26.06.2016, 11:30 Uhr

Gemeinsam mit „MEMA“ Campus Lingen macht Unternehmen fit für „Industrie 4.0“

Maik Schmeltzpfenning (links) vom „MEMA“-Netzwerk und Prof. Wolfgang Arens-Fischer vom Campus Lingen wollen den Unternehmen in der Region helfen, fit für die „Industrie 4.0“ zu werden. Foto: Wilfried RoggendorfMaik Schmeltzpfenning (links) vom „MEMA“-Netzwerk und Prof. Wolfgang Arens-Fischer vom Campus Lingen wollen den Unternehmen in der Region helfen, fit für die „Industrie 4.0“ zu werden. Foto: Wilfried Roggendorf

Lingen. Mit der Veranstaltungsreihe „NetzwerkING“ möchten der Campus Lingen und das Netzwerk emsländischer Metall- und Maschinenbauunternehmen „MEMA“ Unternehmen aus der Region fit für die Herausforderung „Industrie 4.0“ machen.

Prof. Wolfgang Arens-Fischer vom Campus Lingen beschreibt „Industrie 4.0“ kurz so: „Das ist die Digitalisierung betriebsübergreifender Produktionsprozesse.“ Welche Auswirkungen dies für die Unternehmen der Region haben wird, macht Maik Schmeltzpfenning („MEMA“) deutlich: „Den Unternehmen steht eine Revolution, ähnlich wie bei der Einführung der Computer in den 1970er-Jahren, bevor.“

Mensch, Technik und Produkt

Welche Revolution den Firmen da ins Haus steht und welche Themen sie dabei besonders interessieren, haben Arens-Fischer und Schmeltzpfenning jetzt bei einer Veranstaltung zum neunen Schwerpunkt „Industrie 4.0“ des „NetzwwerkING“ erfahren. Rund 90 Teilnehmer aus 60 Unternehmen hätten ihre Fragen zu den drei Themenbereichen Mensch, Technik und Produkt gestellt.

Widerstände in der Arbeitswelt

„Am meisten bewegt die Unternehmen, wie Widerstände in der Arbeitswelt zu überwinden sind“, hat Schmeltzpfenning die Sorge vieler erkannt. Arens-Fischer beruhigt: „Der Mensch wird nach wie vor in der Arbeitswelt benötigt. Es sind neue Techniken, die man den Menschen vermitteln muss.“

Neue Aktivitäten – Neue Ausbildung

Daraus ergäben sich Chancen. „Welche zusätzlichen Dienstleistungen kann ich um mein Produkt herum anbieten?“ Durch die „Industrie 4.0“ würden sich neue Aktivitäten der Unternehmen entwickeln, die wiederum den Menschen benötigen würden. Schmeltzpfenning sieht in neuen Aktivitäten auch die Frage nach der Ausbildung der Mitarbeiter: „Was muss sich da ändern, damit die Unternehmen auf ‚Industrie 4.0‘ vorbereitet sind?“

Eine Menge Vertrauen

Um diese Fragen im gegenseitigen Austausch der Unternehmenserfahrungen beantworten zu können, bedarf es, Stichwort Betriebsgeheimnis, einer ganzer Menge Vertrauen. „Dieses Vertrauen haben wir in zwölf Jahren ‚MEMA‘ aufgebaut und in den letzten drei Jahren durch das ‚NetzwerkING‘ intensiviert“; zeigt sich Schmeltzpfenning vom Ansatz her überzeugt. Die Hochschule stehe für Neutralität, betont Arens-Fischer. „Im Bereich Produktionstechnik lernt man voneinander und kann sich offen austauschen.“ Bei Gesprächen über spezielle Produkte sei das schon schwieriger, gibt der Hochschullehrer zu.

Mittelstand hängt zurück

In großen Betrieben sei die Entwicklung bei Planung und Verwaltung schon weit fortgeschritten, sagt Arens-Fischer. Dort gelte es, jetzt die Brücke zur Produktion zu schlagen. „Im Mittelstand ist dies noch nicht so angekommen“, nennt Schmeltzpfenning ein Problem, das es zu lösen gilt. Es sei derzeit schwierig, zu sagen, auf welchem Stand einzelne Unternehmen bei der Umsetzung von „Industrie 4.0“ seien.

„Industrie 4.0“ und Ethik

Einig sind sich Arens-Fischer und Schmeltzpfenning darin, das Digitalisierung und „Industrie 4.0“ unmittelbare Auswirkungen auf die Menschen als Arbeitnehmer und Privatperson haben wird. Arens-Fischer nennt Beispiele: „In einem Lager könnte der Beschäftigte über Lichtsignale Anweisungen erhalten, aus welchem Regal er welches Teil nehmen muss. Gleichzeitig kann aber der Vorgesetzte überwachen, wie schnell er das schafft.“ Auch sei es denkbar, dass unerfahrenen Arbeitern auf dem Bau Montageanleitungen für bestimmte Teile direkt auf eine Datenbrille eingespielt würden. „Der Arbeitsprozess ist überwachbar. Das wird verhandelt werden müssen“, ist sich Arens-Fischer sicher. Für Schmeltzpfenning stellt sich die Frage: „Wer führt hier eigentlich wen?“ Da komme man schnell in den Bereich der Ethik hinein.

Keine ständige Überwachung

Wie sich „Industrie 4.0“ privat auswirken könnte, erklärt Arens-Fischer: „Wenn im Auto eine Kontrollleuchte angeht und ich rechts ranfahren muss, wäre es doch toll, wenn der Hersteller direkt über eine Handyverbindung den Fehler aus der Autoelektronik auslesen könnte.“ Nichts anderes mache eine Werkstatt nach dem, vielleicht überflüssigen, Abschleppen auch zuerst. „Aber ständig überwacht werden, das möchten die Meisten und auch ich nicht.“


Was steckt hinter dem Projekt „NetzwerkING“?

2011 haben „MEMA“ und der Campus Lingen in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit sieben Unternehmen nach innovativen Lösungen von Problemen gesucht. Schwerpunkt waren Fragestellungen aus der Produktionstechnik. Daraus ist vor 2013 die für alle Unternehmen offene Idee des „NetzwerkING“ entstanden. Das „ING“ im Namen des Programms steht für Ingenieure. Aber auch Techniker und Meister aus technischen Bereichen von rund 35 Unternehmen beteiligen sich. Vierteljährlich besuchen sie Fachvorträge. Anschließend finden im kleineren Kreis Workshops statt, in der das jeweilige betriebliche Know-how bei der Lösung konkreter Aufgaben- und Problemstellungen vernetzt wird.

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