16.11.2016, 18:40 Uhr

Skepsis in der Stadt Mehr verkaufsoffene Sonntage in Lingen?

Soll es in Lingen künftig bis zu zehn verkaufsoffene Sonntag pro Jahr geben? Gewerkschafter, Stadtmarketing und Einzelhändler sind skeptisch. Symbolfoto: Gero Breloer/dpaSoll es in Lingen künftig bis zu zehn verkaufsoffene Sonntag pro Jahr geben? Gewerkschafter, Stadtmarketing und Einzelhändler sind skeptisch. Symbolfoto: Gero Breloer/dpa

Lingen. Der Präsident des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, fordert die Freigabe von zehn verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr. Ein Vorstoß, der in Lingen auf wenig Gegenliebe stößt. Dort können pro Jahr an vier Sonntagen die Ladentüren geöffnet werden — allerdings gekoppelt an weitere publikumsträchtige Veranstaltungen wie beispielsweise der Kirmes.

Eine klare Gegenposition kommt von der Gewerkschaft. „Zeit ist mehr wert als Profit“, sagt die Regional-Geschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Petra Tiesmeyer. Mit der Forderung nach zehn verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr hänge der Handelsverband sich an die Bundesländer an, in denen anders als in Niedersachsen sehr viel mehr als viermal pro Jahr sonntags geöffnet werden darf, so Tiesmeyer. „Das kann so nicht sein“: Die Gewerkschafterin fürchtet vor allem gesellschaftliche Konsequenzen. Eine Ausweitung der Ladenöffnungszeiten an Sonntagen führe vor allem bei Arbeitnehmern zu immer weniger Freizeit - mit allen Konsequenzen : „Das hat Auswirkungen auf Sportvereine, Familien, Ehrenamt und Kirchen“, so Tiesmeyer. All dieses dürfe nicht wirtschaftlichen Interessen geopfert werden.

„Damit sind wir immer gut gefahren“

Auch Marko Schnitker, Geschäftsführer der Lingen Wirtschaft und Tourismus (LWT), sieht für Lingen keinen Bedarf für eine Ausweitung der Sonntagsöffnungszeiten von aktuell vier auf bis zu zehn. „Damit sind wir immer gut gefahren“, sagt Schnitker. Außerdem werde mit einer Ausweitung verkaufsoffener Sonntage deren Charakter als etwas Besonderem verwässert. Kritisch sieht er allerdings die rechtliche Verbindung verkaufsoffener Sonntage mit anderen publikumswirksamen Veranstaltungen: „Da brauchen wir eine rechtlich eindeutige Regelung“. Erst unlängst war die LWT wegen der Verknüpfung einer Werbeveranstaltung von und für Lingener Hotels mit einer Sonntagsöffnung der Geschäfte in der Innenstadt in die Kritik geraden.

„Da stehe ich hinter meinem Personal“

Nicht wirklich erwärmen für den Vorstoß kann sich auch Jürgen Stöcker. Der Inhaber des Modehauses Löning, als solcher naturgemäß nicht unbedingt ein Verfechter gewerkschaftlicher Interessen, kann in diesem Zusammenhang die Argumentation der Arbeitnehmervertreter durchausnachvollziehen. Zwar seien verkaufsoffene Sonntage für den Textileinzelhandel wirtschaftlich durchaus interessant, gibt Stöcker unumwunden zu. Mehr als die zurzeit erlaubten vier seien allerdings nicht notwendig: „Da stehe ich hinter meinem Personal“. Das gelte es zu pflegen — und zwar nicht nur, weil es im Einzelhandel einen Fachkräftemangel gebe. Er habe nichts davon, wenn eine gute Fachkraft aus familiären Gründen nicht sonntags arbeiten wolle und dann zu einem anderen Arbeitgeber wechsele, der seinen Betrieb samstags um 14 Uhr schließe, so Stöcker.

„Völlig ausreichend„

Eher skeptisch sieht auch Stefanie Neuhaus-Richter, Inhaber von Neuhaus Uhren & Schmuck, die Forderung des Verbandes. Sie empfindet die aktuelle Regelung in Lingen als völlig ausreichend. Eine Ausweitung sei personell nicht darstellbar, befürchtet die Unternehmerin. Rein wirtschaftlich betrachtet sei der Umsatz an einem Wochenende mit verkaufsoffenen Sonntag nicht höher als an einem gewöhnlichen Wochenende. „Wenn sonntags offen ist, ist der Samstag schwächer“, so ihre Beobachtung. Allerdings hätten viele Kunden sonntags mehr Zeit, schauten sich in Ruhe um und informierten sich: „Und dann kommen sie an einem anderen Tag wieder und kaufen.“

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