02.12.2016, 18:54 Uhr

Stille Nacht in schwerer Zeit Emslandmuseum Lingen erinnert an Kriegsweihnacht


Lingen. Weihnachten in schwerer Zeit lautet das Thema beim nächsten „Mittwoch im Museum“ am 7. Dezember 2016. Elisabeth Köck und Andreas Eiynck entführen die Besucher dabei mit Zeitzeugenberichten und literarischen Zeugnissen in die Weihnachtszeit der schweren Kriegs- und Nachkriegsjahre, als Weihnachten nur selten ein Fest der Freude war.

Die Veranstaltungen beginnen laut einer Pressemitteilung des Emslandmuseums um 16 und um 19.30 Uhr. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatten auch viele Lingener Soldaten geglaubt, Weihnachten seien sie als Sieger längst wieder zu Hause. Doch daraus wurde nichts. Es kam vielmehr für die meisten das traurigste Weihnachtsfest seit vielen Jahren, das sie fern der Heimat in den Schützengräben verbringen mussten. Daran konnte auch das „Weihnachtswunder von 1914“ mit der friedlichen Begegnung deutscher und englischer Soldaten an einzelnen Frontabschnitten nur kurzzeitig ablenken. Noch drei weitere traurige Kriegsweihnachten sollten folgen. Die Weihnachtsfeste der Jahre nach dem großen Krieg waren dann geprägt durch Inflation, Not und Massenarbeitslosigkeit. An aufwendige Festdekoration oder teure Geschenke dachte damals niemand – außer vielleicht der Kaiser im Exil.

Stalingrad

Die Nationalsozialisten wollten anstelle des christlichen Weihnachtsfestes eine „altgermanische Julfeier“ zur Wintersonnenwende einführen. Doch gegen das Christkind und den Weihnachtsmann hatten Gestalten wie das „Julmännchen“ und andere pseudogermanische Erfindungen keine Chance, so das Emslandmuseum weiter. Symbol für die Kriegsweihnacht im Nationalsozialismus wurde das Weihnachtsfest der eingeschlossenen sechsten Armee im Kessel von Stalingrad. Ihr Schicksal machte vielen Deutschen die Aussichtslosigkeit der Lage deutlich, doch für die meisten kam diese Einsicht leider zu spät. Die „Stalingradmadonna“, gemalt Weihnachten 1942 im Kessel von Stalingrad, wurde zur Ikone einer erst durch Krieg und Leid ernüchterten Generation. Das prägnante Bild wurde aus Stalingrad gerettet und hängt heute in der Gedächtniskirche in Berlin.

Sinnbild

Sinnbildhaft für die Christfeste in den Notjahren der Nachkriegszeit steht die „Flüchtlingsweihnacht“ der Millionen Ostpreußen, Pommern und Schlesier, die gerade zu Weihnachten mit ihren Gedanken ganz in der fernen, verlorenen Heimat waren. In vielen literarischen Zeugnissen und Dokumente werden die Erinnerungen daran beschrieben. Texte und Fotos zeichnen bei dieser Veranstaltung ein eindringliches Bild von Weihnachtsfesten in schwerer Zeit, an dies sich heute kaum noch jemand erinnert, die aber für viele Menschen derzeit wieder traurige Realität ist.

Eintritt

Die etwa einstündigen Veranstaltungen beginnen um 16 und um 19.30 Uhr im Lingener Emslandmuseum an der Burgstraße. Der Eintritt kostet 5 Euro, Mitglieder des Heimatvereins bezahlen 3 Euro.


0 Kommentare