20.04.2017, 12:18 Uhr

Kritik von Autor Christoph Frilling Bernd-Rosemeyer-Straße in Lingen „hochnotpeinlich“


Lingen. Als „hochnotpeinlich“ hat der Lingener Christoph Frilling, Autor eines Buches über den Lingener Rennfahrer Bernd Rosemeyer und dessen Verbindungen zum Nationalsozialismus, die in der Stadt nach ihm benannte Straße bezeichnet. Rosemeyer war 1938 bei einem Geschwindigkeitsrekordversuch tödlich verunglückt.

In einer Mitteilung an die Redaktion verweist Frilling auf das 2015 erschienene Buch „Lingen wegweisend“ von Benno Vocks. Dank des Buches des früheren Lehrers der Marienschule gebe es einen vollständigen Überblick über die Struktur der Namensgebung für Lingener Straßen.

Im Buch wird auf sieben Straßen verwiesen, die an jüdische Bürger Lingens erinnern, wie Bernard Grünberg, Ehrenbürger der Stadt Lingen, Else Cohen, Helga Hanauer, Henriette Flatow, Jakob Wolff, Ruth Foster, 2014 verstorbene Ehrenbürgerin Lingens, und Ludwig Weinmann. Vocks erinnere in seinem Buch, so Frilling weiter, auch an Bürger der Stadt, die sich den Nationalsozialisten wiedersetzt hatten und dafür zum Teil schwer büßen mussten, darunter auch mehrere Geistliche. Als Beispiele sind unter anderem Anna Brauer, Hebamme in Brögbern, Schulleiterin Clara Eylert, Josef Terstiege, Zentrumsbürgermeister bis 1933, und Heinrich Schniers, Pastor der St.-Bonifatius-Kirche, aufgeführt. Dieser starb nach Angaben Frillings, von den Nazis gedemütigt und gequält, 1942 im KZ Dachau. Sie alle seien „Beispiele von Lingenern, die sich den Nazis mutig entgegenstellten und deren Andenken wir heute zu Recht durch Straßennamen pflegen“.

„Im Grabe herumdrehen“

Vor diesem Hintergrund bezeichnete es Frilling als skandalös, dass diesen antifaschistischen Persönlichkeiten mit Bernd Rosemeyer ausgerechnet ein Profiteur und Propagandist des Nationalsozialismus quasi gleichwertig zur Seite gestellt werde. Die genannten Bürger „würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie erfahren hätten, dass die Stadt Lingen ihnen mit der Namensgebung ‚Bernd-Rosemeyer-Straße‘ den gleichen Status einräumt wie einem Hauptsturmführer der SS“.

Rosemeyer war an der Bahnhofstraße in Lingen aufgewachsen. Die Umbenennung in „Bernd-Rosemeyer-Straße“ geschah Recherchen von Benno Vocks zufolge nach dem Tod des Rennfahrers noch im Jahr 1938.

Heldenverehrung im Museum?

Frillings Kritik am Straßennamen ist auch im Zusammenhang mit Plänen des Lingener Unternehmers Heinrich Liesen zu sehen, in der Burgstraße ein „Bernd Rosemeyer-Museum“ zu errichten. Liesen will sowohl die Geschichte des Hauses Burgstraße 20 dokumentieren, als auch die Lebensgeschichten von Bernd Rosemeyer und dessen Ehefrau, der Fliegerin Elly Beinhorn. Frilling befürchtet, dass es in diesem Museum in erster Linie um eine Heldenverehrung des zu seiner Zeit als Sportidol gefeierten Rennfahrers geht, und nicht um seine Rolle als SS-Offizier innerhalb des nationalsozialistischen Herrschaftssystems. Diesen Aspekt hatte der Lingener 2009 in seinem Buch „Die Pilotin und der Rennfahrer. Elly Beinhorn und Bernd Rosemeyer auf Gratwanderung im Nationalsozialismus“ herausgearbeitet. Beinhorn starb 2007 im Alter von 100 Jahren.

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