22.04.2017, 09:11 Uhr

Rohullah Rasa stellt in Melle aus Afghanischer Junge malt vom Leben mit der Angst


Melle. Der unbegleitete minderjährige Flüchtling Rohullah Rasa kam im Dezember 2015 nach Deutschland. Erinnerungen an seine lange Reise aus Afghanistan verarbeitet der Jugendliche in Bildern, die berühren.

„Gib mir Geld, und ich bringe die Jungen sicher in Autos und Schiffen nach Europa. Auch für Essen und Schlafen wird gesorgt.“ Das versprach der sogenannte Oberschlepper den afghanischen Familien in Kundus. Nichts davon entsprach der Wahrheit, dafür tauchten immer wieder neue Schlepper auf, die auf der Fluchtroute Geld von den Jugendlichen verlangten.

Du bis jetzt Kapitän

„In meinen Bildern erlebe ich alles noch einmal“, berichtete der 18-Jährige, während er die chronologisch gemalten Stationen seiner Flucht über Pakistan, Iran, Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien und Kosovo erklärte. „Tag und Nacht waren wir zweieinhalb Monate in kleinen und großen Gruppen unterwegs, hatten immer Angst vor Taliban, Polizei, Überfällen und Hunger.“

Erinnerungen an den 20-stündigen Fußmarsch von der pakistanischen Grenze bis nach Teheran werden ebenso lebendig wie Etappen in überfüllten Autos mit fünf Flüchtlingen auf der Gepäckablage und vier Leuten unter dem Kühlwagen. Besonders berührten den Afghanen die Familien mit Kindern. „Sie sahen so traurig und erschöpft aus, und ich habe mich auch so gefühlt.“

In Izmir zahlte der damals 17-Jährige 2000 Dollar an einen Schlepper. Auf das für 30 Personen ausgerichtete Schlauchboot passten eng zusammengedrängt 70 Flüchtlinge. „Du bist jetzt der Kapitän“, sagte der Schlepper zu einem kräftig aussehenden Mann. Drei Stunden dauerte die gefährliche Überfahrt nach Griechenland mit hohem Wellengang. „Wir hatten so viel Angst, auch vor der Küstenwache und nur sehr wenig Hoffnung auf eine glückliche Ankunft“, erinnert sich Rohullah.

„In Griechenland fühlte ich zum ersten Mal seit langer Zeit Sicherheit. Die Menschen haben uns Essen und Decken gegeben.“ Dann hieß es immer wieder Schlange stehen vor Landesgrenzen und in Aufenthaltslagern. Am Anfang seiner Flucht hatte der Afghane keine Ahnung, in welches Land er wollte. „Einfach raus aus Kundus, denn dort ist kein Leben in Sicherheit möglich, weil die Taliban Krieg gegen Polizei und Militär führen“, berichtete der Geflüchtete.

Auch in Rohullahs Schule tauchten die Taliban auf, um Jugendliche anzuwerben. „Von Lernen und Malen halten sie jedoch nichts“, so der junge Künstler, der von Hamburg über Osnabrück nach Melle und Riemsloh gelangte. „Vom ersten Taschengeld habe ich sofort Farben gekauft, obwohl die teuer sind in Deutschland.“

Pastor Michael Wehrmeyer, der die Ausstellung in der St. Matthäus-Kirche vorbereitete und organisierte, hörte von seinem Mitbewohner Reza Zandlashani aus Teheran von dem jugendlichen Flüchtling, der aus Leidenschaft malt. In der aktuellen Ausstellung werden 16 Werke gezeigt, die anschließend in der Osnabrücker Berufsschule am Westerberg gezeigt werden.

Seit einigen Tagen meißelt und feilt Rohullah Rasa mit großer Sorgfalt an einer Skulptur, die ihm sehr am Herzen liegt. Das Porträt der Bundeskanzlerin Angela Merkel ist bereits zu erkennen.

Zu besichtigen ist die Ausstellung „Stationen einer Flucht“ von Rohullah Rasa bis zum 8. Mai während der Öffnungszeiten in der St. Matthäus Kirche, werktags von 8 bis 18.30 Uhr und sonntags von 11.30 bis 18.30 Uhr (außerhalb der Gottesdienste).


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