30.11.2016, 19:01 Uhr

Kontrolle auf A30 und A31 Großeinsatz der Polizei gegen Einbrecher in der Region


Bentheim. Deutschland, Belgien und die Niederlande wollen gegen Kriminaltouristen aus Südosteuropa vorgehen. Am Mittwoch gab es erstmals eine grenzübergreifende Polizeikontrolle. Mehr als 100 Autofahrer wurden auf der A 30 bei Bad Bentheim und der A31 bei Weener überprüft – denn genau dort vermutet die Polizei die Routen von Einbrechern.

Sie kommen aus Südosteuropa, ziehen durch Europa. NRW-Innenminister Ralf Jäger bezeichnet die Einbrecherbanden als Kriminaltouristen, die die Polizei beinahe jeden Tag beschäftigen. Insgesamt 2369 Taten verzeichnete die Polizeidirektion Osnabrück im Jahr 2015 – ein Anstieg um 19 Prozent. Und auch in den ersten neun Monaten von 2016 sieht es nicht unbedingt positiver aus: 2057 Einbrüche – 13,65 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum. „Heute räumen sie in Düsseldorf eine Wohnung aus und morgen machen sie in Amsterdam einen Bruch“, sagt Jäger. Denn Täter kennen halt keine Grenze.

Einbrecher kennen keine Ländergrenzen

Diese Grenzen kannte bisher aber die Polizei. „Die Polizei arbeitet in der Regel mit regionalen Zuständigkeiten. Dieses relativ starre System ist aber für die Bekämpfung überregionaler Tätergruppen nicht gut geeignet“, sagte Kriminalhauptkommissar Jörg Bockstiegel von der Polizeidirektion Osnabrück Mitte November in einem Interview mit dieser Redaktion. (Weiterlesen: Wer sind die Profieinbrecher?)

Damit sich das künftig ändert, wurde im Oktober in der sogenannten „Aachener Erklärung“ eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit beschlossen und von den Innenministern von Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Niedersachsen unterzeichnet.

Kontrolle bei Weener und Bad Bentheim

Am Mittwoch gab es den ersten gemeinsamen grenzüberschreitenden Fahndungs- und Kontrolltag im Westen Niedersachsens seit der Unterzeichnung dieser Erklärung. 110 Polizeikräfte waren im Einsatz, um auf der A 30 bei Bad Bentheim nahe der niederländischen Grenze sowie auf der A 31 bei Weener Autofahrer zu kontrollieren. Denn genau dort werden laut Sarah Gebbiken, Sprecherin der Polizeidirektion, Routen von Einbrechern vermutet, die sich mit ihrem Diebesgut aus Osnabrück, dem Emsland oder dem Ostfriesland davonmachen. Stichprobenartig zogen die Polizisten, Bundespolizisten und das Landeskriminalamt Niedersachsen Autos und Lieferwagen heraus. Personalien wurden auf dem Parkplätzen Waldseite Süd und Rheiderland kontrolliert, mögliche Verdächtige überprüft.

Einbruch geht weit über die materiellen Folgen hinaus

Nach ersten Angaben wurde bis zum Redaktionsschluss kein Tatwerkzeug oder Diebesgut gefunden, auch kein Einbrecher ist der Polizei ins Netz gegangen. Aber mit Aktionen dieser Art verfolgt die Polizei noch ein anderes Ziel. Die massiven Kontrollen sollen Druck auf die Täter ausüben. Außerdem sollen sie Bürgern Sicherheit vermitteln und so laut Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius ein wahrnehmbares Zeichen gesetzt werden. Denn: „Ein Einbruch geht weit über die materiellen Folgen hinaus. Zehn Prozent der Opfer ziehen danach aus und weitere 14 Prozent würden das gerne tun, können es aber nicht ohne weiteres“, sagt Pistorius. Um das zu verhindern, sei die Zusammenarbeit mit den Nachbarn im In- und Ausland so wichtig.


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