21.04.2017, 11:45 Uhr

Fast so dick wie die Bibel Chronik über Oldendorf bei Melle erscheint bald

Projekt-Präsentation im Landesarchiv mit (von links) Direktorin Birgit Kehne, Archivarin Anna Philine Schöpper, Ortsbürgermeisterin Karin Kattner-Tschorn und den Herausgebern Anna-Margaretha Stascheit und Jürgen Krämer. Foto: Simone GraweProjekt-Präsentation im Landesarchiv mit (von links) Direktorin Birgit Kehne, Archivarin Anna Philine Schöpper, Ortsbürgermeisterin Karin Kattner-Tschorn und den Herausgebern Anna-Margaretha Stascheit und Jürgen Krämer. Foto: Simone Grawe

Melle. Vor vier Wochen ein leeres Blatt, jetzt liegt der erste fundierte Beitrag vor, und in eineinhalb Jahren soll das ehrgeizige Projekt fertig sein: Das Kirchspiel Oldendorf soll erstmals eine umfangreiche Chronik erhalten.

Initiatoren des umfangreichen Buchprojektes sind Jürgen Krämer und Anna-Magaretha Stascheit. Sie haben ein Redaktionskonzept entwickelt, das rund 70 Themenfelder vorsieht: „Ein Buch in Bibelformat“, kündigt Jürgen Krämer bei der Vorstellung den Umfang an. Erscheinen soll die Chronik, die jede Menge Lesestoff bietet, in eineinhalb Jahren.

Eine Bereicherung

„Alle Autoren, die wir bislang angesprochen haben, machen mit. Das wird eine Bereicherung für Oldendorf“, freut sich Anna-Margaretha Stascheit über das positive Echo.

„Wahrscheinlich wird der Umfang die Chronik von Eicken noch übertreffen“, äußert sich Jürgen Krämer im Hinblick auf die Themenvielfalt. So geht das Werk auf die geschichtliche Entwicklung, das bäuerliche Leben in der Vergangenheit und in der Gegenwart, auf die Wirtschaft und auf die Industrie ein. Aber auch die Kultur und das Bildungswesen, Natur und Freizeit, bekannte Persönlichkeiten sowie plattdeutsche Beiträge werden ihren Niederschlag finden.

Anlass für die Herausgabe sollte eigentlich ein Ortsjubiläum in Oldendorf sein. Nicht wenige Einwohner hatten sich gefreut, ein solches Fest im kommenden Jahr zu feiern. Doch daraus wird nichts, denn die vermeintlich erste Erwähnung „Aldontorpas“ aus dem Jahr 1068 bezieht sich nach wissenschaftlichen Untersuchungen nicht auf Oldendorf im Grönegau, sondern Oldendorf bei Borgholzhausen in Westfalen ist damit gemeint.

„Die Angabe der Ersterwähnung im Wikipedia-Artikel in einem Einkünfteregister des Klosters Corvey um 1000 stammt aus einem Aufsatz im Meller Jahrbuch ,Der Grönegau‘ 1995“, sagt Anna Philine Schöpper vom Kreisarchiv im niedersächsischen Landesarchiv in Osnabrück. Leider sind in dieser Abhandlung keine Quellenangaben vermerkt, sodass sich die Angabe nicht verifizieren lässt.

Alte Siedlungsstätte

Oldendorf wird nach Angaben der Diplom-Archivarin demnach erstmals in einem Kalender und Nekrolog des Osnabrücker Doms um 1200 genannt. Eine genaue Datierung solcher Nekrologe ist jedoch schwierig, da sie über einen längeren Zeitraum geführt und stetig ergänzt wurden, betont die Mitarbeiterin des Landesarchivs. Sie weist in diesem Zusammenhang auf Forschungen des Archivars und Historikers Günter Wrede hin, wonach eine eindeutige Datierung erst eine Angabe in einem Schatzregister von 1565 für das Jahr 1350 liefert. Obwohl diese Ersterwähnung erst aus dem Jahre 1350 stammt, könnte der Ort trotzdem schon 1068 bestanden haben: „Schon allein der Ortsname Oldendorf – das alte Dorf – weist auf eine sehr alte Siedlungsstätte hin“, erklärt Schöpper.Das geschichtliche Ortsverzeichnis für das Fürstbistum Osnabrück von Günther Wrede ist laut Anna Philine Schöpper bei der Suche nach Ersterwähnungen eine verlässliche Quelle, in der sich auch Jahresangaben zu den im Kirchspiel Oldendorf gelegenen Bauerschaften finden: Föckinghausen (1350), Westerhausen (1350), Niederholsten (1360) und Oberholsten (1360).

„Urkundliche Ersterwähnung hin oder her. Das Kirchspiel Oldendorf bietet geschichtlich Interessantes als auch Kurioses für eine Chronik“, unterstreichen Anna-Margaretha Stascheit und Jürgen Krämer. Die Hauptmotivation eine solche Publikation zu realisieren, sehen die beiden Herausgeber darin, „dass der Raum Oldendorf im Bereich der Regionalliteratur bislang ein weißer Fleck ist“. In der Vergangenheit ist über das Kirchspiel nur wenig veröffentlicht worden, und das soll sich ändern.

Renommierte Autoren

Besonders freuen sich die Herausgeber darüber, dass bereits renommierte Autoren ihre Mitarbeit zugesagt haben, darunter Geograf Fritz-Gerd Mittelstädt, der Archäologe für die Stadt- und Landkreis Osnabrück, Bodo Zehm, Ortskundler Werner Imbrock, Historiker Uwe Plaß, Auswanderer-Experte Wolfgang Dreuse und Bahnfachmann Peter Schatte. Und es gibt einen Mitstreiter, der in nächster Zeit buchstäblich in die Luft geht, um das Projekt mit der Kamera von höherer Warte aus zu begleiten: Fotograf und Sportflieger Thomas Strathmann greift ebenfalls mit ins Rad, um das Vorhaben zu einem Erfolg werden zu lassen.

„Mit diesem neuen Buchprojekt wird ein wichtiger Baustein für die Orts- und Regionalgeschichte erarbeitet“, stellt Archivdirektorin Birgit Kehne fest. Das Landesarchiv in Osnabrück steht allen Autoren gern bei den Archivrecherchen beratend zur Seite.

Die Herausgeber der neuen Publikation laden Interessierte ein, ihre Ideen in das Projekt einfließen zu lassen. Anregungen und Wünsche werden per E-Mail unter Chronik-Oldendorf@web.de entgegengenommen. Außerdem stehen Anna-Margaretha Stascheit und Jürgen Krämer für ein persönliches Gespräch zur Verfügung.


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