19.10.2016, 13:43 Uhr

Neue Illustrationen Fünfte Auflage für Buch über Heuerlingswesen im Emsland

In der fünften Auflage wird das Buch über das Heuerlingswesen jetzt erscheinen.  Dabei wird es einige neue Illustationen geben.In der fünften Auflage wird das Buch über das Heuerlingswesen jetzt erscheinen. Dabei wird es einige neue Illustationen geben.

Lingen. Großer Beliebtheit erfreut sich offensichtlich das Buch von Bernd Robben und Helmut Lensing „Wenn der Bauer pfeift, dann müssen die Heuerleute kommen!“ Wegen der großen Nachfrage wurde jetzt die fünfte Auflage erstellt. Sie wurde leicht überarbeitet und mit einigen neuen Illustrationen versehen.

Wer weiß noch, was ein Heuerling war? Einige ältere Mitbürger erinnern sich sicherlich noch genau.„Der Heuermann war ein Sklave bei den Bauern … Keine Rücksicht wurde genommen an Samstagen, da musste der bäuerliche Hof draußen gesäubert werden, ohne Rücksicht, dass die Heuerleute-Frauen ihre Kinder auf den Sonntag vorbereiten konnten, ob ein Familientag war, wie Erstkommunionfeier.... Hatte aber das Pferd des Bauern ein Füllen, dies musste zu Frühstück oder Vesper nach dem Stall, die Heuerlingsfrau musste sehen, wie sie fertig wurde … Heuerlingskinder wurden in allen Bereichen zurückgestellt … Kinder bloß acht Jahre zu Schule, damit diese nicht zu klug wurden, sonst blieben keine mehr zur Ausbeutung“.

Mit einem Leserbrief fing es an

Diese ungelenk-zornigen Zeilen fanden sich im Dezember 1971 in einem Leserbrief, als ein Heimatorgan einen Artikel über das gerade in den letzten Zügen liegende Heuerlingswesen veröffentlicht hatte. Sie zeigen auch, warum das Heuerlingswesen auf dem Lande so lange ein „heißes Eisen“ war. Heimatvereine und andere Institutionen mieden das Thema, um keinen Streit im Dorf auszulösen. Umso überraschter waren der pensionierte Schulleiter und Hoferbe Bernd Robben aus Emsbüren-Gleesen und der aus Wietmarschen stammende Historiker Helmut Lensing, dass ihr Buch über das Heuerlingswesen im gesamten Nordwesten so stark nachgefragt wird.

Bei Frauen sehr begehrt

Der Historiker Lensing aus Wietmarschen, der zweite Autor, betont: „Hier wird das Alltagsleben auf dem Lande einmal nicht ausschließlich aus dem Blickwinkel der Bauern gesehen, sondern vor allem das Leben der unterbäuerlichen Schichten geschildert. Offenbar fühlten sich die Heuerlinge und deren Nachfahren in bisherigen Veröffentlichungen mit ihrer Geschichte nicht ausreichend repräsentiert, denn gerade unter ihnen – und besonders bei den Frauen – ist das Buch sehr begehrt, wie uns die Buchhändler zurückmelden“. Bislang wurden 10.200 Exemplare gedruckt. Doch die meisten Exemplare seien bereits vergriffen. Im Buchhandel lägen sogar schon Vorbestellungen vor, so Lensing weiter. Das Werk ist überall im Buchhandel zu beziehen und im Laufe der kommenden Woche auch in den Geschäftsstellen unserer Zeitung,

Nachfrage hält an

Da die Nachfrage nach dem Buch weiterhin anhält, ist nun eine fünfte Auflage gedruckt worden. Textlich weitgehend unverändert, bietet die Neuauflage etliche neue Bilder. Zudem wurde die Literaturliste erweitert. Thematisiert wird im Buch beispielsweise die Wohnsituation der Heuerleute, das entbehrungsreiche Siedeln in Moor und Heide, die Flachsbearbeitung, der Leinenhandel und das Töddenwesen, der Hollandgang, die Auswanderung in die USA, die Suche nach Nebenerwerbsmöglichkeiten, das besonders harte Leben der Heuerlingsfrauen und Mägde oder die Lage der Heuerleute im Dritten Reich.

Zeitzeugen schildern plastisch den Alltag

Neben den über 300 Illustrationen ist für das Buch charakteristisch, dass in den einzelnen Kapiteln eine Reihe von Zeitzeugen zu Wort kommt, beispielsweise der ehemalige „Bauernpräsident“ Konstantin Freiherr von Heereman, eine Emsländerin, die auf einem Heuerlingshof groß wurde und das entbehrungsreiche Leben der Kleinstbauern aus Sicht der Frauen schildert, ein münsterländischer Arzt, der sich auf die Behandlung typischer Heuerlingskrankheiten spezialisierte, ein Industrieheuerling aus dem Kreis Tecklenburg oder ein niederländischer Genealoge, der sich mit dem Schicksal der deutschen Wanderarbeiter in unserem westlichen Nachbarland beschäftigt.

Fachleute sind angetan

Auch Fachleute zeigten sich angetan. Auf der Homepage des Kreisheimatbundes Steinfurt schrieb etwa der Historiker Christof Spannhoff über das Werk: „So ist ein historisches Lesebuch entstanden, das zu stundenlangem Schmökern einlädt und dabei noch äußerst lehrreich ist.“ Auf einer eigens eingerichteten Homepage www.heuerleute.de finden sich ebenfalls viele positive Kommentare aus dem n Verbreitungsgebiet und sogar einer aus den USA.


Das Werk mit dem Untertitel „Betrachtungen und Forschungen zum Heuerlingswesen in Nordwestdeutschland“ ist über den Buchhandel (ISBN 978-3-9818393-1-9) zum Preis von 24,90 Euro zu beziehen oder unter kontakt@emslandgeschichte.de zu bestellen.

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