09.03.2014, 14:21 Uhr

Kilverbach wird renaturiert Hochwasser- und Naturschutz in Melle vereint


Bruchmühlen. „Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe“, freut sich Udo Fronzek vom Unterhaltungsverband Nr. 29 „Else“ (UHV) über die neu geschaffenen Auen am Kilverbach. Denn neben der ökologischen Aufwertung dient die Renaturierung zugleich dem Hochwasserschutz.

Am 8,5 Kilometer langen Kilverbach , der auf einer Länge von 6,4 Kilometern die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bildet, hat sich eine gut funktionierende, grenzüberschreitende Zusammenarbeit entwickelt. Das bestätigt auch Peter Nippes-Hansen von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Herford. Fast der gesamte Lauf des Kilverbaches sei bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen, viele angrenzende Flächen sind Eigentum des Kreises Herford. Im Frühsommer wollen die „Ostwestfalen“ auf der anderen Seite des Baches eine ähnliche Maßnahme wie die niedersächsischen Kollegen in Angriff nehmen.

Der UHV hat auf der niedersächsischen Seite eine 6.600 Quadratmeter große Fläche erworben. Dort wurden mit Baggern und schweren Geräten tief liegende Sekundär-Auen angelegt, in die sich der Kilverbach bei extremen Niederschlagsmengen ausdehnen kann. Mit der ausgebaggerten Erde wurde das umgebende Gelände erhöht. Die außerdem entstandene Verwallung soll die Wohngebäude am Schwarzen Weg zusätzlich vor Hochwasser schützen.

„Allein unsere neuen Auen auf niedersächsischer Seite können 3.200 Kubikmeter Wasser aufnehmen“, hat Fronzek ausgerechnet. Aber der vorsichtige Praktiker hat Respekt vor den nicht vorhersehbaren Launen der Natur und lässt sich nicht festnageln: „Dass damit für alle Zeiten die Hochwassergefahr für die Anwohner gebannt ist, kann niemand garantieren, aber wir tun unser Bestes.“

„In den gelegentlich überschwemmten Auen werden aber auf jeden Fall neue wertvolle Lebensräume für Pflanzen und Tiere entstehen“, geht Jürgen Herpin, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Osnabrück, auf die ökologische Aufwertung ein. In einigen künstlich geschaffenen Mulden, so genannten Blänken, hat sich bereits Wasser gesammelt..

„Das Aufweiten des Bachlaufes reduziert die Fließgeschwindigkeit, so dass sich Pflanzen und Lebewesen wieder besser ansiedeln können“, ergänzt Peter Schrut von der Wasserbehörde des Landkreises Osnabrück. „Einen weiteren Beitrag zu größerer ökologischer Vielfalt sollen die Kiesinseln leisten, die wir noch im Bach anlegen wollen“, stellt Jürgen Herpin weitere Pläne vor. Er betont aber, dass die Auen auf Dauer ohne künstliche Eingriffe sich selbst und der Natur überlassen bleiben.

Für das Projekt werden in Niedersachsen 60.000 Euro veranschlagt, die zunächst vom UHV bezahlt werden. Die 44.000 Euro in NRW werden zu 80 Prozent von der EU gefördert, der Kreis Herford übernimmt die restlichen 20 Prozent.


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