10.12.2014, 19:30 Uhr

Selbsthilfe bei Depression“ Manuela Beckmann organisiert eine Gruppe

Manuela Beckmann engagiert sich ehrenamtlich für eine Selbsthilfegruppe Depression.Foto: Babette Rüscher-UfermannManuela Beckmann engagiert sich ehrenamtlich für eine Selbsthilfegruppe Depression.Foto: Babette Rüscher-Ufermann

baru Lotte/Westerkappeln. Wenn die dunkle Jahreszeit beginnt und statt blauem Himmel graue Wolken den Tag bestimmen, fällt es den meisten Menschen schwer, sich die gute Laune zu erhalten. Dem einen helfen heißer Tee und ein kuscheliges Sofa, um es sich gut gehen zu lassen. Doch für Menschen mit Depression ist der Winter eine schwierige Zeit. Manuela Beckmann hat ihr eigenes Rezept gefunden, sich Gutes zu tun. Sie ist in einer Selbsthilfegruppe Depression, und sie organisiert diese Gruppe.

Seit vier Jahren gibt es die Gruppe von Manuela Beckmann. Ein Artikel in der Neuen OZ machte sie darauf aufmerksam. „Die ganze Woche habe ich damals überlegt. Gehst du hin, gehst du nicht“, erzählt sie. Das ständige Kreisen der Gedanken um ein Thema ist typisch für Menschen mit Depression. Die Westerkappelnerin hat sich aufgemacht und sagt heute: „Ich bin so froh darüber.“

Gleich in der ersten Stunde übernahm sie den Schlüssel für den Gruppenraum. Inzwischen verwaltet sie das Gruppenkonto, organisiert und bezahlt die Referenten, die die Frauen und Männer zu sich einladen. Auch das Sparschwein der Runde ist in ihren Händen. Manuela Beckmann bekommt die Post für die Gruppe und leitet sie weiter. Im Büro für Selbsthilfe und Ehrenamt in Osnabrück ist ihre Adresse hinterlegt.

„Alles, was für die Gruppe organisatorisch wichtig ist, das mache ich“, fasst sie zusammen. Wenn jemand öfter fehlt, hakt sie nach, ruft an. „Wir sind eine Depressionsgruppe. Da macht man sich schnell Sorgen“, erklärt die Westerkappelnerin dazu. Wichtig ist ihr, dass allen Teilnehmern klar ist, sie ist nicht die Leiterin der Gruppe. Frühere Mitglieder hätten ihre Rolle und die damit verbundenen Aufgaben missverstanden. Sie luden ihre Probleme bei der 52-Jährigen ab. Doch das könne sie nicht tragen, denn sie sei selber betroffen. Inzwischen sei das Verhältnis wieder geklärt. „Ich kümmere mich. Das wissen die anderen, und das ist okay.“

Seit vier Jahren treffen sich die Frauen und Männer einmal in der Woche. Inzwischen sind sie eine geschlossene Gruppe. Sie wollen sich mehr auf sich konzentrieren. „Wir haben alle eine ganz unterschiedliche Geschichte, warum wir an Depression erkrankt sind. Hier fühlen wir uns verstanden und aufgehoben“, weiß Manuela Beckmann zu berichten. Die Gruppe und das Vertrauen in die Mitglieder sei ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens geworden. „Alles, was wir besprechen, bleibt im Raum. Wir weinen miteinander, aber wir lachen auch viel.“ Natürlich ersetze eine Selbsthilfegruppe keine Therapie oder Medikamente, aber es sei ein Schritt raus aus der Isolation. „Hier sagt keiner: Stell Dich nicht so an.“

Zum Beginn der Gruppe sah Manuela Beckmann das Organisieren als Beschäftigung. „Heute ist es mir wichtig“, erklärt sie. „Ich möchte die Gruppe erhalten. Ich möchte, dass es weitergeht.“ Mit einigen Frauen und Männern aus der Runde verbinde sie inzwischen Freundschaft. Sie treffen sich auch in der Freizeit und unterstützen sich gegenseitig zum Beispiel bei Umzügen.

Informationen zur Selbsthilfegruppe Depression im Büro für Selbsthilfe und Ehrenamt im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, Osnabrück. Tel. 0541/5013133 und -5013533, E-Mail: buero-selbsthilfe@landkreis-osnabrueck.de

Was ist eine Depression?

epressionen gehören zu den häufigsten und am meisten unterschätzten Erkrankungen. Insgesamt leiden in Deutschland derzeit etwa vier Millionen Menschen an einer behandlungsbedürftigen Depression. Der Begriff Depression bezeichnet eine häufige seelische Störung. Er erfasst Zustände der seelischen Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit und Antriebsarmut. Man unterscheidet zwei Arten von Depressionen: Eine exogene Depression wird von äußeren (exogenen) Faktoren bedingt, während eine endogene Depression (endogen = „von innen heraus“) ohne erkennbare äußere Gründe auftritt und möglicherweise auch erbliche Ursachen haben kann. Eine Depression beeinträchtigt den Menschen in seiner psychischen und körperlichen Gesamtheit. Der Stoffwechsel des Gehirns ist verändert, da die Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in vergleichsweise niedriger Konzentration vorhanden sind. Die Ursachen dafür sind noch unbekannt. Typische Symptome einer Depression sind zum Beispiel Freud- und Interesselosigkeit an normalen Aktivitäten, Schlafstörungen, innere Unruhe, häufige Müdigkeit und Antriebshemmung, Konzentrationsschwierigkeiten, ein gestörtes Selbstbewusstsein bis hin zu Selbstmordgedanken. baru


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