10.04.2016, 14:10 Uhr

BUND verleiht Preise „Eulen“ für Else-Retter vom Angelverein Bruchmühlen


Bruchmühlen/Enger/Osnabrück . Vier „Eulen“ hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz als Auszeichnung für schnelle Hilfe nach der Gülle-Katastrophe vergeben. Der Landkreis Osnabrück erhielt die „Rostige Heckenschere“.

Es war eine beeindruckende Preisverleihung, zu der die Kreisgruppe Herford im BUND-Landesverband NRW am Wochenende im Rahmen der Jahreshauptversammlung eingeladen hatte. Weil so viele Freiwillige an den Hilfsaktionen beteiligt waren, vergab der BUND in diesem Jahr mehrere „Eulen“: Drei gingen an die Angelvereine Bruchmühlen, Ahle und Bünde. Einen weiteren Preis erhielt Tobias Meyer, der in seinem Unternehmen alles stehen und liegen ließ, um die Else zu retten. Mit dem THW baute er in kurzer Zeit Sandsackbarrieren und stoppte so die Gülleflut.

25 Kilometer Flusslauf tot

In der im Jahre 1756 vom preußischen König Friedrich dem Großen erbauten Liesbergmühle in Enger hielt Pressesprecher Karsten Otto die Laudatio auf die Preisträger: „Im Mai des vergangenen Jahres waren 25 Kilometer Bach- und Flusslauf tot.“ Der Grund: Aus einer Biogasanlage in Melle-Redecke waren mehr als hundert Tonnen eines Gülle-Silage-Gemischs in den Violenbach gelaufen und von dort in die Else und damit über die Grenze nach Nordrhein-Westfalen.

Größte Umweltkatastrophe

Karsten Otto erinnerte an die „größte Umweltkatastrophe in den vergangenen 20 Jahren“. Der überwiegende Teil der Wasserlebewesen sowie die seltenen Tiere Steinbeißer, Fischotter und Biber hätten das nicht überlebt. Große Anerkennung zollte der Sprecher allen Beteiligten, Ehrenamtlichen, Gewässerschützern und den Tageszeitungen, die mit guter investigativer Arbeit für eine schnelle Veröffentlichung gesorgt hätten.

Freude über Preis bei Bruchmühlener Anglern

„Der Angelverein Bruchmühlen gab sofort Alarm, und innerhalb von eineinhalb Stunden waren alle bis nach Bad Oeynhausen informiert. Die Kette funktionierte perfekt“, berichtete der Pressesprecher. „Über den Preis und die Anerkennung freuen wir uns besonders“, meinten Dieter Tegelhütter und Gewässerwart Tobias Behrendt.

Mangelhafte Schadensbegrenzung

Anschließend vergab Bernd Meier-Lammering die „Rostige Heckenschere“ an den Dezernenten Winfried Wilkens als Vertreter des Landkreises Osnabrück mit den Worten: „Ich habe es in den vergangenen 14 Jahren nur dreimal erlebt, dass die Schere persönlich angenommen wurde.“

Der Landkreis erhält den Anti-Preis für mangelhafte Schadensbegrenzung und Kooperation mit den zuständigen Behörden im Kreis Herford. Die Gülleflut hätte im Violenbach eingefangen werden können, bevor sie in die Else geflossen sei. „Ich will nichts schönreden. Wir haben die Lage objektiv falsch eingeschätzt“, stellte Winfried Wilkens klar, während er den Ablauf des Unglückstages vom Eingang der polizeilichen Meldung bis zur Erkundung vor Ort schilderte.

Lehren aus dem Vorfall gezogen

Der Sachbearbeiter sei den Violenbach 2,6 Kilometer unterhalb der Biogasanlage abgegangen, habe jedoch das Ausmaß der Verunreinigung nicht erkannt. „Er hat nicht geschlampt, sah jedoch keine Veranlassung, in Richtung Grenze zu denken“, betonte Wilkens. Der Landkreis zog mehrere Lehren aus dem Vorfall: Die Kontrollen bei Biogasanlagen werden intensiviert, neue Analysegeräte eingesetzt und ein Projekt zur Identifikation von Einsatz- und Sperrstellen gestartet. Das Wichtigste sei jedoch, die Sensibilität deutlich zu schärfen, erklärte der Dezernent.

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