21.04.2017, 15:33 Uhr

Notorische Schwarzfahrerin Lingen: Schwangere Schwarzfahrerin muss in Jugendhaft

Immer wieder fuhr eine 21-Jährige von Lingen aus ins Ruhrgebiet schwarz mit dem Zug. Nun muss die Schwangere ein Jahr lang in Jugendhaft. Foto: Lukas Schulze/dpaImmer wieder fuhr eine 21-Jährige von Lingen aus ins Ruhrgebiet schwarz mit dem Zug. Nun muss die Schwangere ein Jahr lang in Jugendhaft. Foto: Lukas Schulze/dpa

Lingen. Das Amtsgericht Lingen hat eine schwangere 21-Jährige mit Hartdrogenvergangenheit zu einem Jahr Jugendhaft verurteilt. Die Bewährungsversagerin war im Zug mehrfach schwarzgefahren und hatte einen Autospiegel abgetreten.

Die Angeklagte war zwischen ihrem laufenden Methadonprogramm bei einem Arzt in Lingen und ihrem im Ruhrgebiet lebenden Freund per Zug hin- und hergependelt, ohne sich Fahrkarten zu kaufen. Das Jugendschöffengericht verurteilte sie nun wegen Erschleichens von Leistungen in sieben Fällen, Sachbeschädigung sowie unter Einbeziehung vorangegangener Urteile zu einer Einheitsjugendstrafe von zwölf Monaten. Eine nochmalige Chance, sich in Freiheit zu bewähren, gab das Gericht der mehrfach auch einschlägig Vorbestraften und zweifachen Bewährungsversagerin mangels positiver Sozialprognose nicht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Chronischer Geldmangel

Die 21-Jährige, die weder Schulabschluss noch Berufsausbildung vorweisen kann, räumte die Schwarzfahrten im Spätherbst 2016 ein. Dies sei wegen chronischen Geldmangels geschehen. Laut Deutscher Bahn ist durch die sieben Schwarzfahrten ein Schaden von rund 550 Euro entstanden. Zudem gab die junge Frau zu, nach einem Verkehrsunfall in Herne aus Wut und Frust den Seitenspiegel am Fahrzeug des Unfallgegners abgetreten zu haben. Es entstand ein Schaden von rund 250 Euro. Derzeit stottert die werdende Mutter, die von Arbeitslosengeld II lebt, zwei Geldstrafen wegen vorheriger Schwarzfahrten in monatlichen Raten von 50 Euro ab.

Heroin und Kokain seit 2011

Bereits 2011 hatte sie begonnen, Heroin und Kokain zu konsumieren. Nach einer zunächst erfolgreichen Entgiftung ist sie im Frühjahr 2016 rückfällig geworden. Aktuelle Urinkontrollen belegen zwar derzeit ihre Abstinenz von Hartdrogen, aber auch den Konsum von Marihuana.

Fehlendes Unrechtsbewusstsein

Die Bewährungshelferin verwies darauf, dass die junge Frau durch fehlendes Unrechtsbewusstsein auffalle und weitestgehend soziale Kontakte zu sozial auffälligen Menschen halte. Unterstützung von außen erlebe die 21-jährige als Kontrolle und versuche daher, sich jedem Hilfsangebot aktiv zu entziehen. „Mit ambulanten Hilfsmaßnahmen ist sie nicht mehr zu erreichen“, sagte die Bewährungshelferin und hielt es für möglich, dass die Angeklagte in Zukunft aus Geldnot heraus immer wieder kleinere Delikte begehen werde.

„Der Aspekt der bevorstehenden Entbindung allein reicht nicht aus, um eine positive Sozialprognose anzunehmen“, sagte der Vorsitzende Richter. Er verwies darauf, dass die 21-Jährige nach der Geburt ihres Kindes in einer Einrichtung für junge, straffällig gewordene Mütter untergebracht werde, wo nachhaltig auf ihre positive Entwicklung eingewirkt werden könne.


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