13.01.2016, 16:10 Uhr

68-Jähriger vor Gericht Kindesmissbrauch: Bewährungsstrafe in Lingen verhängt

Das Amtsgericht Lingen hat am Mittwoch einen 68-jährigen Sexualstraftäter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.  Symbolfoto: dpaDas Amtsgericht Lingen hat am Mittwoch einen 68-jährigen Sexualstraftäter zu einer Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Symbolfoto: dpa

Lingen. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes hat das Amtsgericht Lingen am Mittwoch einen 68-jährigen Mann aus dem südlichen Emsland zu einer zweijährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Während der Hauptverhandlung vor dem Jugendschöffengericht war die Öffentlichkeit zum Schutz des jetzt elfjährigen Opfers ausgeschlossen. Dies hatte die Nebenklage beantragt. Der Ausschluss der Öffentlichkeit ist laut Gerichtsverfassungsgesetz immer dann gegeben, wenn schutzwürdige Interessen des Opfers, wie in diesem Fall die Privatsphäre der Elfjährigen, schwerer als die öffentliche Erörterung wiegen.

Vergewaltigung hat es nicht gegeben

Zur Urteilsverkündung stellte das Gericht die Öffentlichkeit wieder her. Der Angeklagte, der zeitweise als Busfahrer gearbeitet hatte, verübte die Tat im Juni vorigen Jahres. Nach Informationen unserer Redaktion war der Mann mit dem Mädchen allein im Bus unterwegs, als es zu dem sexuellen Übergriff kam. „Eine Vergewaltigung hat es nicht gegeben“, erklärte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Für den schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes sehe das Gesetz eine Mindeststrafe von zwei Jahren Freiheitsstrafe vor.

Nach Angaben des Richters hat der Mann bereits in der polizeilichen Vernehmung die Tat in vollem Umfang eingeräumt. Weil der 68-Jährige auch in der Hauptverhandlung in vollem Umfang geständig war, konnte das Gericht auf die Vernehmung der Elfjährigen verzichten. Auch die Zeugenaussage einer Polizeibeamtin war nicht mehr erforderlich.

1000 Euro Geldstrafe

Laut Urteil muss der 68-Jährige eine Geldbuße von 1000 Euro an die Opferhilfe zahlen und sich einem Behandlungsprogramm von Sexualstraftätern in der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Lingen unterziehen. „Die Behandlung dient auch dazu, dass Sie erkennen, welche Folgen die Tat für das Opfer hat“, sagte der Richter. Außerdem verbot das Gericht dem 68-Jährigen, sich noch einmal dem Mädchen zu nähern. Ferner darf er keine Funktionen ausüben, die im Zusammenhang mit Kinder- und Jugendarbeit stehen. Wie der Vorsitzende Richter mitteilte, zahlte der Angeklagte während der Hauptverhandlung im zivilrechtlichen Wege ein Schmerzensgeld. Außerdem muss der Mann, der bislang strafrechtlich nicht in Erscheinung getreten ist, sämtliche Kosten des Strafverfahrens übernehmen.

Kinderschutzbund hilft Opfer

Der Vorsitzende Richter äußerte die Hoffnung, dass das Mädchen die Folgen der Tat verkraften wird. Nach dem Vorfall hatte es fachliche Hilfe von der Beratungsstelle Logo des Deutschen Kinderschutzbundes erhalten.

Zu Beginn und zum Schluss der Verhandlung saß der 68-Jährige mit versteinertem Gesicht auf der Anklagebank und blickte starr vor sich hin. Die Mutter des Opfers kämpfte mit den Tränen.

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hat der 68-Jährige seine bis dahin wahrgenommenen öffentlichen Ämter verloren. Seitdem ist er auch nicht mehr als Busfahrer tätig. Gegen das Urteil können noch Rechtsmittel eingelegt werden, wovon nach Ansicht von Prozessbeobachtern aber nicht auszugehen ist.

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