30.11.2016, 13:35 Uhr

Sogar Waldschnepfen dabei Vogeltod auch an Meller Wohnzimmerfenstern

Diese tote Waldschnepfe verunglückte an einer Balkonscheibe am Stadtrand von Melle. Foto: Bernd Pieper.Diese tote Waldschnepfe verunglückte an einer Balkonscheibe am Stadtrand von Melle. Foto: Bernd Pieper.

Melle. Glasfassaden und große Fensterscheiben, in denen sich die Natur spiegelt, können zu Todesfallen für Vögel werden. In Melle verunglücken leider auch seltene Arten. Darauf wies am Mittwoch die Meller Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) hin. Nach ihren vorsichtigen Schätzungen auf der Basis von Untersuchungsergebnissen sterben im Stadtgebiet über 3000 Vögel pro Jahr an Glasscheiben.

Die Stiftung erreichen immer wieder Anrufe von besorgten Bürgern, die von benommenen oder gar toten Vögeln auf ihrer Terrasse berichten. „Talgabdrücke und keine Federn an der Fensterscheibe verraten uns häufig die Todesursache der verunglückten Tiere“ berichteten Falko Drews und Walter Krümpelmann von der SON und fügten hinzu: „Das Artenspektrum reicht von Allerweltsarten wie der Amsel bis zum seltenen Eisvogel.“ Das Problem: Für die Vögel sind Glasscheiben an Gebäuden und Buswartehäuschen nicht erkennbar. Häufig spiegeln sich in ihnen die Lebensraumelemente des Vogels wider, der dadurch bestärkt wird, beispielsweise vermeintliche Sträucher anzufliegen. Bei diesem Anflug prallt das Tier mit voller Wucht gegen die Scheibe und verunglückt. „Meist endet ein solcher Vorfall tödlich, selbst dann, wenn der Vogel den eigentlichen Anprall überlebt hat, denn er stirbt ein bis zwei Stunden später an inneren Verletzungen“, weiß Volker Tiemeyer vom Vorstand der SON. Nach Angaben der Stiftung wird der Aderlass, den die Vogelwelt durch diese Todesursache erleidet, unterschätzt. Auswertungen von Ringfunden haben nämlich gezeigt, dass Scheibenanflüge rund 30 Prozent der Todesursachen ausmachen. Bis in die 1970er Jahre lag die Zahl der Scheibenanflüge noch unter 5 Prozent.

Nur 15 Paare brüten

Völlig unbekannt war der SON bisher, dass auch die Waldschnepfe zu den regelmäßigen Vogelschlagopfern der Meller City gehört. Ist sie doch ein ausgesprochener Vogel der weitläufigen Waldungen und in Melle als Brutvogel mit nur rund 15 Paare sehr selten. „Innerhalb kurzer Zeit wurden der SON vier Scheibenanflüge dieser Art gemeldete, der letzte vor einer Woche“, so Tiemeyer. Zwar handele es sich jetzt um nordische Waldschnepfen, die aktuell durch Deutschland zögen, das schmälere jedoch nicht die Besorgnis, zumal nur ein Bruchteil der tatsächlichen Todesfälle bekannt würden.

Hindernis markieren

Was also kann gegen das Vogelsterben am Wohnzimmerfenster unternommen werden? „Keine leichte Aufgabe“, dämpfte Drews mit Bedauern hochgesteckte Erwartungen. Zunächst einmal müsse festgestellt werden,. ob und wo am Haus Scheibenanflüge gehäuft auftreten. Dort sollten dann die Scheiben als Hindernis für Vögel kenntlich gemacht werden. Die SON empfiehlt, Gardinen, helle Jalousien, Mückenschutznetze oder Gitter anzubringen. Hilfreich sei es zudem, ein bis zwei Zentimeter breite Klebestreifen in zehn Zentimeter Abstand von außen auf die Glasfläche anzubringen „All diese Maßnahmen vermindern die Durchsicht und reduzieren die Spiegelungen“, erklärte Drews. Häufig auf den Scheiben zu sehende Silhouetten von Greifvögeln wirkten dagegen nicht. Laut Krümpelmann hob zwei weitere Aspekt hervor: Von außen angebrachte Markierungen seien wirkungsvoller und das Abrücken großer Zimmerpflanzen von der Fensterfront reduziere die Anzahl der Vogelopfer.

Spezielle Scheiben

Zudem ist die SON der Meinung, dass der Arten- und Tierschutz bereits bei einer vogelfreundlichen Neuplanung von Gebäuden ansetzen sollte. Freistehende Verglasungen wie Windschutzscheiben an Terrassen und Balkonen, Übergänge zwischen Gebäuden und spiegelnde Fassaden sind problematisch. Hier können etwa Scheiben verwendet werden, die vom Hersteller vogelschutzfreundlich ausgerüstet wurden und von Vögeln als Hindernis wahrgenommen werden: Milchglas, sandgestrahltes Glas oder geriffeltes Glas.


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