26.10.2016, 14:50 Uhr

Zieht auch Hagebau um? Bürgerinitiative gegen Gewerbegebiet in Meppen


Meppen. Im Meppener Stadtteil Esterfeld wächst der Widerstand gegen die geplante Ausweisung eines Gewerbegebietes. Am Dienstagabend haben Anwohner eine Bürgerinitiative gegründet. Rund 700 Unterschriften gegen das Vorhaben sind bereits gesammelt worden.

Gut 130 Esterfelder waren dem Aufruf einiger Engagierter gefolgt und hatten sich im Saal der Gaststätte Kemper eingefunden. Für die Initiatoren um Uwe Schelling, Martin Ziemba, Matthias Hüllner, Karin Hartmann, Mareike Terborg, Marianne Havers, Hermann Küwen und Georg Quednow war bereits das ein großer Erfolg – immerhin konnten sie im Vorfeld kaum abschätzen, wie viele Menschen ihre Bedenken gegen das Vorhaben teilen würden. Auch hatte keiner von ihnen bis dahin Erfahrung im Gründen von Bürgerinitiativen – deshalb hieß es zu Beginn des Abends: tief durchatmen und sachlich Argumente vortragen.

Zum Hintergrund: Die Stadt Meppen plant seit vielen Jahren, das Gewerbegebiet am ehemaligen Hafen in ein Wohnquartier umzuwandeln. Eine ganze Reihe Grundstücke hat sie deshalb bereits gekauft – bis jetzt steht aber der rund zwei Hektar große Baustoffhändler Mayrose an der Schützenstraße mehr oder weniger im Weg.

Überraschende Lektüre

Vor gut vier Wochen erfuhren die Esterfelder nun aus der Meppener Tagespost , dass der Betrieb an die Fullener Straße umgesiedelt werden soll – und dass die Stadt für ihr 13 Hektar umfassendes Vorhaben mit Grundstücken von Anwohnern plante, die davon gar nichts wussten. Damit waren viele keineswegs einverstanden und der Widerstand begann, sich zu organisieren.

Nun also haben die Esterfelder ihre Bürgerinitiative gegründet. Ihre Argumente gegen die Ausweisung eines Gewerbegebietes am Rande von Esterfeld sind weitreichend. Vorgetragen von verschiedenen Akteuren der BI „Nein zum Gewerbegebiet zwischen Fullener Straße und Haupteschweg“ kamen eine ganze Reihe Argumente zum Tragen. Neu war eine Information, nach der nicht nur der Baustoffhändler Mayrose an die Fullener Straße umziehen solle, sondern auch der zum Unternehmen gehörende Hagebaumarkt aus der Fürstenbergstraße.

Auch der Hagebaumarkt?

So stellte Martin Ziemba die Frage, warum die Stadt Meppen am Hafen einen das Wohnen im Grünen störenden Betrieb im Sinne der Wohnqualität aussiedeln wolle, nur um dann ein intaktes Wohngebiet in Esterfeld zu beeinträchtigen. Marianne Havers kritisierte, der benachbarte Friedhof werde als Ort der Trauerbewältigung und als Ruhestätte von einem Gewerbegebiet massiv beeinträchtigt. „Stille ist nicht mehr vorgesehen“, sagte sie.

Außerdem seien die Fullener Straße und die L 47 schon jetzt extrem belastet, meinte Havers. Sie habe zu Stoßzeiten bis zu 1200 Fahrzeuge pro Stunde gezählt. Wegen der damit verbundenen Lärmbelästigung, der Gesundheitsgefahr durch Abgase und der immer weiter steigenden Gefahr von (auch tödlichen) Unfällen habe man schon in den 1990er Jahren das Gespräch mit der Stadtverwaltung gesucht und Abhilfe verlangt – „ohne Erfolg.“

„Situation verschärft“

Dass nun durch ein Gewerbegebiet diese Situation noch weiter verschärft werden solle, sei nicht nachvollziehbar. Dabei helfe auch der offensichtlich in Rede stehende zweispurige Ausbau des bisher beschaulichen Haupteschweges nicht, betonte Matthias Hüllner. Er verwies zudem darauf, dass sich die Situation für die Schulkinder, die aus den neuen Baugebieten zur Grundschule fahren müssten, noch weiter verschärfen und gefährlicher werde.

Uwe Schelling, der auch die Verantwortung im Sinne des Presserechts übernahm und quasi als Sprecher der BI fungiert, führte zudem artenschutzrechtliche Bedenken ins Feld. Der Naturschutzbund sehe in einem vom Bau betroffenen Wäldchen Fledermäuse und Spechte in Gefahr. Auch diene es als Naherholungsgebiet, das zerstört werde. Ein weiteres Argument: das vorgesehene Gebiet werde bei Hochwasser regelmäßig überschwemmt – wohin also solle das Wasser fließen, wenn alles bebaut sei? Und letztendlich befürchten die Hausbesitzer eine Entwertung ihrer Immobilien.

Den Initiatoren war wichtig, zu betonen, dass ihr Protest sich nicht gegen das Unternehmen Mayrose richte. Und weil es nicht nur um Ablehnung gehe, sondern auch um konstruktive Vorschläge, hatte man alternative Standorte zusammengetragen, unter anderem ein zwölf Hektar großes Gebiet „Volmers Weide“ an der B 70 (noch in Planung), vier Hektar am Höftehof in Nödike, neun Hektar am Rögelberg in Hüntel und 28,3 Hektar im Euroindustriepark Versen. Auch hätte man keine Bedenken bei der Ausweisung eines weiteren Baugebietes für weitere Bauwillige in Esterfeld – das jedenfalls, würde zum bestehenden Wohnen im Grünen passen.

Sachliche Diskussion

Auch die anschließenden Diskussion verlief sachlich – darin äußerten sich auch die Stadträte Karin Stief-Kreihe (SPD) und Günther Pletz (UWG). Stief-Kreihe bedauerte, dass die Anwohner zu spät über die Pläne informiert worden seien. Die nun gestellten Fragen seien berechtigt und müssten abgearbeitet werden. Pletz mutmaßte, das Unternehmen Mayrose sei wohl auch nicht so glücklich, dass es den alten Standort verlassen solle. „Viele Fragen werden aber üblicherweise erst im Laufe des Verfahrens geklärt“, sagte Pletz. „Wir stehen ganz am Anfang“. Beide Politiker sagten den Anwohnern Unterstützung bei der Klärung der offenen Fragen zu.

Die sind derweil auf Dialog mit der Stadtverwaltung aus, der nun, nach Gründung der BI, beginnen solle. Um mehr Gewicht in die Waagschale werfen zu können, sammeln die Initiatoren Unterschriften gegen das Gewerbegebiet – rund 700 sind bereits vorhanden. Ziel sind 3000 Unterschriften, die Bürgerbegehren ermöglichen würden.

Die Stadt Meppen teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, ein Umzug des Hagebaumarktes an die Fullener Straße sei aus stadtplanerischer Sicht nicht erforderlich, aber möglich und eine rein unternehmerische Entscheidung. Auch seien die privaten Grundstücke von der geplanten möglichen Umlegung nicht mehr betroffen. Zudem werde in diesen Tagen ein Verkehrskonzept in Auftrag gegeben.


Eine Bürgerinitiative ist eine aus der Bevölkerung heraus gebildete Interessenvereinigung, die aufgrund eines konkreten politischen, sozialen oder ökologischen Anlasses in ihrem Bereich Selbsthilfe organisiert und somit möglicherweise Einfluss auf die öffentliche Meinung, auf staatliche Einrichtungen, Parteien oder andere gesellschaftliche Gruppierungen nimmt.

Viele Bürgerinitiativen beschränken sich auf eingegrenzte Sachprobleme, weswegen sie auch als so genannte Ein-Punkt-Organisationen bezeichnet werden. In diesem Punkt unterscheiden sie sich also von Parteien, die ein möglichst großes Spektrum an Meinungen abdecken und somit politische Macht erlangen wollen, und Interessenverbänden, die mit Hilfe eines organisierten Unterbaus klar abgegrenzte Interessengruppen vertreten.

Eine Bürgerinitiative ist basisdemokratisch, da sie eine Veränderung von der Basis her, also von der Bevölkerung ausgehend, initiiert. Die zum Erreichen des Ziels erforderlichen Maßnahmen werden koordiniert und organisiert, um Zeit und Aufwand zu sparen und der Meinung bzw. dem Anliegen der Bürgerinitiative mehr Nachdruck zu verleihen. Dazu werden meist Unterschriften gesammelt, Demonstrationen durchgeführt, Petitionen verfasst oder ein Bürgerbegehren initiiert. (Quelle: Wikipedia)

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