17.11.2015, 10:45 Uhr

Das Tierwohl bekommt Vorrang Windthorst-Abend in Meppen mit Thema Landwirtschaft

Als Andenken bekam Maria Flachsbarth einen Nachdruck des Ehrenbürgerbriefs von Ludwig Windthorst durch den Vorsitzenden des Heimatvereins Meppen, Christoph Behnes und dem Vorsitzenden der Windthorst-Stiftung Hermann Kues (rechts) überreicht. Foto: Manfred FickersAls Andenken bekam Maria Flachsbarth einen Nachdruck des Ehrenbürgerbriefs von Ludwig Windthorst durch den Vorsitzenden des Heimatvereins Meppen, Christoph Behnes und dem Vorsitzenden der Windthorst-Stiftung Hermann Kues (rechts) überreicht. Foto: Manfred Fickers

Meppen. Die Tierhalter unter den Landwirten werden in den kommenden Jahren deutliche Veränderungen an ihrer Produktionsweise vornehmen müssen, erklärte Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beim Windthorst-Abend in Meppen. Sie rief die Verbraucher zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit Lebensmitteln auf, als deren Beitrag zum Tierwohl.

Die Ludwig-Windthorst-Stiftung lädt jährlich gemeinsam mit dem Heimatverein Meppen und dem Windthorst-Gymnasium Meppen zu einem Diskussionsabend über gesellschaftspolitische Themen ein. Der 17. Windthorst-Abend hatte das Thema „Eine Frage der Haltung — Neue Wege für mehr Tierwohl — Wie können sich Verbraucherinnen und Verbraucher beteiligen“. Mit der Veranstaltung wird an den Politiker Ludwig Windthorst (1812 - 1891) erinnert, der seinen Wahlkreis im Emsland hatte. Der Vorsitzende der Stiftung, Hermann Kues, sagte, dass die Stiftung parteipolitische neutral ist , was sich auch daran zeige, dass sich unter den Gästen des Abends Politiker unterschiedlicher Richtungen befinden.

Flachsbarth beschrieb die Verbindung vom politischen Wirken Windthorsts aus einer christlichen Ethik heraus zur Verantwortung für die Schöpfung, die den stetige Einsatz für das Tierwohl einschließt. Seit etwa 15 Jahren sehe sich die Landwirtschaft verstärkt kritischen Fragen zu ihrer Produktionsweise ausgesetzt. Dies sei ein langfristiger Trend. Andererseits stehe das Verbraucherverhalten mit den Forderungen nicht im Einklang, „Möglichst viel, möglichst billig“ lasse sich nicht mit einer hohen Qualität in der Tierhaltung vereinbaren. Die Bevölkerung sende somit widersprüchliche Signale an die Landwirtschaft. Eine Verbesserung des Tierwohls sei somit eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die nur mit einer offenen und ehrlichen Diskussion gelingt.

Familienbetriebe erhalten

Die Politik möchte die bäuerlichen Familienbetriebe erhalten, was nur gelingen kann, wenn es angemessene Einkommen gibt. Sie muss wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen, um Regeln und gesetzliche Grenzen festzusetzen, erläuterte die Staatssekretärin. Gleichzeitig soll die Landwirtschaft ohne Subventionen auskommen, was nur gelingt, wenn sie fit für den Weltmarkt ist. Einerseits ist der Tierschutz Staatsziel, andererseits stellen Verbraucher Forderungen, wissen aber offensichtlich wenig über die heutige Tierhaltung.

Im Vortrag und in der anschließenden Diskussion machte Flachsbarth den Landwirten deutlich, dass sie um Veränderungen der Produktionsabläufe nicht herum kommen. Dies gehe aber nur längerfristig, da neue Zuchtlinien bei Nutztieren nötig sind, bauliche Änderungen in den Ställen und zum Teil größerer Aufwand bei der Aufzucht von Tieren. Dabei sei man vom Willen und der Fähigkeit der Verarbeitungsindustrie, des Handels und der Verbraucher abhängig, höhere Preise zu zahlen. Dafür sind Verhandlungen mit allen EU-Partnern nötig.

Rationaliserungsdruck

Die Landwirte reagierten skeptisch auf diese Aussagen. Seit 50 Jahren habe es kaum Preiserhöhungen gegeben, daher komme der hohe Rationalisierungsdruck auf die Betriebe. Zudem experimentieren viele Tierproduzenten mit veränderten Haltungsbedingungen , ohne klar sichtbare Erfolge. Die Staatssekretärin antwortete, dass hierbei eine wissenschaftliche Begleitung und ein Erfahrungsaustausch unter Landwirten vom Ministerium gefördert wird.

Einig waren sich die Politikerin, die von Beruf Tierärztin ist, und die Landwirte, dass die Information der Verbraucher über die heutige Landwirtschaft verbessert werden muss. Dafür gebe es im Emsland erste positive Beispiele. Die Verbraucher können den Wandel in der Landwirtschaft durch bewusstes Einkaufen unterstützen. Produkte aus der Region im Einzelhandel und in Hofläden erworben, qualitätsbewusste Warenauswahl und die Nutzung von Informationsangeboten gehören dazu.


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