19.04.2017, 13:28 Uhr

Raus aus der Komfortzone Student aus Melle verbringt Semester in Jordanien

Pulsierendes Leben erlebte Dominik Ropers in Jordaniens Hauptstadt Amman. Fotos: Dominik RopersPulsierendes Leben erlebte Dominik Ropers in Jordaniens Hauptstadt Amman. Fotos: Dominik Ropers

Melle. Sechs Monate lang absolvierte der Meller Student Dominik Ropers ein Praxis-Semester in Jordanien – in einer in vielerlei Hinsicht ganz anderen Welt.

„Ich bin froh, dass ich es gemacht habe“, lautet sein Fazit eine Woche nach der Rückkehr.

„In der ersten Zeit hatte ich noch Bauchschmerzen, ob das eine gute Entscheidung war“, blickt er auf die Tage nach seiner Ankunft in der Hauptstadt Amman zurück. „Es war wie ein Sprung über den eigenen Tellerrand, den ich jetzt aber jedem nur empfehlen kann, obwohl das Leben dort wirklich außerhalb der vertrauten Komfortzone stattfindet.“ Für den 23-jährigen Studenten der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung war es eine wichtige Erfahrung zu sehen, dass es in der Welt mehr gibt als das Bekannte und Gewohnte.

Ganz andere Welt

Den Anstoß zu seiner Reise in ein touristisch weitgehend unerschlossenes, arabisches Land gab das Buch „Jordanien - der ganze Orient in einem Land“, das vom Meller Gymnasiallehrer Karsten Mosebach (Fotos) und dem SPD-Kreispolitiker Nazih Musharbash herausgebracht worden war.

Touristisch unerschlossen

Parallel wies ein Professor des Nachbar-Fachbereichs an Dominiks Hochschule OWL auf interessante Perspektiven eines Gast-Semesters an der „University of Jordan“ hin. Sowohl Nazih Musharbash als auch der Hochschullehrer hatten Verbindungen nach Amman und konnten damit den Weg zu diesem ungewöhnlichen Praxis-Semester ebnen. „Wenn schon Ausland – dann aber richtig“ - diese Maxime leitete den Studenten bei seiner Entscheidung.

Praxis-Semester sind ein fester Bestandteil des Studiums der Landwirtschaftsarchitektur an der Hochschule OWL. Befürwortet werden von der Uni vor allem Auslands-Semester. Dabei fällt das Königreich Jordanien allerdings schon aus dem üblichen Rahmen. „In einem Praxis-Semester geht es weniger um Seminare und Vorlesungen, sondern mehr um praktische Arbeit“, erklärt „Domi“ Ropers.

In Ropers Projekt ging es um die Umweltverträglichkeit des jordanischen Ölschieferabbaus. „Naturschutz und wirtschaftliche Interessen sind in Jordanien nur sehr schwierig unter einen Hut zu bringen“, nennt er die wesentliche Erkenntnis seiner Untersuchungen. Auch die Teilnahme an einem internationalen Wirtschaftsforum bestätigte diese Einschätzung.

„Letztlich stand für mich das Kennenlernen des Landes und seiner Kultur mehr im Vordergrund als mein studentisches Projekt“, berichtet der junge Mann aus Riemsloh-Krukum. Während seines sechsmonatigen Aufenthaltes bereiste er fast das ganze Land und machte noch zwei einwöchige „Ausflüge“ nach Israel und Ägypten.

Stille in der Wüste

Überrascht war Dominik Ropers von der unerwarteten landschaftlichen Vielfalt in Jordanien, die von Wäldern und blühenden Wiesen im Norden bis zu Mars-Landschaften mit rotem Sand im Süden reicht. „Die Wüstenlandschaften sind leer und komplett still – die vollkommene Stille war für mich eine neue Erfahrung, die man in Deutschland nirgendwo mehr machen kann“, betont er. Weitere Erlebnisse waren für ihn das „Beach-Feeling am Roten Meer in Akaba und die dortigen Korallen“ sowie die einzigartige Landschaft mit beeindruckenden Canyons am Toten Meer. „Durch die großenteils schlechten Straßen hatte fast jede Busreise durch das Land Abenteuercharakter“, merkt er an.

Tolerante Sunniten

„Die arabische Mentalität ist ein absoluter Kontrast zu Deutschland“, so Ropers. „Es wird viel geredet, Stress scheint unbekannt zu sein, und Familie ist das höchste Gut“. Immer wieder und überall ist ihm die arabische Gastfreundschaft, Hilfsbereitschaft, Kontaktfreudigkeit und Höflichkeit begegnet. Dominik Ropers hat die meist sunnitischen Jordanier als ausgesprochen tolerant gegenüber allen Religionen erlebt, einschließlich des Judentums. Unverständnis gäbe es nur, wenn jemand an gar keinen Gott glaubt. Dominik Ropers: „Bei dem ganzen Chaos in den Nachbarländern drumherum kommt mir Jordanien wie eine Insel vor, auf der man gefahrlos arabische Kultur und arabischen Lebensstil kennenlernen kann“.


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