21.04.2017, 17:55 Uhr

Stallpflicht wegen Vogelgrippe Von Amts wegen: Laufverbot für Laufenten in Lingen


Lingen. Renate Brinkers aus Lingen hält sich sechs indische Laufenten, die ihre Staudengärtnerei in Clusorth-Bramhar schneckenfrei halten sollen. Die Laufenten sind im Moment allerdings unglücklich. Denn seit fast einem halben Jahr dürfen sie nicht tun, was ihrem Naturell entspricht: laufen.

„Am 10. November wurden wir vom Veterinäramt des Landkreises aufgefordert, unsere Laufenten und die Hühner einzustallen wegen der Vogelgrippe“, erinnert sich Brinkers. Seitdem leben die sechs Laufenten mit den exotischen Hühnerrassen unter einem Zelt und haben dieses nun annähernd ein halbes Jahr nicht verlassen dürfen, nicht einmal unter Aufsicht. „Das grenzt an staatlich verordnete Tierquälerei“, wird die Züchterin seltener Stauden deutlich. Den generellen Sinn der Sicherheitsmaßnahme zweifelt sie nicht an; sehr wohl jedoch daran, dass zu dieser Jahreszeit noch Zugvögel hier landen und den Virus H5N8 – umgangssprachlich Vogelgrippe genannt – übertragen.

Zutritt mit Schutzanzug

Mit dem Schutzanzug betritt Brinkers die momentane Behausung ihrer Vögel. Auf der Wiese davor steht ein kleines Schwimmbecken; die Grube dafür ist schon ausgehoben. Nur die Badegäste fehlen: Das Becken ist für die Laufenten vorgesehen. Stattdessen haben Renate und ihr Mann Werner im Zelt so gut es geht eine entengerechte Umgebung eingerichtet. Dazu gehört ein kleines Trink- und Badebecken. Den exotischen Hühnerrassen mache die Stallpflicht weniger aus, aber den Enten merke sie das Eingesperrtsein deutlich an, erzählt Brinkers.

„Sie sind wesentlicher scheuer und verschreckter als sonst. Normalerweise legen die Weibchen ab Januar täglich ein Ei. Seit der Einstallung legt lediglich die älteste Ente sporadisch Eier“, bedauert die Gärtnerin. Die Eier verkaufe sie übrigens nicht, wie sie betont: „Reiner Eigenverzehr“. Die Erpel „Puck“ und „Boss“ haben häufiger Stress miteinander, weil sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Ihren Unmut tut das Federvieh durch ständiges Schnattern kund.

Laufenten auf Schneckenjagd

In erster Linie hält sich die Staudengärtnerei die indischen Laufenten zur Eindämmung der Schneckenpopulation. Die spanische Wegschnecke – eine rotbraune Nacktschnecke – stelle für die Pflanzen eine regelrechte Bedrohung dar, berichtet Brinkers. „Blattschmuckpflanzen wie die Hosta möchte kein Kunde mehr haben, wenn die Blätter angefressen sind“, weiß die Expertin. Ab Mai gehe es los, dann brauche sie nur eine Kiste mit Pflanzen anzuheben und es kämen darunter massenweise Schnecken zum Vorschein.

„Bevor wir die Enten hatten, führte kein Weg an Gift vorbei. Ich kann mich an eine gigantische Schneckenplage vor vier Jahren erinnern. Seit wir die Laufenten haben, haben wir das Thema gut im Griff, und das ganz ökologisch“, freut sich Brinkers. Die Laufenten seien die idealen Gärtnergehilfen, denn im Gegensatz zu den Hühnern, denen die Schnecken nicht besonders mundeten, gingen sie sehr zart mit den Pflanzen um und würfen nicht einmal die Töpfe um, lobt sie ihre indischen Helferlein.

Nun hofft sie, dass die Stallpflicht, wie vom Veterinäramt angekündigt, wirklich nach dem 30. April aufgehoben wird – bevor die Schnecken ihre Gärtnerei erobern können.

Mehr aus Lingen lesen Sie in unserem Ortsportal.


1 Kommentar