21.03.2017, 10:27 Uhr

Lieferzeiten verkürzen Meller Firma baut Produktion in China auf


Wellingholzhausen. Die Firma Teledoor aus Wellingholzhausen ist auf Expansionskurs. Das Unternehmen baut derzeit eine Produktion in China auf. Im Spätsommer soll die erste Klimakammer am Standort Taicang, am nördlichen Stadtrand von Shanghai, gebaut werden. Der chinesische Markt ist für die Wellinger nicht neu. Seit 2002 haben sie dort eine Repräsentanz.

Mit der 600 Quadratmeter großen Produktionshalle fangen die Wellinger erst einmal klein an. Wachsen könne man ja immer noch, meint Firmenchef Veit Bowenkamp. Acht Mitarbeiter gilt es nun, zu finden. Ihr Mann vor Ort ist der Chinese Guoan Chen, ein BWLer, der an der Universität von Shanghai studiert hat. Vor 15 Jahren hat er mal eine Delegation von deutschen Kältetechnikunternehmern durch Shanghai und Taicang geführt. Auch Eckhard Bowenkamp, der Senior, war damals dabei und hat sich, wie er heute erzählt, den Chen gleich geschnappt. Nun muss der Leiter des chinesischen Büros geeignete Mitarbeiter suchen, hauptsächlich Handwerker.

Vom Schneesturm bis zum Orkan

Über die Jahre hat Teledoor gute Kontakt zur chinesischen Automobilindustrie aufgebaut. An sie und an Forschungseinrichtungen von Universitäten haben sie Klimawindkanäle verkauft. Teledoor entwirft diese Kanäle nach Kundenwünschen und baut dann das Gehäuse. Die Klimatechnik kommt von einer anderen Firma. In den Windkanälen werden Autos unter extremen Wetterbedingungen getestet: Schneesturm, Wüstenhitze oder Orkan. Die Temperaturen reichen von Minus 40 Grad bis Plus 60 Grad.

Mühsamer Weg

Den ersten großen Auftrag für einen solchen Klimawindkanal bekamen die Wellinger im Jahr 2007 von der Tongji-Universität in Shanghai. „Das war ein mühsamer Weg“, erinnert sich Eckhard Bowenkamp. Zu dem Zeitpunkt war das Unternehmen bereits seit fünf Jahren mit einem Büro in Shanghai präsent. Doch die Mühen hatten sich gelohnt. Die Vorzüge dieser Windkanäle für die Prüfer hatten sich herumgesprochen und weitere Kunden aus der Automobilindustrie orderten bei Teledoor einen Klimawindkanal.

Lieferzeiten verkürzen

Bislang wurden die Teile für diese Anlagen alle in Wellingholzhausen gefertigt, in große Seecontainer gepackt, nach Hamburg transportiert und dann nach China verschifft. „Wenn wir künftig vor Ort produzieren, verkürzen wir unsere Lieferzeiten enorm“, begründet Veit Bowenkamp die Entscheidung. Die Transportkosten seien eher zu vernachlässigen. „Es ist teurer, einen Container von Welling nach Hamburg zu bringen, als von Hamburg nach Shanghai“, sagt der Unternehmer. Auch die Lohnkosten in China seien nicht viel geringer als die in Deutschland. Mit dem Aufbau der Produktion wolle das Unternehmen weiter wachsen.

Know-how-Transfer

Die Zeichnungen für neue Anlagen würden nach wie vor in Welling von Ingenieuren und technischen Zeichnern angefertigt, erklärt Veit Bowenkamp. Den Bau selbst würden dann die chinesischen Mitarbeiter übernehmen. Er macht sich schon Gedanken über den Know-how-Transfer. Er möchte Mitarbeiter für einige Woche nach China schicken und umgekehrt auch chinesische Mitarbeiter nach Welling holen, damit sie lernen, wie die Anlagen gebaut und montiert werden.

Nicht massentauglich

Angst vor Industriespionage hat Bowenkamp übrigens nicht. „Unser Produkt ist für die Chinesen nicht interessant, weil wir nicht in Masse produzieren“, sagt der Unternehmer. Jedes Produkt, egal ob es sich dabei um eine Kühlkammer, einen Klimawindkanal oder eine Kältesauna handelt, wird auf Kundenwunsch nach Maß gefertigt. „Die Chinesen interessieren sich nur für Produkte, die massentauglich sind, womit man eine möglichst große Zielgruppe erreichen kann“, weiß Bowenkamp aus seinen Erfahrungen.

Eine Stadt so groß wie Österreich

Das Denken in Massen oder in Größendimensionen, die einem Europäer völlig fremd sind, ist sicherlich auch der Größe des Landes geschuldet. Drei Flugstunden von Taicang entfernt liegt Chongqing, die größte Stadt der Welt. „Von der Fläche her ist die Stadt so groß wie Österreich“, erzählt Bowenkamp, der im Februar noch dort war. Die Stadt zählt über 30 Millionen Einwohner. Dagegen ist Taicang, wo Teledoor seine Produktion aufbaut, mit 900000 Einwohnern geradezu winzig. „Alles unter fünf Millionen Einwohnern ist in China ja ein Dorf“, scherzt Bowenkamp.


Die Stadt Taicang, wo Teledoor in einem Industriegebiet eine Produktionshalle angemietet hat, liegt nördlich von Shanghai. Sie ist unter deutschen Mittelständlern bekannt. Über 300 deutsche Firmen haben sich in der Stadt angesiedelt. Einmal im Monat treffen sich die Unternehmer zu einem Round Table, um Erfahrungen auszutauschen und neue Entwicklungen in der Wirtschaft zu diskutieren.

0 Kommentare