16.12.2014, 16:35 Uhr

Köder in Waldstück Hündin durch vergiftetes Geflügel bei Meppen getötet

An einem Geflügel-Giftköder starb bei Meppen-Holthausen die Hündin Emma. Der Täter ist bisher unbekannt. Symbolbild: dpaAn einem Geflügel-Giftköder starb bei Meppen-Holthausen die Hündin Emma. Der Täter ist bisher unbekannt. Symbolbild: dpa

Meppen. Trauer, Wut und die Frage „Warum?“ bestimmen die Gedanken von Familie Kroker aus Meppen-Holthausen, wenn sie von ihrer Hündin Emma erzählt. Ihr neunjähriger Vierbeiner wurde mit einem vergifteten Geflügelköder getötet. Das Tier starb innerhalb weniger Minuten, hatte keine Chance auf ärztliche Hilfe.

Es war an einem der üblichen Morgen, an denen Tessa Kroker mit Emma zu ihrer üblichen Joggingrunde in einem kleinen Waldstück unterwegs war. Es liegt zwischen Holthausen, Hemsen und Borken an einer in erster Linie landwirtschaftlich und von Spaziergängern genutzten Straße. Dort tobte die Hündin immer gerne durch das Waldstück. So auch an jenem Morgen. Von dort kehrte sie jedoch nicht, wie sonst auf Zuruf, zurück.

Völlig erschöpft

Die Joggerin machte sich Sorgen, lief nach ihrem Tier rufend an der Brücke zwischen Holthausen und Borken runter an den Fahrradweg des Kanals. Dort tauchte Emma wieder auf. Sie wirkte völlig erschöpft, blieb einen Augenblick bei ihrem Frauchen, rannte dann nach ein paar Hundert Metern wieder ins Gebüsch, Auf erneutes Zurufen nahe der Holthausener Fußgängerbrücke tauchte die neunjährige Hündin nicht mehr auf. Die 29-Jährige wurde zunehmend unruhig. Sie rannte noch einmal zum Radweg neben dem Wald, rief nach ihrem Hund. Fehlanzeige. Eine ihr schier endlos vorkommende Zeit später fand die junge Frau ihre Hündin: Sie lag unweit der Holthausener Brücke auf dem ehemaligen Spazierweg: tot.

Warum die bis dahin kerngesunde und fitte Golden-Retriever-Labrador-Mix-Hündin starb, war in dem Moment völlig unklar. Die Familie betrieb Ursachenforschung. Tessa Krokers Mutter ging mittags mit dem zweiten Hund noch einmal zu dem kleinen Waldstück zwischen Holthausen, Hemsen und Borken. Noch auf der Straße witterte das Tier etwas und zog sein Frauchen in das Waldstück. Dort fand Kroker wenige Meter neben der Straße ein zerrupftes Geflügeltier, daneben zwei tote Marder.

Die Polizei fotografierte abends die toten Tiere und nahm eine Geflügelprobe. Untersuchungsergebnisse würden der Familie Kroker bisher nicht vorliegen. Sie ließ durch ihren Tierarzt Mageninhalt ihrer Hündin entnehmen und den in einem Institut in München toxikologisch untersuchen. Danach hat das mehr als 30 Kilogramm schwere Tier frisches Geflügel aufgenommen, das vergiftet war. Auszug aus dem Befund: „Der Mageninhalt bestand überwiegend aus Teilen von frischem Geflügel und war von zahlreichen dunkelvioletten bis schwarzen Granula durchzogen. Es konnten Rückstände von Paraoxon (Insektizid) identifiziert werden. Paraoxon ist ein Metabolit (Zwischenprodukt in einem meist biochemischen Stoffwechselweg) von Parathion (E 605) und ist wie dieses ein Kontaktinsektizid aus der Gruppe der Organophosphate. Beide Substanzen waren lange Zeit in Deutschland erhältlich.“

Wer das Geflügel mit dem Gift durchsetzt und in dem Wald nahe der von vielen Hundebesitzern frequentierten vorwiegend landwirtschaftlich genutzten Straße ausgelegt hat, ist bisher ungeklärt.

Familie traurig

An der Aufklärung liegt Familie Kroker viel. Auch um andere Tiere zu schützen. Sie hat mit ihrer Emma nicht nur einen Hund verloren, sondern ein Familienmitglied. „Wir sind traurig, dass unsere Hündin zu früh und leidvoll sterben musste. Sie war die treue Weggefährtin und Beschützerin meiner geistig behinderten Schwester. Mit Emma konnten wir sie – fast wie bei einem ausgebildeten Begleithund – ohne Sorge die umgebende Natur erkunden lassen. Gerade am Wochenende hat meine Schwester jede freie Minute mit der Hündin verbracht“, sagt Tessa Kroker traurig. Der Tod des Tieres, ausgelöst durch einen „wohl leider unbekannt bleibenden Menschen, der Geflügel mit einem in Deutschland verbotenem und umweltschädlichen Gift präpariert mit dem Ziel, (Wild-)Tiere leidvoll sterben zu lassen, schmerze einfach nur unendlich. (Weiterlesen: Hundeprofi Martin Rütter bilanziert das tierische Jahr – lustig und hilfreich!)


Parathion (E 605) wird als Insektizid und Akarizid eingesetzt. Der Verkauf im Handel als Pflanzenschutzmittel „E 605 forte“ erfolgte nur nach Vorlage eines Personalausweises, da in der Literatur bereits zahlreiche Fälle von Vergiftungen und Tötungsdelikten mit Parathion geschildert wurden. Das Pflanzenschutzmittel ist vergällt, damit es nicht versehentlich geschluckt werden kann. Häufig ist auch ein stechender Geruch festzustellen. Seit dem 8. Januar 2002, als die Zulassung parathionhaltiger Pflanzenschutzmittel (E 605 forte, E Combi, P-O-X) auslief, gilt ein generelles Verbot für den Verkauf von „E 605 forte“ im Handel sowie dessen weitere Anwendung. Am 9. Juli 2001 erließ die Europäische Kommission eine Entscheidung, die die Abgabe, Einfuhr, Anwendung und Zulassung von Parathion enthaltenden Pflanzenschutzmitteln verbot. Nicht verboten wurde die Abgabe zur Lagerung mit anschließender Ausfuhr aus dem Gebiet der Europäischen Union. Ferner mussten alle bereits erteilten Zulassungen für solche Pflanzenschutzmittel binnen sechs Monaten zurückgenommen werden. In der Schweiz gibt es ebenfalls keine Zulassung als Pflanzenschutzwirkstoff mehr. Parathion blockiert die Acetylcholinesterase irreversibel und eignet sich deshalb nicht zur medizinischen Verwendung (mit Wikipedia).

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