25.11.2016, 09:26 Uhr

Aufführung mit Schwächen Altbackene „Entführung aus dem Serail“ in Lingen


dloe Lingen. Viel Potenzial hat die „Entführung aus dem Serail“ für die Theaterbühne. In Lingen wurde dies am 23. November 2016 jedoch nicht ausgeschöpft.

Es ist eine Geschichte der Liebe. Und was für eine. Zwei Menschen, Konstanze und Belmonte, die durch unglückliche Umstände voneinander getrennt worden sind, finden am Ende durch die Weisheit und den Friedenswillen des ebenfalls um die Liebe Konstanzes buhlenden Bassa Selim, einem durch die Grausamkeit von Belmontes Vater in den Orient geflohenen Herrscher, wieder zueinander. „Wer so viel Huld vergessen kann, den sieht man mit Verachtung an“, singen die vier Protagonisten am Ende. Vier, denn auch die Bediensteten der beiden Liebenden dürfen nun endlich ihr Verlangen nacheinander leben.

Es ist aber auch eine Geschichte der Aufklärung. Insbesondere, weil es auf Figuren, wie den Bassa und seinen Diener Osmin aufmerksam macht, welche in ihrer uns fremden orientalischen Umwelt so manch fragwürdige europäische Überheblichkeit aufdecken.

Mehr Inhaltstiefe angebracht

Solche Aspekte hätte man auch in einer Inszenierung der „Entführung“ der Kammeroper Prag in Zusammenarbeit mit der Oper Usti nad Labem erwarten können. Stattdessen bekommen wir eine brave, mitunter altbackene Dramaturgie geliefert. Das wir uns nicht falsch verstehen, es spricht überhaupt nichts dagegen, das Singspiel in der Zeit zu lassen. Im Gegenteil, es ist angenehm, dass hier einmal nicht versucht wird, Mozarts ersten ganz großen Beitrag zur Geschichte der deutschen Oper zum Spielball aufklärungswütiger Regisseure zu machen. Dennoch wäre etwas mehr Inhaltstiefe angebracht.

Musikalisch ein Vergnügen

Musikalisch ist das Ganze durchaus ein Vergnügen. Milan Kaňák am Dirigentenpult lässt sein Orchester einen frischen Mozart spielen. Sentimentalitäten sind ihm fremd. Und das ist gut so, hat der geniale Salzburger doch schon genug zu erleiden im Hinblick auf Kitsch und Krempel. Sehr gelungen, das musikalische Wechselspiel der Holzbläser in der Ouvertüre als quasi Vorwegnahme der Verwirrungen im Gefühlshaushalt der Liebespaare.

Wechsel ins dramatische Fach?

Die Konstanze von Tereza Mátlová ist eine selbstbewusste junge Frau. Die Sopranistin gibt der Figur musikalisches Gewicht. Mitunter scheint es aber so, als würde ihr Wechsel ins dramatischere Fach unmittelbar bevorstehen. Robert Remeselnik ist durchaus eine Entdeckung. Etwas steif im Spiel, aber mit strahlendem, lyrischem Timbre. Ein guter Belmonte. Der Darsteller des Osmin hat es naturgemäß beim Publikum aufgrund seiner schauspielerisch dankbaren Rolle etwas leichter. Ivaylo Guberov ist aber auch so ein solider, immer auf der Höhe der musikalischen Anforderung stehender Bass.

Deutlich hörbare Intonationsschwierigkeiten

Leider ist die Sängerin der Blonde, Monika Sommerová, nur ein halbes Vergnügen. Sie hat einen hübschen, ihrer Rolle durchaus angemessenen Sopran, schmälert aber durch deutlich hörbare Intonationsschwierigkeiten den guten Gesamteindruck. Richard Klein als Pedrillo und Dieter Kschwendt-Michel in der Sprechrolle des Bassa Selim agieren grundsolide und souverän.

Insgesamt ein vergnüglicher und musikalisch lohnenswerter Opernabend, der aber im Hinblick auf die Inszenierung keinen bleibenden Eindruck hinterlässt.


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