24.08.2016, 09:20 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Übergang und Strecke wieder frei Zehn Verletzte bei Zugunglück an Bahnübergang in Melle


Melle. Am Bahnübergang Melle-Westerhausen ist es am Mittwochmorgen um 8.30 Uhr zu einem Zusammenstoß zwischen einem Gelenkbus und einem Güterzug gekommen. Zehn Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer.

Der Gelenkbus eines Unternehmens aus Spenge war im Auftrag der Westfalen-Bahn als Schienenersatzverkehr in Richtung Gesmold unterwegs. Um Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen, hielt der Fahrer den Bus in Höhe des Bahnübergangs an.

Das Heck stand dabei auf den Schienen. Nach Polizeiangaben machte eine Frau den Busfahrer noch auf den aus Richtung Osnabrück herannahenden Güterzug aufmerksam. Daraufhin versuchte der Fahrer, den Bus wegzufahren. Da sich aber aus noch unbekanntem Grund die Türen nicht schließen ließen, konnte der Bus nicht anfahren.

Die Lok des Güterzugs erfasste daraufhin das Heck des Busses und schleuderte es in die Signalanlagen des Übergangs. Die beschädigte Lok kam rund 500 Meter hinter dem Bahnübergang zum Stehen. „Wir hörten nur einen lauten Knall, dann war es zunächst still“, berichtete eine Mitarbeiterin eines nahen Friseur-Salons.

„Niemand eingeklemmt“

Als die Polizei und erste Rettungskräfte eintrafen, stiegen die insgesamt 14 Insassen gerade aus. „Es war niemand eingeklemmt“, berichtete Feuerwehrsprecher Martin Dove.

Weiterlesen: Bericht eines Businsassen in Melle: „Plötzlich hörte ich nur noch raus, raus, raus“

Zwei Notärzte, die Besatzungen zweier Rettungshubschrauber und mehrerer Rettungswagen versorgten die Verletzten, darunter den Busfahrer und den Lokführer. Der Lokführer erlitt einen Schock.

Ein Schwerverletzter wurde in das Krankenhaus nach Ibbenbüren geflogen, der zweite mit dem Rettungswagen nach Osnabrück gebracht. Die Leichtverletzten wurden vor Ort und im Klinikum Melle versorgt. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf etwa 50000 Euro.

Großeinsatz

Die Feuerwehren aus Oldendorf, Gesmold, Niederholsten und Melle-Mitte waren mit 60 Einsatzkräften vor Ort. Außerdem richteten der Organisatorische Leiter Rettungsdienst und der DRK-Kreisverband Melle kurzfristig eine Einsatzleitstelle an dem Übergang ein. Der Bahnübergang ist mit Halbschranken und Lichtzeichenanlage ausgestattet.

„Wir hoffen, dass die Verletzten rasch wieder auf die Beine kommen und keine bleibenden Schäden davontragen werden“, sagte Melles Stadtsprecher Jürgen Krämer am Unglücksort im Gespräch mit unserer Redaktion. Er dankte im Namen der Stadt allen Notärzten, Rettungsassistenten und Feuerwehrleuten für ihren „raschen und professionellen Einsatz“.

Blut abgewischt

Ramona Grau ist eine der Mitarbeiterinnen von „Sandra´s Haar-Studio“, das sich 150 Meter vor dem Bahnübergang befindet. „Wir sind nach dem Knall rausgelaufen und meine Chefin bat mich, nachzusehen, was passiert ist“, berichtete die Friseurin. Sie war mittags umringt von Fernseh-und Rundfunkteams, die rund um die Unfallstelle Originaltöne einfingen. Am Bus sei ihr als erstes ein Mann entgegengekommen, der stark aus dem Mund geblutet habe. „Es war schrecklich“, berichtete die junge Frau.

Sie und ihre Kolleginnen seien dann sofort zurück in den Salon gelaufen und hätten Handtücher und Wasser geholt, um Blut abzuwischen und Verletzungen zu kühlen. Wenig später trafen die ersten Rettungskräfte ein und kümmerten sich um die Verletzten.

Am Nachmittag wurde zunächst der Bahnübergang für den Autoverkehr wieder frei gegeben. Ab 17 Uhr war auch die zweigleisige Bahnstrecke wieder in beide Richtungen befahrbar.


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