09.11.2016, 15:55 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Verfahren vor dem Amtsgericht Bielefelderin klagt wegen Blutung bei Meller Tätowierer

Eine Bielefelderin klagt gegen einen Tätowierer aus Melle wegen Körperverletzung. Symbolbild: colourbox.comEine Bielefelderin klagt gegen einen Tätowierer aus Melle wegen Körperverletzung. Symbolbild: colourbox.com

Osnabrück. Darf es beim Tätowieren bluten? Welchen künstlerischen Anspruch muss ein Tattoo erfüllen? Eine Bielefelderin klagt gegen einen Tätowierer aus Melle wegen Körperverletzung. Der wehrt sich. Die Anwälte trafen sich jetzt vor Gericht.

Die Bielefelderin hatte sich im vergangenen Jahr in einem der Tattoo-Studios in Melle einen Kolibri mit drei Blüten stechen lassen. Nach verschiedenen Sitzungen hatte die Frau abgebrochen, da es beim Tätowieren immer wieder zu Blutungen gekommen war.

Die Bielefelderin war auch mit der Ausführung der Tätowierung nicht einverstanden, da es ihrer Ansicht nach zumindest in Teilen nicht der Vorlage entsprach. Sie ließ das Tattoo bei einem Tätowierer aus Detmold komplett überarbeiten und erweitern. Kostenpunkt: 750 Euro. Ihre Anwältin forderte von dem Beklagten nun die 750 Euro für das neue Tattoo, 220 Euro für das bereits bezahlte Tattoo und zusätzlich 1000 Euro Schmerzensgeld.

Medikamente genommen?

Der Meller Tätowierer seinerseits sieht seine Leistung erbracht. Die Tätowierung sei fachgerecht ausgeführt worden. Sein Anwalt machte deutlich, dass sich sein Mandant aufgrund der Klage in seiner künstlerischen Ehre verletzt sehe. Für die Blutungen seien Medikamente verantwortlich, die die Klägerin angeblich nehme.

Sowohl die Klägerin als auch der Beklagte erschienen zum Verfahren am Mittwoch nicht vor dem Amtsgericht Osnabrück, sondern ließen sich von ihren Anwälten vertreten.

Das Gericht hatte als Zeugen den Tätowierer aus Detmold geladen, der das Motiv überstochen hatte. Gefragt nach seinem Eindruck von der ursprünglichen Tätowierung sagte der 52-Jährige: „Nicht gut.“ Die Ausarbeitung sei nicht ausreichend gewesen. „Die Anatomie des Kolibris stimmte hinten und vorne nicht.“ Seiner Erinnerung nach war die Tätowierung auch zu tief gestochen, wodurch es aufgrund der Narbenbildung zu einem „leichten Drei-D-Effekt“ gekommen sei. Ganz sicher war er sich an dem Punkt aber nicht.

Arbeiten nicht vergleichen

Zwar waren sich alle Parteien beim Vergleich von Fotos einig, dass das überarbeitete Tattoo ungleich besser aussieht als die ursprüngliche Version. Dennoch wollte der Richter den künstlerischen Wert der beiden Arbeiten nicht vergleichen. Er stellte fest, dass die neue Tätowierung auch ungleich teurer war. Es sei eben ein Unterschied, ob man zu einem „Dorfmaler“ gehe oder zu „Neo Rauch“ (berühmter deutschen Maler, die Red.). Entsprechend unterschiedlich sei das künstlerische Ergebnis.

Schwerer wiegt zulasten des Beklagten, dass es während der Tätowierung zu Blutungen kam. Das passiere, wenn man zu tief steche, sagte der Detmolder Tätowierer. Normalerweise trete beim Tätowieren nur eine Mischung aus Wundwasser und roten Blutkörperchen aus.

Parteien zum Vergleich geraten

Um abschließend zu klären, warum die Klägerin während der Sitzungen bei dem Tätowierer aus Melle geblutet habe, müsse ein Gutachter beauftragt werden, sagte der Richter. Da das Gutachten den Streitwert übersteige, riet er den Parteien zu einem Vergleich. „Ich sehe Anhaltspunkte, dass es mit dem Tattoo nicht gut gelaufen ist“, sagte er zu dem Anwalt des Beklagten.

Allerdings machte er klar, dass die Klägerin keinen Anspruch auf Erstattung der Kosten des alten und des neuen Tattoos habe. „Das würde bedeuten, dass sie die Tätowierung umsonst bekommt.“ Auf die Kosten für das ursprüngliche Tattoo müsse sie verzichten. Da das neue Tattoo nicht nur das alte abdeckt, sondern darüber hinausgeht, seien Abzüge zu machen, ebenso beim geforderten Schmerzensgeld.

Der Richter schlug vor, dass der Beklagte der Klägerin 1000 Euro bezahle, womit alle Ansprüche abgegolten seien. Die Gerichtskosten müssten sich die Parteien teilen. Klägerin und Beklagter haben jetzt bis zum 23. November Zeit, sich zu entscheiden.


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