12.11.2016, 08:45 Uhr

Ein Traum in Weiß Meppenerin wird Herzenswunsch erfüllt


Meppen. Ihr Herz schlägt wieder regelmäßig, vor wenigen Monaten hat Ina Wysotzki aus Meppen die dritte künstliche Herzklappe bekommen. Kurz danach wurde ihr einer von drei großen Lebensträumen erfüllt: Einmal im Leben ein Brautkleid zu tragen.

Es ist Dienstagabend, kurz vor 18 Uhr. Gerade eben ist Ina aus dem Bus gestiegen, läuft vor dem Gala Braut- und Festtagsmodengeschäft in der Meppener Innenstadt auf und ab. Gleich wird sie sich hier ihren zweiten großen Herzenswunsch erfüllen.

Rückblick. Überall Schläuche, Geräte surren, es piept. Ina liegt im Krankenhaus. „Mir ging es richtig, richtig dreckig. Ich dachte, das war es jetzt endgültig mit mir“, erinnert sie sich unverblümt. Ina ist erst 31 Jahre alt, hat aber schon so viele Monate im Krankenhaus verbracht, wie kaum ein anderer in ihrem Alter. Sie spricht deutlich, aber leise. „Fast zwei Jahre lang konnte ich nicht reden. Und ich bin eine Frau, ach, ich rede so gerne. Ein Stimmband ist noch immer gelähmt, das andere funktioniert wieder.“ Da, wo einst ihre Schilddrüse war, ist eine rund zehn Zentimeter lange Narbe. Nur wenige Zentimeter darunter führt eine lange Narbe von der Brust bis zum unteren Bauch. „Da haben sie früher die Herzklappen eingesetzt, heute machen sie das durch einen Katheter“, erklärt sie. Und rechts neben der Längsnarbe befindet sich eine weitere. „Das ist die Gallennarbe“, meint Ina - und grinst. „Ich lebe noch, also ist doch alles gut.“

Drei Herzklappen in elf Jahren

Seit ihrer Geburt ist Ina schwer herzkrank, bekam 2005, 2007 und 2016 eine neue Herzklappe. Doch nicht nur das. 2014 machte ihre Schilddrüse Ärger, auch sie musste raus. „Zwischen 2014 und heute war immer irgendwas. Durch meine Gesichtslähmung ist ein Stimmband gelähmt, ich musste wieder sprechen lernen.“2016 bekam sie eine Lungen- und Gallenentzündung. Seitdem ist auch die Galle raus. Zwischenzeitlich konnte ich vier Wochen lang nichts essen, wog 48 Kilogramm. Bei all diesem Leid steht ihre Familie immer hinter Ina und ihr Vater macht der jungen Frau Mut. „Du musst an das Adlon denken, denke immer an das Hotel“, ermahnt er sie, denn er weiß, dass ihr größter Wunsch ist, im noblen Adlon-Hotel in Berlin zu schlafen. Nicht wegen dem Luxus - sondern wegen dem dreiteiligen Fernsehfilm „Das Adlon. Eine Familiensaga“, der 2013 im Fernsehen lief. „Der Film war so toll und ich habe mich in das Hotel verliebt“, erzählt Ina. Als sie sich wieder fit fühlt, bekommt ihr Traum einen kleinen Knacks. Die Übernachtung ist zu teuer, aber Ende April fährt sie mit ihrer kompletten Familie nach Berlin und trinkt im Adlon einen Cappuccino. Er kostet 7,50 Euro. (Weiterlesen: Twisterin spendet ihrem Mann eine Niere - und bringt das Familienglück zurück)

„Es war wunderschön“

Wieder in Meppen angekommen, wendet sie sich an Bernhardine Schiering. Sie arbeitet in der Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung und deren Familien. Ina erzählt Schiering von ihrem Wunsch, ein Brautkleid zu tragen, auch, wenn noch kein passender Mann in Sicht ist. Nach einigen Gesprächen findet sich Ina im VIP Bereich des Ladens wieder. Dort hängen die Objekte der Begierde, ordentlich aufgereiht. Inhaberin Birgit Höhns zeigt Ina ein Kleid nach dem anderen. Fünf probiert sie an. Und fühlt sich wie eine echte Braut. „Es war wunderschön“, blickt Ina zurück. Normalerweise kann nicht jeder in den Laden hineinspazieren und Brautkleider anprobieren, aber für Ina machte Höhns eine Ausnahme. „Das Lächeln auf Inas Gesicht hat gezeigt, dass man ihr einen großen Wunsch erfüllt hat. In diesem Fall habe ich die Ausnahme gerne gemacht“, so Höhns. Irgendwann möchte Ina in Weiß heiraten. Doch vorher soll sich ihr dritter Herzenswunsch erfüllen. 2018 wird sie ein Konzert von Schlagersängerin Helene Fischer in Oberhausen besuchen. Aller guten Dinge sind schließlich drei.


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