaum jemand kennt. Der Wasserbauer ist zum Beispiel eine Tätigkeit, an die junge Schulabgänger nicht unbedingt als Erstes denken, wenn sie sich für einen Beruf entscheiden müssen. Zwei Meppener Behörden wollen das ändern.

Deshalb haben sich mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Meppen (WSA) und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) Vertreter einer Bundes- und einer Landesbehörde zu einem Pressegespräch zusammengefunden. Ludger Brinker, beim WSA Leiter der Personalverwaltung, Wasserbaumeister Thomas Bruns und Regiemeister Martin Bölle (beide WSA), sowie Björn Brosius (Verwaltungsleiter NLWKN), Martin Gaebel (NLWKN-Dezernent) und Geert Evers (Wasserbaumeister beim NLWKN) wollen den Beruf bekannter machen beide Behörden sind auf fachkundige Wasserbauer angewiesen, weil sie die Gewässer im Emsland unterhalten.

Ob es den Wasserbauer wirklich gebe, war mal die 32.000-Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“ – „man kennt den Beruf kaum“, sagt Ludger Brinker. Und dabei sei er ausgesprochen vielseitig, verbinde er doch Tätigkeiten von Maurern, Vermessungstechnikern, Landschaftsbauern, Schlossern und Gärtnern. Mindestens. Kurz gesagt, unterhalten und warten Wasserbauer Wasserstraßen sowie Wasserbauwerke an Wasserstraßen, Küsten und Stauseen und setzen sie instand. Sie erhalten damit die „Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt“.

Ufer und Brücken

Wenn es etwa gelte, das Stauwehr in Meppen-Versen einzudämmen und zu warten, sei der Wasserbauer ebenso gefragt, wie beim Instandsetzen von Ufern oder dem Erhalt von Brücken. Auch die Pflege von Alleen gehört zum Programm, wenn sie denn wie in Haren an einem Kanal wachsen. Auch der Hochwasserschutz gehört zum Aufgabenbereich.

„Der Beruf ist vielseitig und speziell“, sagt Björn Brosius und in jüngerer Zeit auch um ein Aufgabenfeld erweitert worden: die Renaturierung von Gewässern. Gerade erst hat der NLWKN in Haselünne ein Teilstück der Hase bearbeitet, um ihr einen freieren Lauf zu ermöglichen ( wir berichteten ). Viele dieser Tätigkeiten können Firmen der Privatwirtschaft nicht durchführen, weil ihnen Erfahrung und Mittel fehlen.

Lange Zeit gab es den Wasserbauer gar nicht als klassischen Ausbildungsberuf – vielfach nahmen Bauernsöhne, die den elterlichen Hof nicht erben konnten, diese Tätigkeit an. Lange sagte man dem Wasserbauer etwas despektierlich das Motto nach: „Tief stechen, weit schmeißen“, womit vor allem beim Kanalbau das Ausheben des Gewässers gemeint war.

„Diese Zeiten sind längst vorbei“, sagt Martin Gaebel. Die Ansprüche sind gestiegen und inzwischen absolvieren Bewerber eine dreijährige Ausbildung, die zum Teil beim Berufsbildungszentrum in Koblenz oder in Kleinmachnow bei Berlin durchgeführt wird. „Viele Frauen sind inzwischen unter den Wasserbauern“, sagt Gaebel und nicht wenige landeten nach der Ausbildung nicht im Öffentlichen Dienst, sondern bei Privatfirmen, die die gut ausgebildeten und vielseitigen Fachkräfte gerne übernähmen.

WSA und NLWKN in Meppen bilden jeweils zwischen einem und drei Bewerbern oder auch Bewerberinnen pro Jahr aus und garantieren danach eine Übernahme von mindestens sechs bis zwölf Monaten. „Viele Absolventen bilden sich aber auch weiter und werden Techniker oder gehen studieren“, sagt Martin Bölle. „Die Perspektive ist sehr gut.“

Die duale Ausbildung ist mit einem Hauptschulabschluss bei guten Noten in den Naturwissenschaften möglich und bietet neben einem attraktiven Anfangsgehalt auch den Sportbootführerschein.


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