24.11.2016, 17:51 Uhr

Busse halten nicht bei Stau Stadt Lingen kannte VGE-Pläne nicht

Unbeliebter Treffpunkt vieler Lingener ist zu Verkehrsspitzenzeiten der Kreisel an der Agentur für Arbeit. Foto: Sven LampeUnbeliebter Treffpunkt vieler Lingener ist zu Verkehrsspitzenzeiten der Kreisel an der Agentur für Arbeit. Foto: Sven Lampe

Lingen. Die Entscheidung der Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd (VGE), bei starkem Verkehrsaufkommen die Haltestellen auf dem Lingener Stadtring nicht mehr anzufahren, ist ohne Absprache mit der Stadt Lingen getroffen worden.

Das sagte am Donnerstag der Geschäftsführer der Stadtverkehr Lingen GmbH, Ulrich Boss, in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Die Gesellschaft ist eine einhundertprozentige Tochter der Stadt Lingen, verantwortet für diese den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und finanziert den Lili-Bus jährlich mit mehr als 600.000 Euro aus öffentlichen Töpfen. Normalerweise liefen Kommunikation und die Absprache zwischen den Partnern des Lili-Bus-Systems reibungslos. In diesem Fall allerdings nicht, kritisiert Boss. Stadtverkehr Lingen sei weder in die Planung noch in die Kommunikation des Vorhabens an die Öffentlichkeit eingebunden gewesen. Das städtische Unternehmen sei selbst erst kurzfristig Anfang dieser Woche durch die Pressemitteilung der VGE informiert worden. Die Unwissenheit der Stadt Lingen in diesem Zusammenhang bestätigte am Donnerstagnachmittag in der Sitzung des Stadtrates auch Oberbürgermeister Dieter Krone. Michael Fuest, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/die Grünen,hatte zuvor gefragt, warum der Verwaltungsausschuss am Dienstag nicht informiert worden sei und von der Angelegenheit aus der Presse erfahren habe. Boss bezeichnete das Vorgehen der VGE als „suboptimal“. Diese Einschätzung gilt laut Boss auch für die Aussage der VGE, es dem Ermessen des jeweiligen Busfahrer zu überlassen, ob er im Stau eine Haltestelle anfahre oder nicht. Der Geschäftsführer der VGE, der Schepsdorfer Busunternehmer Hermann Meyering, sagte auf Anfrage der Redaktion, sich aufgrund eines geschäftlichen Auslandstermins am Freitag zu der Angelegenheit äußern zu wollen.

Weitere Gespräche geplant

Boss kündigte derweil an, Gespräche mit der VGE führen zu wollen, wie das Problem gelöst werden könne. „Einen Königsweg gibt es wohl nicht“, sagte der Chef der Stadtverkehrs-GmbH. Praktisch bedeutet das Vorhaben der VGE, dass potenzielle Fahrgäste an den Haltestellen auf dem Konrad-Adenauer-Ring in Zeiten starken Verkehrsaufkommens lediglich darauf hoffen können, dass ein Bus hält - oder gleich zu Fuß gehen, um möglicherweise einen Anschluss am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) zu erreichen. Als denkbare, für Fahrgäste verlässliche Variante, schlägt Boss vor, eine generelle Lösung zu finden. Beispielsweise könne so verfahren werden, dass die genannten Haltestellen grundsätzlich in fest definierten Zeiträumen während des morgendlichen und abendlichen Berufsverkehrs nicht bedient werden. Dieses ginge dann allerdings zulasten des gewünschten Grundsatzes der Verlässlichkeit des Busverkehrs.

Infrastruktur aus den 1970er Jahren

Die Ursache für das hohe Verkehrsaufkommen gerade zu Spitzenzeiten sieht Boss in der städtischen Verkehrsinfrastruktur aus den 1970er Jahren, die den gestiegenen Anforderungen nicht mehr entspreche. Erschwerend hinzu komme die aktuelle Situation mit zahlreichen innerstädtischen Baustellen.

Verkehrsentwicklungsplan

Diese Einschätzung teilt Boss mit Stadtbaurat Lothar Schreinemacher. Die Stadt sei sich des Problems durchaus bewusst. Deshalb werde auch der Verkehrsentwicklungsplan regelmäßig fortgeschrieben. Eine Herausforderung sei es, allen Verkehrsteilnehmern, Fußgängern, Radfahrern, Bussen und dem motorisierten Individualverkehr gerecht zu werden. Aufgrund äußerer Gegebenheiten stoße die Stadt bei ihren Überlegungen allerdings schnell an Grenzen. So gebe es beispielsweise auf dem Konrad-Adenauer-Ring schlichtweg keinen Platz für Extraspuren nur für Busse, sagte Schreinemacher. Gerade der Ring und dessen Verlängerung bis zum Kreisel am SKM sind nach den Worten des Stadtbaurates ein neuralgischer Punkt in Sachen Verkehr. Ein bisher ungelöstes Problem stellten dort die zahlreichen Linksabbieger aus den Nebenstraßen dar.

Arbeitsgruppe

Laut Schreinemacher beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe der Stadt mit den Problemen. Diese habe vor längerer Zeit Vorgespräche mit externen Verkehrsplanern geführt. Außerdem gebe es eigene Untersuchungen und Modelle, wie der Verkehr effektiver durch Lingen geleitet werden könne. Laut Schreinemacher sollen die Gespräche intensiviert werden. Eine schnelle Lösung ist laut Stadtbaurat nicht in Sicht: „Das Jahr 2017 wird wohl noch ins Land gehen.“


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