22.04.2013, 12:56 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Ein Zaun für Wald ohne Bäume Eigentümer will Lottes abgeholztes Hambrink-Wäldchen zum 1. Oktober einzäunen

Seine Pokerpartie um das Hambrink-Wäldchen setzt Helmut Meyer fort. So gut gelaunt wie vor Jahresfrist scheint er aber nicht mehr. Foto: Ursula HoltgreweSeine Pokerpartie um das Hambrink-Wäldchen setzt Helmut Meyer fort. So gut gelaunt wie vor Jahresfrist scheint er aber nicht mehr. Foto: Ursula Holtgrewe

Lotte. Muss Helmut Meyer, Eigentümer des Alt-Lotter Hambrink-Wäldchens, wirklich aufforsten? Er meint nein und beruft sich auf einen Bericht im Landwirtschaftlichen Wochenblatt Westfalen-Lippe über ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg. Das Regionalforstamt Münsterland dagegen sagt, jener Fall sei nicht vergleichbar; es müsse aufgeforstet werden. Weiterhin kündigte Meyer an, sein Grundstück direkt am Sportfreunde-Stadion im Oktober einzuzäunen.

Helmut Meyer, der mittlerweile einen Osnabrücker Anwalt eingeschaltet hat, sagt, dass das Forstamt den im OVG-Urteil genannten Waldbesitzer zwingen wollte, seine 8000 Quadratmeter große Fläche wieder aufzuforsten. „Die Größe passt in etwa“, resümierte Meyer, dem der Hambrink-Wald (6095 Quadratmeter) nebst Parkplatz (2245 Quadratmeter) gehört.

Gleichfalls sei seine Fläche gar nicht umgenutzt worden, sondern bleibe Wald, so Meyer. Das OVG Lüneburg habe im Jahr 2005 der Klage mit der Begründung stattgegeben, dass Waldflächen ihre Eigenschaft nicht verlören, wenn sie beispielsweise durch Sturm oder Brand geschädigt, kahl geschlagen oder gerodet worden seien. „Ich muss also gar nicht wieder aufforsten“, meint deshalb Helmut Meyer.

Die WT bat Jörn Stanke vom Regionalforstamt Münsterland, die Vergleichbarkeit beider Fälle zu prüfen. „Fazit ist, bei dem OVG-Fall lag ein Formfehler vor. Die Waldbehörde hat sich auf eine ungenehmigte Waldumwandlung gestützt, wogegen ,nur‘ ein Kahlschlag stattgefunden hatte“, resümierte Stanke. Auf Grundlage des Bundesforstgesetzes sei die Frist zur Wiederaufforstung Ländersache. Sie sei in den Landesforstgesetzen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens jeweils auf zwei Jahre festgelegt. „Das Hambrink-Wäldchen besteht also rechtlich nach wie vor und wird an der Stelle weiterhin Bestand haben“, beschreibt Stanke den Status quo.

Der Leiter des Regionalforstamtes Münsterland, Heinz-Peter Hochhäuser, ergänzt: „Solange die Nutzung der Fläche sich nicht ändert, besteht für uns kein Handlungsbedarf. Wenn der Besitzer der Aufforderung zur Aufforstung nicht nachkommt oder die Fläche anderweitig nutzen sollte, werden wir ordnungsbehördlich tätig werden. Bislang hat sich der Besitzer des Hambrink-Wäldchens im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten verhalten.“

Sein Amt werde spätestens im kommenden Frühjahr kontrollieren, ob Helmut Meyer vorbereitende Maßnahmen für eine Wiederaufforstung ergriffen hat.

Wie Helmut Meyer der WT weiterhin berichtet, hat er Friedhelm Lange, dem Sprecher des Bündnisses Hambrink-Wäldchen, den Zeitungsartikel bei einem Treffen gleichfalls überreicht. Lange dazu: „Den Bericht habe ich an Bürgermeister Rainer Lammers weitergeleitet. Ich habe nennenswerte Zweifel, ob das inhaltlich eins zu eins übertragbar ist. Wir gehen davon aus, dass zutrifft, was die Landesforstbehörde und die Gemeinde sagen, nämlich, dass das Wiederaufforstungsgebot gilt. Das Bündnis hat nach wie vor Vertrauen in das, was offizielle Stellen und Münster und Lotte gesagt haben.“

Bürgermeister Lammers sieht das ebenso. Er ist nach wie vor im Gespräch mit dem Waldeigentümer und betont: „Ich möchte momentan nicht weiter darauf eingehen, weil wir noch in Verhandlungen stehen.“

Auf die Frage der WT, wie die Resonanz auf seine Anzeige für den Verkauf des rund 8000 Quadratmeter großen Areals oberhalb der Hambrink-Siedlung in der NOZ war, sagt Meyer: „Angebote habe ich erhalten; aber die haben mich nicht zufriedengestellt.“

Weiterhin betont Meyer: „Ich werde am 1. Oktober meine gesamte Fläche vor dem Stadion der Sportfreunde einzäunen.“ Der Pachtvertrag mit der Gemeinde Lotte laufe am 30. September aus. Er werde mit den vorgeschriebenen Abstandsgrenzen von seinem Recht Gebrauch machen einzuzäunen.

Das hätte zur Folge, dass die Sportanlagen des TuS Lotte und der Sportfreunde erheblicher schwieriger zu erreichen wären. Auch deshalb ist der Gemeindeverwaltung, die den Sportfreunden einen Teil der Pachtfläche vor dem Haupteingang des Stadions zur Verfügung stellt, an einer Einigung mit Helmut Meyer gelegen. Indes sieht SFL-Vorsitzender Rolf Horstmann der möglichen Einzäunung derzeit gelassen entgegen: „Wenn er das Grundstück einzäunt, ist das sein Recht. Der Verein hat genügend Parkplätze geschaffen.“

Es bleibt also Bewegung in der Angelegenheit Hambrink-Wäldchen.


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