17.11.2016, 15:40 Uhr

Wahnvorstellungen durch Cannabis Amtsgericht Lingen setzt Verfahren gegen Eierdieb aus

Zwei Packungen mit Eiern soll der 19-jährige Angeklagte gestohlen haben. Foto: Heinz KrüsselZwei Packungen mit Eiern soll der 19-jährige Angeklagte gestohlen haben. Foto: Heinz Krüssel

Lingen. Das Strafverfahren gegen einen 19-jährigen Mann, der sich wegen diverser kleinerer Delikte vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Lingen verantworten muss, wird ausgesetzt, um ein psychiatrisches Gutachten zur Schuldfähigkeit des Angeklagten einzuholen. Zuletzt hatte er Eier gestohlen.

Ihm wird gemeinschaftlich begangener Diebstahl geringwertiger Sachen, Trunkenheit im Verkehr in Tateinheit mit einem Verstoß gegen das Pflichtversicherungsgesetz sowie unerlaubter Besitzes von Betäubungsmitteln vorgeworfen. Aufgrund seines erheblichen Vorstrafenregisters droht ihm möglicherweise eine Jugendstrafe ohne Bewährung.

Reichlich Alkohol konsumiert

Der 19-jährige hat vor Gericht eingeräumt, im Mai dieses Jahres gemeinsam mit einem etwa 30 Jahre älteren Mann zwei Pakete Eier im Gesamtwert von 3,40 Euro aus einem landwirtschaftlichen Selbstbedienungsladen in Lingen gestohlen zu haben. Zudem gestand er, im Anschluss an den Diebstahl mit einem nicht haftpflichtversicherten Mofa gefahren zu sein, obwohl er zuvor reichlich Alkohol und Cannabis konsumiert hatte.

Bluttest

Ein bei der Polizei durchgeführter Bluttest ergab 1,74 Promille und 16 Nanogramm THC pro Milliliter. Die Polizei fand bei dem Angeklagten zudem 0,1 Gramm eines Marihuana-Tabak-Gemisches. Wie der 19-Jährige erklärte, sei dies zum Kiffen für seinen damals noch 13-jährigen Bruder bestimmt gewesen.

„Das war alles voll unsinnig und dumm“, sagte der 19-Jährige. Er unterstrich, dass er all die Probleme, die er schon bereitet habe, hinter sich lassen und neu durchstarten wolle. Derzeit lebt der Schulabbrecher in einer Obdachlosenunterkunft.

Wenig Kooperationsbereitschaft

„Wir sind seit vielen Jahren bemüht um ihn. Was uns an ambulanten Hilfestellungen zur Verfügung steht, scheitert an nicht vorhandener Kooperationsbereitschaft“, berichtete der Bewährungshelfer des jungen Mannes.

Psychische Probleme

Der 19-jährige leidet aufgrund seines Cannabiskonsums unter Wahnvorstellungen und psychischen Problemen. Wegen seiner Psychose war er bereits in ärztlicher Behandlung und hat auch schon stationäre Aufenthalte hinter sich. Der Frage des Staatsanwalts nach der Menge seines Drogenkonsums wich er aus, räumte jedoch ein: „Das kostet richtig viel Geld.“

Während des gesamten Hauptverhandlungstermins saß der Angeklagte mit aneinandergelegten Handflächen da. Auf Nachfrage des Gerichts erklärte er, dass er zu Gott bete für einen guten Ausgang.


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