02.12.2016, 12:11 Uhr

Bernd Obernüfemann schafft Lichtprojekt Kirschbaum leuchtet in Meller Wohndiele


Melle. Unter einem Kirschbaum zu sitzen, wenn er blüht, ist ein Erlebnis, sicher. Aber unter einem beleuchteten Kirschbaum in einem Haus zu sitzen, und das mitten im Winter, sprengt alle Rahmen.

Wie das geht? Dazu hatte das Ehepaar Gitti und Martin Knettermeier aus Eicken eine sehr besondere Idee. Sie mussten in ihrem Garten einen alten Kirschbaum fällen, weil dieser schon große Äste verlor.

Fast zeitgleich lernten sie vor zwei Jahren den Holzbildhauer Bernd Obernüfemann bei einer seiner Ausstellungen mit Lichtobjekten aus Holz im Fachwerk 1775 in Wellingholzhausen kennen. In einem Gespräch kam die Idee, eben ein solches Lichtobjekt aus dem Kirschbaum fertigen zu lassen. Gesagt, getan?

Wie die alten Ägypter

Nein, so einfach war das nicht. Zunächst musste die Kirsche gefällt werden, und das möglichst nah an den Wurzeln, um den Stamm in seinem nach unten ausladenden Wuchs ausnutzen zu können. Dann wurde er in transportfähige Teile zerlegt, auch die noch intakten großen Äste. „Wie die alten Ägypter haben wir die schweren Teile auf Brettern und Holzrollen transportiert“, erzählt Gitti Knettermeier. Bernd Obernüfemann, der vorher eine Projektzeichnung für den Baum im Raum hergestellt hatte, machte sich in seinem Atelier in Welling an die Arbeit.

Seine Ansprüche an seine Arbeit sind hoch. „Der Baum sollte seinen Charakter behalten“, sagt er. Wuchsrichtung und Maserung beachtend machte er sich mittels Sägen ans Werk und begann, Stamm und Äste zu bearbeiten. Schon vorhandene Höhlungen und Astlöcher arbeitete er in dekorative Ausschnitte ein. Spiralen sind für Obernüfemann ein Symbol, das ihn fasziniert. „Die Spirale kennzeichnet sowohl den Lebens- als auch den Sterbeweg“, sagt er. Mit speziellen Werkzeugen bearbeitete er fast zwei Jahre die alte Kirsche, um ihr ein neues Aussehen zu verleihen, ohne ihren Ursprungswuchs außer Acht zu lassen.

Und Ende September war es dann soweit. Mit vereinten Kräften und einem Plan, an welcher Stelle der Baum seinen neuen Platz finden sollte, baute Bernd Obernüfemann mit dem Ehepaar Knettermeier die Kirsche in der großzügigen Wohndiele des alten Bauernhauses in Eicken wieder zusammen. Die großen Äste mussten mit dünnen Stahlseilen an der Decke der fast vier Meter hohen Diele verankert werden, damit sie am Stamm ihren Halt nicht verlieren.

Und nun steht er also ein paar Meter von seinem ursprünglichen Wuchsort entfernt im Wohnraum der Knettermeiers und strahlt in einem ganz besonderen Licht. Denn der Künstler verlegte im Stamm und den bearbeiteten Ästen, die glatt poliert ihre wahre Schönheit zeigten, LED-Leuchten, die den großen Raum in eine wunderschöne und geheimnisvolle Atmosphäre tauchen.


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