18.04.2017, 10:01 Uhr

Semi-Scale-Treffen am 6. und 7. Mai Mettinger Modellflieger helfen Neulingen in die Lüfte


Westerkappeln/Mettingen. Wäre das Scheunentor nicht in die Flugbahn geraten – längst hätte mein Mann sich eines neuen Hobbys erfreut. Nun aber sind Doppeldecker und Ego lädiert – und die Fernsteuerung liegt im Regal. Ob uns der Modellflugclub Mettingen weiterhelfen kann?

Gleich beim Jungfernflug hat mein Mann seinem – mit dem blauäugigen Enthusiasmus des überzeugten Autodidakten erworbenen – Doppeldecker die Flügel gestutzt. Während der, seit dem unverhofften Absturz noch immer etwas waidwunde Bruchpilot zuhause Trübsal bläst, treffe ich mich mit Thomas Pollich, dem Vorsitzenden des Modellflugclubs Mettingen (MFC). Der renommierte, 1963 gegründete Verein hat mit Robert Otte einen mehrfachen Deutschen Meister und Europa Star Cup Sieger in seinen Reihen. Außerdem richtet der MFC auf seinem idyllisch gelegenen Flugplatz im Mettinger Bruch alljährlich ein bundesweit beachtetes Semi-Scale-Treffen aus. Diesmal haben sich rund 70 Piloten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden angemeldet, um am 6. und 7. Mai ihre oft liebevoll bis ins kleinste Detail den Originalen nachempfundenen, historischen Modelle in die Luft zu bringen.

Eine freundliche Truppe

Kein Wunder, dass sich bei so viel technischem Know How, sportlichem Engagement und windgepeitschter Erfahrung auch Anfänger beim MFC gut aufgehoben fühlen. „Wir sind eine freundliche Truppe“, versichert Thomas Pollich und deutet auf eine Hand voll Kollegen hin, die neben dem Flugfeld emsig an ihren Maschinen werkeln und dabei offenbar in eine angeregte Fachsimpelei versunken sind. „Wir treffen uns regelmäßig auf dem Platz, tauschen uns aus und geben unser Wissen gerne weiter.“ Wer sich als Neuling für die Modellfliegerei interessiere, dem rät der 58-Jährige zu einem Schnuppertraining. „Modellfliegen ist nicht schwierig“, sagt Pollich, „aber auch nicht ganz so unproblematisch, wie es die Werbung oft verspricht.“ Seufzende Zustimmung bricht sich aus meinem Inneren Bahn – und ich nicke dem Vorsitzenden wissend zu. Ein Anruf genüge, um einen Termin für einen Schnupperflug mit der Schulungsmaschine und einem der Vereinstrainer zu vereinbaren. So, so – eine Information, die ich meinem Mann sicher nicht vorenthalten werde.

Der Nervenkitzel reizt

Ihn reize vor allem der Nervenkitzel, den Flieger auch bei unterschiedlichen Windverhältnissen und Flugmanövern zu beherrschen, erzählt der Lehrer für Sonderpädagogik und hebt seine selbstgebaute Piper Arrow behutsam aus dem Kofferraum. „Auch das Antizipatorische ist für mich immer wieder eine Herausforderung – genau vorauszusehen, wie sich das Modell verhält, wenn ich beispielsweise mit dem Gas heruntergehe.“ Er betankt die Piper und kontrolliert, ob Seiten-, Höhen- und Querruder und die Landeklappen funktionieren. Vieles sei eine Sache der Erfahrung, sagt Pollich. Und beim Reparieren des Flugzeugs nach einer allzu ruppigen Landung, gibt er schmunzelnd zu bedenken, lerne man ja immerhin auch eine Menge über das jeweilige Modell. Der Mettinger lenkt seinen rot-weiß lackierten Tiefdecker zum Rollfeld, drückt den Gashebel in Richtung Anschlag – der Flieger hoppelt noch ein wenig durchs Gras, bevor er surrend himmelwärts abhebt.

Automatisierte Handhabung

„Das mag ich besonders, wenn die Maschine tief über der Rollbahn dicht an mir vorbeizieht“, sinniert der MFC-Vorsitzende wenig später. Höher in der Luft lässt er die Piper um ihre eigene Achse drehen und demonstriert den Rückenflug. Kaum zu glauben, dass der Mettinger erst vor drei Jahren mit der Fliegerei begonnen hat. „Inzwischen hat sich die Handhabung automatisiert“, sagt er. „Sonst könnte ich solche Manöver gar nicht fliegen.“ Obschon die Tankfüllung für etwa zwanzig Minuten reicht, landet er seinen Modellflieger in der Regel bereits nach der Hälfte der Zeit: „Denn oft lässt spätestens nach zehn Minuten die Konzentration des Piloten deutlich nach.“ Butterweich setzt die Maschine auf dem Erdboden auf.

Ganz schön komplex

Doch grau ist alle Theorie: Thomas Pollich macht die vereinseigene Schulungsmaschine „U Can Fly“ startklar und drückt mir die Fernbedienung in die Hand. Ob das eine gute Idee ist? Schließlich habe ich schon den fernlenkbaren Nissan 370 Z meines Sohnes in vollem Tempo vor das Tischbein krachen lassen. Und dessen Handsteuerung sah bei weitem nicht so komplex aus wie die des Schulfliegers: Mit dem rechten Steuerknüppel bediene man das Querruder und steuere den Flug der Maschine nach links und rechts, erklärt mir mein Lehrer. Außerdem gibt man mit rechts Gas. Der linke Steuerknüppel sei für die Seitenruder und das Bugfahrwerk zuständig. „Damit lenkt man das Modell auf dem Boden nach links oder rechts.“ Er nickt zuerst mir, dann dem Modell erwartungsvoll zu.

Dem Absperrgitter so nah...

Seitenruder? Bugfahrwerk? Ich starre auf die Fernsteuerung und zupfe vorsichtig an den Hebeln herum. Schwungvoll legt der kleine Kunststoffflieger los und flitzt unerwartet flott über den Grasplatz. „Weniger Gas“, ruft Pollich. „Und jetzt links drehen, wenden – schneller rum! Das Gas weg!“ Nein, kein Scheunentor… aber um ein Haar hätte ich das Absperrgitter der Rollbahn über den Haufen gefahren. Als der Vorsitzende sich beruhigt und seinen Mut zusammengenommen hat, fragt er mich vorsichtig, ob ich nun vielleicht noch ausprobieren wolle, den Flieger zu starten? Dankend winke ich ab. Dieses Abenteuer, atme ich entschlossen durch, überlasse ich sehr gerne und hoffentlich bald meinem Mann.


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