28.10.2016, 10:09 Uhr

Klein-Abnehmer holen wertvollen Dünger Meller Gärtner lieben Pferdeäpfel vom Reiterhof


Neuenkirchen. Der Spruch „aus Sch... Geld machen“ trifft auf den Reiterhof Hagemann-Krystosek nicht wirklich zu. Der Pensionspferdebetrieb nimmt zwar etwas Geld für den abgegebenen Pferdemist, der Preis von 75 Cent für ein Kilo liegt aber im Bereich einer Aufwandsentschädigung oder eines Beitrages zur Kaffeekasse.

„Da unsere Pferde größtenteils auf der Weide und auf dem Sand-Auslauf des Aktivstalles gehalten werden, hat unser Pferdemist fast keinen Strohanteil“, spricht Uwe Krystosek von „reinen Äpfeln“. Auch das Futter trage zur Reinheit bei. Die Pferde auf dem Neuenkirchener Hof bekommen nämlich keine ganzen Haferkörner, die zuweilen mit Pferdemist gedüngte Beete in Getreidefelder verwandeln. Auf dem Speiseplan des Hofes Hagemann-Krystosek stehen Pferde-Müsli, Flocken, Gras, Heu und gequetschte Haferkörner, die nicht mehr keimfähig sind.

Hochmodernes Lager

Den „wertvollen Dünger“, der wesentlich preiswerter abgegeben wird als handelsübliche Ware mit ähnlichem Düngewert, sammelt Uwe Krystosek zweimal täglich mit Schubkarre und Forke ein. Das gilt ebenso für die Hinterlassenschaften auf den Wegen des Reiterhofes. Bei Ausritten verlorene Pferdeäpfel würden sich oft „von selbst entsorgen, weil so manche Gärtner den Dung von der Straße kratzen und ihn mit in ihren Garten nehmen“.

Den auf dem Hof anfallenden Pferdemist sammelt der Hofherr in einem neuen Spezial-Container mit einem automatisch verschließbaren Dach. „Wir müssen den Dung trocken lagern, damit keine Sickersäfte in den Boden und das Grundwasser gelangen können“, geht er auf die beträchtliche Investition und entsprechende gesetzliche Vorschriften ein. Das hochmoderne Kurzzeit-Trockenlager ist so konstruiert, dass auch kleine Mengen für Hobby-Gärtner ohne großen Aufwand jederzeit entnommen werden können.

Reine Komposterde

„Pferdemist ist bei Klein-Gärtnern ein ganz besonders begehrter Dünger“, erklärt Uwe Krystosek. „Denn der Dung kann frisch, getrocknet oder kompostiert eingesetzt werden“, ergänzt Gerd Andritschke. Der Hobby-Gärtner holt sich einen Eimer voller Pferdeäpfel für sein Gewächshaus. Die hohe Verrottungstemperatur fördere schon im Herbst die Entwicklung von Regenwürmern, die den Mist in sechs bis neun Monaten in reine Komposterde umwandeln können. Im Frühjahr will er sich nochmals frischen Pferdemist holen, als „direkte Fußbodenheizung für meine Tomaten- und Gurkenpflanzen.“ Vor allem im Frühbeet lasse die erhöhte Bodentemperatur früh gesätes Gemüse schneller keimen und anwachsen.

Zehn Abnehmer

Andritschke gehört zu den monatlich rund zehn Abnehmern des Pferdemistes, die den wertvollen Dung in Plastiktüten, mit dem Eimer, der Maurer-Wanne oder kleinen Anhängern abholen. „Da das Pferd kein Wiederkäuer ist, sind in seinem Kot mehr unverdaute Pflanzenfasern zu finden als beispielsweise in Rinderkot“, erläutert der Hobby-Gärtner weiter. „Der hohe Zellulose-Anteil verbessert die Struktur im Boden, weil er dort erst allmählich verrottet und als Langzeitdünger wirkt.“


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