14.11.2016, 12:05 Uhr

Tiere waren fleißig Wespen bauen zwei monumentale Nester bei Familie in Wersen


Lotte. Völlig unaufgeregt verbrachte Familie Verlage aus Wersen ihren Sommer im Garten – zusammen mit zwei Wespenschwärmen. Die Insekten hatten sich auf dem Grundstück angesiedelt. Mittlerweile sind die Nester verlassen.

Schon im Frühjahr beobachtete Karola Verlage beim Wäscheaufhängen im Carport, dass immer wieder gelb-schwarze Brummer an ihrer Nase vorbei surrten und im blauen Motorradhelm an der Wand verschwanden. Das nahm sie noch nicht so ernst, aber nach kurzer Zeit quoll ein Gebilde aus dem Helm, erst faustgroß, dann überquellend. Anbauten entstanden. Eines Tages war der Helm nicht mehr zu sehen, ein kleiner darunter liegender Schrank wurde in die Architektur des Staates miteinbezogen, auch auf die daneben arrangierten Spinnweben keine Rücksicht genommen. Die eine oder andere Wespe verirrte sich und wurde von der Spinne umgarnt.

Fleißige Baukünstler

„Es war kein Ende des Anbauens in Sicht und einfach faszinierend, wie die Wespen unermüdlich nach einem passenden Platz für ihr mitgebrachtes Material aus mit Speichel gemischten Holzfasern suchten, es wie Mörtel anpappten, bis es gut saß. Die Wäscheleinen lagen dabei genau in der Flugschneise, und es herrschte Verkehr wie auf der Autobahn“, sagte Karola Verlage.

Knisternde Sommerabende

Sie vermutet, dass mehrere Königinnen in verschiedenen Wohnungen residierten, denn einige waren deutlich größer als die Arbeiterinnen. Am Abend in der Dämmerung sei oft ein Knistern zu hören gewesen, wenn die Wespen sich auf ihrem Bau versammelten. „Das war dann ein ganz tolles Hör-Erlebnis“, blickt sie noch gerne auf diese Sommerabende zurück. Gestört gefühlt habe sie sich nie.

Zweiter Bau in ehemaligem Spielhaus

Im warmen September entdeckte Sohn Rouven durch Zufall einen zweiten Wespenbau, von Nest konnte wirklich keine Rede mehr sein. Er wollte aus dem ehemaligen Spielhaus Angelsachen holen, als er völlig überrascht feststellte, dass ein Wespenvolk einen Bau so groß wie ein zusammengefalteter Angelschirm errichtet hatte.

Die Spionlöcher an einer Seite des Spielhauses, durch die Rouven und seine beiden Brüder in ihrer Kinderzeit Ausschau auf Bewegungen in der Nachbarschaft gehalten hatten, nutzten die Insekten für ihren unbeobachteten Ein- und Ausflug. Diese ungestörte Zeit reichte für einen monumentalen Wespenbau. Verführerisch hingen wohlschmeckende, durch die feuchte Witterung faulende Kirschen direkt neben ihrer Wohnung. „Wenigstens die Wespen hatten was von den Kirschen“, so Verlage.

Nur ein Wespenstich

Seitdem es kälter geworden ist, leeren sich die kunstvollen Wohnungen. Träge fliegt noch mal die eine oder andere Wespe hinein und hinaus. Viele liegen schon verendet auf dem Boden. Für die Verlages war es ein schöner und äußerst interessanter Wespensommer – bis auf einen unspektakulären Wespenstich. Noch bleiben die hauchdünnen Bauten, zart wie feinstes Pergamentpapier, an ihrer ausgesuchten Stelle und können dort bewundert werden.


Soziale Wespenvölker

In Deutschland gibt es 16 Arten der sogenannten Staaten bildenden, sozialen Faltenwespen, in besiedelten Bereichen kommen meist nur sechs davon vor und lästig werden dem Menschen nur zwei, die „Gewöhnliche Wespe“ und die „Deutsche Wespe“.

Grundsätzlich stehen alle wild lebenden Tiere, somit auch Wespen, unter dem allgemeinen Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes. Sie dürfen ohne vernünftigen Grund nicht getötet werden. Hornissen und Hummeln sowie alle Wildbienen stehen als Einzelarten unter besonderem Schutz; Maßnahmen an deren Nestern erfordern immer einer Genehmigung durch die Naturschutzbehörde.

Wespen und die zur Familie gehörenden Hornissen haben eine wichtige Funktion im Ökosystem. Bis zu 3000 Fliegen, Mücken, Raupen, Motten, Spinnen und andere Kleintiere, die am Kuchentisch, bei der Grillparty, in Feld und Flur auch lästig werden können, vertilgt ein kleiner Wespenstaat am Tag. Darüber hinaus bestäuben Wespen Pflanzen, beseitigen frische Tierkadaver und dienen anderen Tieren als Nahrungsgrundlage.

Wespen leben nur einen Sommer lang. Alle Wespen verlassen im Herbst ihr kunstvoll aus klein gekautem Holz und Speichel gebautes Nest und sterben. Nur junge Königinnen suchen sich eine geschützte Unterkunft zum Überwintern, kommen aber im darauf folgenden Frühjahr nicht zum alten Nest zurück sondern gründen im Frühjahr mühevoll einen neuen Wespenstaat. Quelle: www.bundladen.de

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