20.03.2017, 17:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Kinder sexuell missbraucht Emsländer muss viereinhalb Jahre ins Gefängnis

„Öffentlichkeit ausgeschlossen“ hieß es in weiten Teilen des Prozesses gegen einen 25-jährigen Emsländer wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Foto: Sven Lampe„Öffentlichkeit ausgeschlossen“ hieß es in weiten Teilen des Prozesses gegen einen 25-jährigen Emsländer wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Foto: Sven Lampe

Osnabrück/Lingen. Das Landgericht Osnabrück hat am Montag einen 25-jährigen Mann aus dem südlichen Emsland wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in zwei Fällen zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte vor Gericht zugegeben, sich als Betreuer in einem emsländischen Sportverein an zwei Jungen sexuell vergangen zu haben.

Während des Prozesses, der aus Rücksicht auf die Opfer weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hatte der Angeklagte die Vorwürfe umfassend gestanden. Zu einer der Taten war es Sommer vergangenen Jahres in einem vom Angeklagten selbst initiierten Wochenend-Zeltlager gekommen.

Betreuer galt als vertrauenswürdig

Zum Zeitpunkt des Geschehens war der Mann noch nicht lange als Jugendbetreuer für den Verein tätig gewesen. Nach Angaben des Gerichtes galt er bis zu den Vorfällen innerhalb des Vereins als vertrauenswürdig, und auch die von ihm betreuten Kinder hätten ihn „super“ gefunden.

Vorstrafe verschwiegen

Nachdem die Vorfälle ans Licht gekommen waren, hakten die Verantwortlichen allerdings intensiver nach. Dabei stellte sich heraus, dass der junge Mann im Jahr 2014 vom Amtsgericht Papenburg ebenfalls wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern zu einer Freiheitsstrafe von anderthalb Jahren verurteilt worden war — ausgesetzt für drei Jahre auf Bewährung.

„Hemmschwelle überwunden“

In eben dieser Bewährungszeit wechselte der Angeklagte seinen Wohnsitz vom nördlichen ins südliche Emsland und schloss sich dort dem Sportverein an. Zur Überzeugung des Gerichts wohl wissend, dass dies nicht rechtens sei. Denn zu dem Zeitpunkt unterlag er einer gerichtlichen Anordnung, sich von Kindern fernzuhalten. Als weiteres Zeichen vorsätzlichen Handelns wertete das Gericht die Tatsache, dass er seinem Bewährungshelfer das Engagement in dem Verein verschwieg. Letztlich haben der Angeklagte jegliche Hemmschwelle überwunden, so das Gericht in seiner Urteilsbegründung.

Anderthalb Jahre mehr Haft möglich

Wenn die jetzige Verurteilung rechtskräftig wird, könnte sich der Verstoß gegen die Bewährungsauflage für den 25-Jährigen als Bumerang erweisen. Wenn nämlich die Papenburger Richter die Bewährung zurücknehmen, müsste er anderthalb weitere Jahre im Gefängnis verbüßen.

„Keine Anzeichen auf Pädophilie“

Zweifel an der Schuldfähigkeit des Angeklagten hatten die Osnabrücker Richter nicht. Einem Gutachten zufolge liegen zwar Persönlichkeitsstörungen auf verschiedenen Ebenen vor, Hinweise auf Pädophilie gebe es allerdings nicht. Die anderen Persönlichkeitsstörungen, seien laut Gutachter zwar „mächtig ausgeprägt“, aber nicht so ausgeprägt, dass die Steuerungsfähigkeit eingeschränkt sei, so das Gericht.

„Vertrauen der Eltern missbraucht“

Mit seinen Taten habe der Angeklagte nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, sondern auch Vertrauen missbraucht, so der Vorsitzende Richter. Und zwar in erster Linie das der Eltern. Diese dürften zurecht darauf vertrauen, dass sie in einem Sportverein ihre Kinder in die Hände von Personen abgeben, die das Vertrauen ernst nehmen.


0 Kommentare